" /> Cronenberger Woche » Porträt: Polizeipräsident machte „Überstunden“ am Küllenhahn
08.01.2020, 13.10 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

0 Kommentare

Porträt: Polizeipräsident machte „Überstunden“ am Küllenhahn

Artikelfoto

Polizeipräsident Markus Röhrl (mi.) im „Porträt“-Gespräch mit Dr. Martin Probach (li.) und Dr. Martin Fleuß. | Foto: Meinhard Koke

Ein „Peterwagen“ vor dem Küllenhahner Gemeindehaus und drei Polizeibeamte dazu – was mochte an diesem Dezember-Freitagabend in der beschaulichen Nesselbergstraße passiert sein? Nichts Schlimmes, vielmehr war Markus Röhrl in der Reihe „Porträt“ in der evangelischen Gemeinde zu Gast. Mit dem Polizeipräsidenten für Remscheid, Solingen und Wuppertal begrüßten die „Talkmaster“ Dr. Martin Fleuß und Dr. Martin Probach einmal mehr einen „Promi“ zu ihrem Gesprächsabend.

Polizeischutz seien die Beamten vor der Gemeindehaus-Tür nicht, versicherte Markus Röhrl dabei. Schließlich sei der Küllenhahn wie ganz Cronenberg ein ziemlich sicheres Wuppertal-Pflaster: „Cronenberg ist am untersten Rand, ruhig und ohne Probleme“, unterstrich der oberste Ordnungshüter im Städtedreieck auch, dass im beschaulichen Dorf trotzdem noch immer zwei bis drei Bezirksbeamte stationiert sind. Aber auch insgesamt sei die Sicherheitslage „objektiv wesentlich besser geworden“. Dass die Kriminalitätszahlen sinken, das subjektive Unsicherheitsgefühl der Bürger aber steige, sei ein Phänomen, als dessen Ursache Markus Röhrl die Übergriffe der Silvesternacht von Köln bezeichnete. Dem sei mit Statistiken nicht beizukommen: „Mit Ihren Zahlen können Sie mir meine Angst nicht nehmen“, laute vielfach die Meinung, weiß Röhrl – „darüber muss man sich Gedanken machen“, unterstrich der Polizeipräsident auf Küllenhahn.

„Nicht weniger Polizei, sondern nur anders im Einsatz…“

Dass es zu wenig Polizei gebe, ließ der oberste Ordnungshüter im Städtedreieck an dem „Porträt“-Abend jedenfalls nicht gelten. Die Beamten seien zwar weniger auf Fußstreife, dafür aber verstärkt im Streifenwagen unterwegs. Grund dafür sei auch, dass es etwa 50 Prozent mehr Einsätze aufgrund von „110“-Anrufen gebe. An schönen Sommerabenden zum Beispiel gingen alle zehn Minuten Anrufe wegen Ruhestörung oder Grillen ein. Insofern: „Die Polizei ist nicht weniger geworden, es hat Umschichtungen gegeben“, betonte Markus Röhrl auch. Als Gründe für die „Umschichtungen“ benannte der Polizeipräsident auch Veränderungen der Kriminalität: Bei Einbrüchen und Raub gebe es extreme Rückgänge, den klassischen Bankräuber gebe es kaum mehr.

Dafür hätten Internet-Betrügereien oder auch Diebstähle mit perfiden Maschen wie dem Enkel- oder dem Polizei-Trick Konjunktur, auch vermehrte Auseinandersetzungen mit Messern seien ein Phänomen. Neben Rechtsextremismus und Islamismus sei zudem die Clan-Kriminalität in den Fokus gerückt. Diese habe zuvor weniger im Vordergrund gestanden, räumte Röhrl ein, mit dem Amtsantritt von NRW-Innenminister Reul habe es hier aber eine Wende gegeben. NRW benannte Markus Röhrl als einen bundesweiten Hotspot krimineller Clans, Wuppertal zähle aber nicht dazu. Mit Verbesserungen bei der Polizei-Ausstattung oder der Schaffung neuer rechtlicher Möglichkeiten bei Schleierfahndung, Telefonüberwachung oder auch Polizeigewahrsam sieht Röhrl die Hüter gut aufgestellt. Auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen seien ausreichend, „sie müssen nur ausgeschöpft werden“, forderte der Präsident.

„Da läuft was schief in der Gesellschaft…“

Das gelte zum Beispiel auch für den Umgang mit Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdiensten. „Der ist rauer geworden“, konstatierte Markus Röhrl, „ich habe das Gefühl, in der Gesellschaft läuft was schief“. Die Polizei versuche damit professionell umzugehen, Schutz-Ausstattung sei dabei ebenso eine Hilfe wie Body-Cams, Trainings mit Psychologen oder auch ein striktes Dagegenhalten: Wenn Beamte beleidigt würden, schreibe man Strafanzeigen. Dennoch: Eine Rückbesinnung auf mehr Höflichkeit und Respekt in der Gesellschaft bezeichnete der Chef von etwa 1.800 Beamten im Städtedreieck als geboten. Dem mehr als höflichen Applaus der Zuhörer im Küllenhahner Gemeindesaal konnte sich Markus Röhrl zum Schluss sicher sein: Schließlich hatte er sich nach Feierabend zwei Stunden für den „Porträt“-Abend Zeit genommen, um dann noch eine Stunde für den Heimweg nach Hause zu brauchen – Respekt, Herr Röhrl!

Nächster Termin: Wissenswertes von Chefredakteur

Am 10. Januar kommt erneut ein interessanter Talk-Gast an die Nesselbergstraße 12: In der Reihe „Wissenswertes“ begrüßt Initiator Dr. Martin Fleuß dann um 19.30 Uhr Lothar Leuschen im Gemeindehaus. Unter der Überschrift „Wie funktioniert eigentlich Zeitung?“ wird der Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung (WZ) „Wissenswertes“ zur Erstellung einer Tageszeitung erläutern, aber sicherlich auch „Hintergründiges“ zum Geschehen in der Stadt berichten. Der Eintritt zu dem Abend ist frei, Interessierte sind herzlich willkommen. Mehr Infos unter kirche-kuellenhahn.de.

Lesermeinungen zu diesem Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Veröffentlichte Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bitte achten Sie bei Ihrer Meinungsäußerung unbedingt auf einen respektvollen Umgang anderen gegenüber. Beleidigungen, werbliche Einträge sowie Kommentare ohne Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse werden nicht veröffentlicht.