Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

21.03.2020, 14.17 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Besonnenheit ist erste Bürgerpflicht – auch im Supermarkt, bitte!

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Neben Lehrern und Kita-Mitarbeitern sowie Eltern, die nach den Schließungen von Schulen und Kitas eilends Notfallpläne schmieden mussten; neben den Mitarbeitern im Gesundheits- und Pflegesektor; neben den Beschäftigten im ÖPNV, am Steuer von Lkw, die den Warenverkehr aufrecht erhalten; neben Polizei, Feuerwehr und vielen mehr, die aktuell weiter „ihren Job“ machen, sind sie „Helden“ der Corona-Krise: Die Mitarbeiter in den sytemrelevanten Geschäften sowie in den Supermärkten.

Sie erleben seit letzter Woche einen täglich Ansturm wie selten zuvor – „Hamsterkäufer“ stürmen geradezu die Lebensmittel-Geschäfte, Mehl, Nudeln, Tiefkühl- und Fertiggerichte, aber zum Beispiel auch Toiletten- und Küchenpapier, H-Milch, Tiefkühl- und Aufback-Produkte sind die „Verkaufsschlager“ dieser denkwürdig-historischen Krisen-Tage. Wie vor Weihnachten sei der Kundenandrang, berichtet Denis Weisz, der Leiter der REWE-Filiale am Küllenhahn.

Hamsterkäufe: Klopapier & Mehl nur noch auf Paletten

Dass die Kunden sich derart bevorraten, kann der 30-Jährige nicht so recht nachvollziehen: Man bekomme ja weiterhin täglich neue Ware. Die wird allerdings zum Teil schon nicht mehr wie gewohnt in die Regale geräumt, sondern nur noch auf Paletten davor abgestellt – da sich das Einsortieren nicht mehr lohnt, da Nudeln, Mehl, Klopapier & Co. reißend schnell wieder weg sind.

Handgreifliche Szenen hat Denis Weisz in seiner Filiale zwar noch nicht erlebt, verbale Auseinandersetzungen zwischen Kunden aber hat es an der Küllenhahner Straße schon mehrfach gegeben. Auch um „Verteilungskämpfen“ vorzubeugen, hat der REWE-Markt den Verkauf limitiert und gibt zum Beispiel nur noch drei Liter Milch sowie je eine Packung Toiletten- und Küchenpapier pro Kunde ab. Das sorgt wiederum für Diskussionen, wenn mehr im Einkaufswagen liegt. Manchmal ist aber nicht übertriebene Bevorratung der Grund, zunehmend kaufen Kunden auch für Hilfsbedürftige mit ein – also nicht nur Vorsicht beim Anstehen an der Kasse, sondern auch mit Vorwürfen beim Einkauf!

Supermarkt-Mitarbeiter gehen ans Limit

Nicht bei den Waren in den Regalen oder auf den Paletten ist ein Ausverkauf zu befürchten, vielmehr sind die ganz persönlichen „Batterien“ von Denis Weisz und seinem Mitarbeiter-Team einer besonderen Belastungsprobe ausgesetzt: „Wir gehen an unsere Grenzen“, berichtet der Leiter der REWE-Filiale. Umso mehr gilt: Auch wenn die Corona-Krise längst nicht ausgestanden ist, auch weitere Einschnitte kommen mögen, keine Panik beim Einkaufen! Verhungern wird schon keiner von uns müssen – neben Vorsicht bleibt Besonnenheit eine erste Bürgerpflicht – auch im Supermarkt!

Einkaufs-Appell von NRW-Ministerin Heinen-Esser

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser ruft die Bevölkerung zur Rücksichtnahme im Konsumalltag auf: „Der Kampf gegen das Corona-Virus erfordert Solidarität und Besonnenheit auch an der Ladentheke. Dazu gehört, in diesen Zeiten auch beim Einkauf an andere zu denken, nicht die letzten Packungen als Vorrat aus den Regalen zu räumen und Nachbarn zu fragen, ob man beim Einkauf etwas mitbringen kann. Dies dient auch dazu, die Zahl der Personen in Geschäften zu reduzieren“, so Heinen-Esser in ihrem Appell.

Die Ministerin betont weiter: „Man kann es nicht oft genug sagen: Wir haben keine Versorgungskrise. Unsere Lebensmittelversorgung ist weiterhin gesichert.“