08.09.2019, 14.12 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Christian Bigalke: CFG-Lehrer in Peru berichtet über Schulprojekt

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Christian Bigalke, beurlaubter Lehrer des Fuhlrott-Gymnasium und seit sechs Jahren als ehrenamtlicher Schulleiter in Peru engagiert, während des Unterrichtes am „Colegio Diospi Suyana“. | Foto: privat

Vor sechs Jahren packte Christian Bigalke die Koffer: Der Lehrer am Carl-Fuhlrott-Gymnasium (CFG) ließ sich beurlauben und ging am 1. September 2013 mit seiner Ehefrau Verena, einer Grundschullehrerin, und den damals 5 beziehungsweise 6 Jahre alten Töchtern Lisanne und Maryse nach Peru (die CW berichtete). Angetrieben von ihrem christlichen Glauben half das Lehrer-Ehepaar aus Wülfrath im Rahmen eines internationalen Hilfsprojektes beim Aufbau einer Schule im Hochland von Peru.

Jetzt sind die Bigalkes zurück. Aber nicht für immer, sondern erst einmal nur für fünf Monate. Um schon einmal erste Weichen für die in drei Jahren geplante Rückkehr zu stellen, aber auch, um ein neues Projekt auf den Weg zu bringen: Nach einem Krankenhaus, einem Kindergarten und der Schule soll in dem peruanischen Hochland-Städtchen Curahuasi, etwa 50 Kilometer entfernt von der weltberühmten Inka-Stadt Machu Picchu, nun auch ein Lehrer-Fortbildungszentrum mit drei weiteren Kindergarten-Räumen entstehen.

Schul-Projekt ist ein Schmelztiegel

Mit diesem Projekt möchten die Bigalkes sozusagen das Hilfsprojekt für die Zeit nach ihrer Rückkehr auf ein nachhaltiges Fundament stellen. Denn: In dem Fortbildungszentrum, so erläutert Christian Bigalke, sollen bereits ab dem Frühjahr 2020 Lehrer aus der Region regelmäßig geschult werden – damit der Bildungserfolg des „Colegio Diospi Suyana“ in Zukunft noch größere Kreise zieht, sprich noch mehr Schulen und Schüler in der Region erreicht. Ihren Traum haben die Bigalkes offensichtlich schon erreicht.

In dem rund 12.000 Kilometer entfernten Hochland-Städtchen haben sie „von der Pieke“, wie es Christian Bigalke nennt, oder aus einem Rohbau eine Schule mit Kindergarten aufgebaut, die heute 375 Kinder und Schüler von drei Jahren bis zur 11. Klasse besuchen – erst im Dezember verließ der erste Abschlussjahrgang mit 16 Absolventen das „Colegio“. Die Schule ist ein Schmelztiegel: Kinder der ärmsten Bevölkerungsschicht Perus, der Quechua-Indianer, lernen hier ebenso wie Kinder aus der Mittelschicht oder auch Sprösslinge reicher Eltern – ein Novum für das lateinamerikanische Land, das Christian Bigalke als von Klassen, ja sogar einem gewissen Rassismus geprägt beschreibt.

Christian Bigalke: „Wie haben eine sehr gute Akzeptanz…“

Am „Colegio Diospi Suyana“ auf 2.700 Meter Höhe spielen diese gesellschaftlichen Unterschiede keine Rolle. In der christlich geprägten, überkonfessionellen Schule sitzt das Indianer-Kind neben dem Rechtsanwalt-Sohn und wird von Lehrern aus verschiedenen Ländern unterrichtet – „Haus, wo man gesund wird“, so erzählt Christian Bigalke, bedeutet der Stadt-Name Curahuasi übersetzt – die Projekt-Schule scheint ein solches Haus geworden zu sein: „Hier kommt zusammen, was sonst strikt getrennt ist.“

Der Aufbau war nicht leicht, gibt der 42-Jährige offen zu, sich in eine andere Kultur und ein anderes Bildungssystem reinzudenken sei nicht einfach und die Arbeit bis heute ein ständiger Aushandlungsprozess. Aber das „Pflänzchen Colegio“, welches den indigenen Bauern-Kindern ebenso die beste Bildung ermöglichen möchte wie den Sprösslingen der Mittel- und Oberschicht und auf diese Weise auch die Solidarität in der Gesellschaft stärken will, gedeiht: Fast alle Lehrer der Schulen von Curahuasi schicken ihre Kinder auf das Colegio – „wir haben eine sehr gute Akzeptanz, mehr konnte man nicht erwarten.“

Ob Sach- oder Geldspenden – Unterstützung weiter willkommen

Mit dem geplanten Fortbildungszentrum will das christliche Projekt noch mehr Multiplikator werden. 220.000 Euro soll es kosten, nach der bisher so großen Hilfsbereitschaft, darunter der Firma Knipex, eines Unternehmens aus Wermelskirchen, der Gemeinde Hl. Ewalde und der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Ronsdorf oder auch des Posaunenchores Cronenberg sowie der Lehrer, Eltern und Schüler des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums ist Christian Bigalke voller Zuversicht, auch dieses Ziel zu schaffen. Zumal Versandriese DHL zugesagt hat, Sachspenden für das Bildungszentrum in Form von Mobiliar, Computern oder auch Beamern und Leinwänden kostenlos nach Curahuasi zu schaffen.

Infos, Spenden & Vorträge

Um über die bisherige Arbeit zu informieren sowie weitere Unterstützer für das geplante Projekt, aber auch Schüler-Paten zu gewinnen, hält Christian Bigalke während seines Deutschland-Intermezzos eine ganze Reihe von Vorträgen. So berichtet er am morgigen Montag, 9. September 2019, in der Katholischen Gemeinde Hl. Ewalde von dem christlichen Bildungsprojekt im peruanischen Hochland. Der Beginn an der Hauptstraße 96 wird um 19 Uhr sein, der Eintritt ist frei.

Mehr Infos unter www.bigalkes.de. Spenden sind auf das Konto mit der IBAN DE33 2916 7624 0012 577 600 der Vereinigten Deutschen Missionshilfe (VDM e.V.) willkommen, bitte den Verwendungszweck: „AC321000 Bigalke“ nicht vergessen. Übrigens: Die Bigalkes wie alle Lehrer des Colegio arbeiten ehrenamtlich und bestreiten ihren Lebensunterhalt ebenso aus Spenden. Ein weiterer Abend zum „Colegio Diospi Suyana“ mit dem CFG-Lehrer ist am 12. September ebenfalls ab 19 Uhr bei der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Ronsdorf an der Bandwirkerstraße 28.

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