Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

16.10.2019, 15.39 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Wer macht denn sowas? Schmöker im Bücherschrank angezündet

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„Ich war erst wütend und dann traurig“, sagt Petra Schneider: „Da stellt man etwas zur Verfügung und dann sowas – ich habe mich ein bisschen auch persönlich angegriffen gefühlt.“ Gemeint ist der Küllenhahner Bücherschrank, den sie vor rund fünf Jahren vor ihrem Haus am Odenwaldweg aufgestellt hat und mit viel Liebe betreut – vorletzte Woche versuchten Unbekannte Bücher darin anzuzünden. Das schlug zum Glück fehl: Bücher wurden zwar angekokelt, das Feuer erlosch aber offenbar von selbst.

Die 54-Jährige hat Anzeige erstattet, denn nicht erstmals haben sich Unbekannte an ihrem „Bücherschrank“ vergriffen: Immer wieder mal fanden sich am Ende des benachbarten Spessartwegs Bücher, welche zerrissen und im Wald verstreut worden waren. Im Juni bat der Bürgerverein Küllenhahn seine Mitglieder um erhöhte Aufmerksamkeit. Zuvor war im Sandkasten des Spielplatzes an der Ecke Odenwaldweg / Spessartweg mit Büchern ein kleines Feuer gemacht worden – vermutlich hatten sich die Übeltäter hier ebenfalls an dem nahegelegenen Bücherschrank bedient…

Dass es sich bei den Bücherwürmern auf Abwegen um Kinder oder Jugendliche handelt, scheint naheliegend. Von „Dumme-Jugend-Streichen“ möchte Petra Schneider aber nicht mehr sprechen: Was, wenn die Zündelei Erfolg gehabt hätte und der Bücherschrank in Flammen aufgegangen wäre? Dann hätte das Feuer vielleicht auf die Hecke direkt nebenan übergegriffen und vielleicht sogar auch auf ihr Wohnhaus, ein Holzhaus – „das hätte ganz böse Folgen haben können“, zeigt sich Petra Schneider nicht nur traurig, sondern auch erschrocken.

Die 54-Jährige hofft, dass der „Schabernack“ ein Ende hat und sich zukünftig nur noch Leseratten am Bücherschrank bedienen. Denn von den Küllenhahnern wird das Angebot bestens angenommen: „Es ist total toll, der Schrank wird reichlich genutzt“, weiß Petra Schneider, weil sie täglich nach dem Rechten schaut: „Das Angebot sieht jeden Tag anders aus…“ Und mitunter findet sie auch Zettel mit einem „lieben Dank“ darauf: „Das ist super“, freut sich die Bücher-Aktivistin – solche „Hinterlassenschaften“ hofft Petra Schneider nur noch zu finden…