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16.10.2019, 13.56 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Reihe „Portrait“: Peter Jung plauderte Privates & Politisches

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Dr. Martin Fleuß (links) und Martin Probach (rechts) begrüßten als zweiten Talk-Gast in der Reihe „Portrait“ den „Nachbarn“ Peter Jung auf dem Küllenhahn. | Foto: Meinhard Koke

Ex-Oberbürgermeister Peter Jung hatte bei seinem Besuch in der Reihe „Portrait“ der Evangelischen Gemeinde Küllenhahn ein Heimspiel, schließlich ist der frühere erste Bürger der Stadt nur ein paar Steinwürfe entfernt zu Hause. Insofern mussten Martin Fleuss und Martin Probach ihren Gast den zahlreich erschienenen Zuhörern auch nicht weiter vorstellen. Zumal sich Peter Jung an der Nesselbergstraße wie eh und je präsentierte – launig aufgelegt plauderte er aus seinem Nähkästchen.

Sitzen geblieben, aber Ehefrau kennengelernt

So erfuhren die Gäste einiges aus Jungs Kinderzeit, die am Küllenhahn unbeschwert gewesen sei. An seine Volksschulzeit hat er „gemischte Erinnerungen“: Auch wenn die Klassen 1 bis 9 am Küllenhahn einst gemeinsam paukten, Ärger mit Älteren habe es nie gegeben – im Gegenteil: Er habe einem größeren Mitschüler mit der Nadel in den Hintern gestochen – dafür verdonnerte ihn Rektor Leimbach zu einer Strafarbeit. Zu seiner Klassenlehrerin hat Jung noch immer Kontakt – „ich war ihr Lieblingsschüler“, berichtete Jung, da ging ein „Aaach…“ durch den Gemeindesaal.
Seinen Abi-Schnitt am Dörpfeld-Gymnasium wollte Peter Jung indes nicht preisgeben. Nicht hinterm Berg hielt Jung aber damit, dass er einmal sitzen blieb. Zum (Ehe-)Glück: Dadurch kam er schließlich in die Klasse, der auch Ulrike angehörte – und die wurde später seine Frau.

Berufswunsch Lokomotivführer

Dass Peter Jung nicht nur leidenschaftlicher Wanderer ist, sondern auch Modelleisenbahn-Fan, ist bekannt. Insofern war es keine Überraschung, dass Lokführer der frühe Berufswunsch war. Der erfüllte sich bekanntlich nicht, Jung steuert lediglich die Loks seiner heimischen Modell-Anlage und absolvierte vielmehr eine Bank-Lehre, um im Anschluss an einer Privat-Uni zu studieren. Das Studium sei sehr straff gewesen, berichtete der 64-Jährige, und brachte auch ein Praktikum in einem belgischen Großhandel mit sich. Dabei musste der damals „grundschüchterne“ Praktikant auch einmal morgens in einem Supermarkt den Kunden Beaujoulais andienen – „das war mir sehr peinlich“, erinnerte sich Jung – heute lacht er darüber…

Nach dem Studium trat er ins Familien-Unternehmen ein. Onkel und Vater ließen ihm zwar viele Freiheiten, dennoch gab es offenbar Generationskonflikte. Jedenfalls sei er drei Mal rausgeflogen – „und im Anschluss jedes Mal zu besseren Konditionen wieder eingestellt worden“, schmunzelte Jung. Für den Bürgerverein Küllenhahn sei er vom Vater, damals der Vorsitzende, als Kassierer „zwangsverpflichtet“ worden. Eigentlich habe er kein „Vereinsmeier“ werden wollen, das änderte sich aber: Schließlich trat er in die Fußstapfen des Vaters und war jahrelang Vorsitzender des Vereins.

Der CDU trat Jung indes 1972 freiwillig bei: Das sei eine hochpolitische Zeit gewesen, mit „Willy wählen“ hatte Jung nichts am Hut: „Ich war ein großer Fan von Rainer Barzel“, dem damaligen CDU-Kontrahenten des SPD-Bundeskanzlers Brandt. Selbst in die Politik geriet Jung nach dem Brand des Schwimmsport-Leistungszentrums. Jung engagierte sich für den Wiederaufbau und die Sanierung der Schwimmoper – beides mit Erfolg, da ließ die Anfrage auf eine Kandidatur für den Rat nicht lange auf sich warten. Jung wurde nicht nur gewählt, sondern auch zum 1. Bürgermeister: „Das hat mir wirklich Freude gemacht“, bekannte er, richtig „kritisch“ sei es indes geworden, als er die Amtspflichten des suspendierten damaligen Oberbürgermeisters Kremendahl übernehmen musste: „Das war eine unheimliche Herausforderung ehrenamtlich neben dem Beruf…“

Bevor er sich zur Kandidatur für das OB-Amt entschloss, beriet er sich daher zunächst mit seiner Familie – Ehefrau Ulrike übernahm die Geschäftsführung der Firma, Jung trat im Oktober 2004 an – und wurde gewählt, 2009 behauptete er sein OB-Amt klar vor SPD-Herausforderer Dietmar Bell. Auf die Frage aus dem Publikum benannte Jung den erfolgreichen NRW-Tag in Wuppertal als einen der schönsten Momente seiner Amtszeit. Einer der furchtbarsten sei derweil der Tod des Pflegekindes Thalea gewesen.

Statt OB-Sessel nun Lieblings-Opa und Küchenchef

Dass er 2015 gegen seinen SPD-Nachfolger Andreas Mucke unterlag, das hat Peter Jung „natürlich enttäuscht“. „Aber das ist nur ein Amt auf Zeit – ich habe das sehr gut verkraftet“, unterstrich Peter Jung, zumal der begeisterte Großvater nun mehr Zeit für seine beiden Enkel hat: „Ich kann jetzt das zurückgeben, was ich elf Jahre lang nicht konnte.“

Aber nicht nur die Enkel, beide natürlich „Opa-Kinder“, werden geliebt. Auch Ehefrau Ulrike wird verwöhnt: „Ich koche wieder – ich habe eine universal-gutbürgerliche Küche“, verriet Peter Jung zum Abschluss eines kurzweiligen Heimspiel-Abends…