Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

24.07.2019, 11.46 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Deutschland is better“: Indische Austauschschüler an der FBR

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Selina, Victoria und Julian, allesamt Neuntklässler der Friedrich-Bayer-Realschule, hatten Rishi, Dhruw, Tanishk und Sanya aus dem fernen Indien für acht Tage bei sich zu Gast. | Foto: Meinhard Koke

Im vergangenen Jahr nahmen zehn Schüler der Friedrich-Bayer-Realschule (FBR) erstmals an dem Schüleraustausch teil, den vier Wuppertaler Schulen bereits seit Jahren mit einer Schule in Indien pflegen. Nun gab’s den Gegenbesuch: Vor den Sommerferien reisten 18 Schüler der G.D. Goenka Public School in der indischen Millionenstadt Ghaziabad nach Wuppertal.

Wie mag es den 12- bis 16-jährigen Gästen vom Subkontinent im Tal gefallen haben? War die nur eine Woche, welche sie in Wuppertal verbrachten, für sie wohl ein ähnlicher Kontrast wie die zwei Oktober-Wochen für die Küllenhahner Realschüler? Die hatten zwar gefunden, dass es in Indien gar nicht so „anders“ sei. Dennoch hatten sie sich auch von den extremen Gegensätzen von Arm und Reich in Indien beeindruckt gezeigt: „Ich schätze jetzt viel mehr, wie gut es uns allen hier geht“, lautete zum Beispiel das Resümee von FBR-Schülerin Victoria – „ich glaube, für mich und für alle anderen war es die Reise unseres Lebens“, sagte Julian im letzten Jahr zur CW.

Kein „Kulturschock“ am Küllenhahn

Als einen „Kulturschock“ haben auch Rishi, Dhruw, Tanishk und Sanya ihre Woche nicht empfunden – Heimweh gab’s aber mitunter dennoch. Schließlich waren der eine oder die andere von ihnen erstmals allein weg von zu Hause. Auch wenn die ursprünglich geplante Deutschland- beziehungsweise Europa-Tour ins Wasser fiel, vermeintliche „Hotspots“ wie Berlin, München oder Paris also nicht besichtigt wurden, zeigte sich das indische Austausch-Quartett vollauf begeistert. Und das Wuppertal-Kompliment war nicht der Höflichkeit der weitgereisten Gäste geschuldet.

Rishi, Dhruw & Co. zeigten sich ehrlich angetan: In ihrer Heimatstadt sei es fast immer sehr laut und hektisch, es gebe viel Verkehr und die Luft sei schlecht, Wuppertal derweil empfanden sie als sehr grün, sehr ruhig, die Luft hier sei wunderbar frisch und die Menschen freundlich – „Wuppertal ist sehr ,nice‘“, fanden sie unisono – da reibt sich der Wuppertaler vielleicht etwas die Augen… Auch wenn die Unterrichtsstunden an der Bayer-Realschule länger sind als die 35 Minuten daheim, auch die Schule hierzulande fand das weit gereiste Quartett besser.

Kulinaria-Favorit? „Brezeln – i like it“

Die Lehrer nicht so streng, keine Schuluniformen und nicht zuletzt Handys zumindest in den Pausen erlaubt – „Deutschland is better“, urteilten Tanishk, Sanya & Co.. Gleiches gilt für das Essen: Die vielen Sorten Brot und Schokolade, Kartoffeln und Laugenstangen, aber auch die vielen internationalen Angebote wie Pizza, Tsatsiki oder Wraps trafen den Geschmack des Indien-Quartetts: „Brezeln – i like it“, lautete der Kulinaria-Favorit von Tanishk.

Bootstour auf dem Rhein, Besuche von Köln, Bonn, Düsseldorf und des Fußball-Museums in Dortmund oder auch von Schloss Burg und nicht zuletzt eine Führung durchs Stadion am Zoo – auch wenn sie die ganz großen Deutschland-Highlights nicht zu Gesicht bekamen, zeigten sich die Zwölf- beziehungsweise 13-Jährigen auch von ihrem Sightseeing-Programm begeistert: „Beautiful“ oder „very nice“, urteilten sie, nur: Dass die Schwebebahn nicht fuhr, das war für die Indien-Gäste schon etwas traurig…

Dennoch: „Jaaa“, sagen sie einstimmig, irgendwann wollen sie wieder nach Deutschland kommen, dann aber auf jeden Fall länger als nur eine Woche bleiben. Was sie bis dahin vermissen werden? Die Gastfreundschaft ihrer Wuppertaler Gastfamilien sowie die frische Luft und die Ruhe – wie haben wir’s doch gut hier in Wuppertal. Victoria lag offenbar richtig – vielleicht sollten wir das mehr zu schätzen wissen…!