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04.12.2019, 13.24 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Volkstrauertag: Cronenberger Gedenkstunde wider das Vergessen

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Schüler des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG) trugen auch bei der diesjährigen Cronenberger Gedenkveranstaltung am Ehrenmal ihre Gedanken zum Volkstrauertag vor. | Foto: Meinhard Koke

Im kommenden Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges und der Untergang des Nazi-Regimes zum 75sten Mal. Das ist lange her, diejenigen, die den Krieg und seine Grausamkeiten miterlebt haben, werden immer weniger, vergessen werden dürfen die Schreckenszeiten jedoch nicht. Dazu dient der Volkstrauertag: Alljährlich im November wird dabei der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht – die Erinnerung ist dabei zugleich Mahnung zu „Nie wieder Krieg“ und zum Einsatz für die Werte der Demokratie.

Auch wenn das Wetter nicht das schlechteste war, nur etwa 170 Besucher kamen zur Cronenberger Gedenkstunde ans Ehrenmal – es werden immer weniger, welche den Volkstrauertag begehen. Kein Wunder, mag man meinen, schließlich leben wir ja seit 75 Jahren in Frieden. Ein Blick in die Tageszeitung oder auf die abendlichen Nachrichtensendungen im Fernsehen reicht jedoch, um zu erkennen: An vielen Orten auf der Welt ist Krieg, Gewalt und Unterdrückung an der Tagesordnung, Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Und auch hierzulande mehren sich Ängste vor einem Rückfall in „alte Schreckenszeiten“.

CFG-Schüler: „Wir haben die Verantwortung für diesen Friedens-Schatz…“

„Frieden ist für uns wie Wasser“, meinten denn auch die Schüler des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG), die auch in diesem Jahr ihre Gedanken zum Volkstrauertag äußerten. Allerdings komme der Frieden nicht aus dem Wasserhahn, er sei also keine Selbstverständlichkeit, forderten die Gymnasiasten dazu auf, die Opfer von Krieg und Gewalt nicht zu vergessen – auch nicht die heutigen. Frieden sei „ein Schatz“, schrieben die CFG-Schüler den nachfolgenden Generationen und ihren Altersgenossen ins Gebetbuch, „und heute haben wir die Veranwortung für diesen Schatz“.

Im Anschluss trat Pfarrer i.R. Ulrich Weidner ans Mikrofon: „Jahr für Jahr treffen wir uns hier“, schaute der Theologe zurück auch auf die unterschiedlichen Rahmenbedingungen des Trauertages in der Vergangenheit. Weidner widersprach jedoch, dass der Volkstrauertag überholt sei und das Gedenken rituellen Charakter habe. Das Erinnern dürfe nicht vergessen werden, es müsse weitergegeben werden, mahnte der Cronenberger Pastor, man müsse wachsam bleiben gegenüber immer neuen Gefahren.

Ulrich Weidner, Pfarrer im Ruhestand der Evangelischen Gemeinde Cronenberg, hielt die Ansprache zur Dörper Gedenkstunde 2019 am Volkstrauertag. | Foto: Meinhard Koke

Ulrich Weidner, Pfarrer im Ruhestand der Evangelischen Gemeinde Cronenberg, hielt die Ansprache zur Dörper Gedenkstunde 2019 am Volkstrauertag. | Foto: Meinhard Koke

Heute gebe es wieder Menschen, die sich als Verlierer fühlten, und Führer, die Versprechungen machten. Nicht zuletzt auch die Anschläge auf die Kölner Oberbürgermeisterin Reker, der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke oder auch das Halle-Attentat machten klar: Freiheit sei kein Geschenk, Freiheit sei keine Selbstverständlichkeit – „man muss darum kämpfen, sich dafür einsetzen, das ist der Sinn des Volkstrauertages“, betonte Weidner.

Ob der eindringlichen Worte der CFG-Schüler und des Cronenberger Pfarrers und nicht zuletzt der unsicheren Zeiten weltweit, aber auch der Tendenzen in Europa und hierzulande im November 2020 mehr Menschen den Weg zur Gedenkstunde ans Ehrenmal finden – man darf gespannt, muss aber wohl auch skeptisch sein…