Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

26.04.2020, 09.55 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Reihe „#HoffnungHamstern“: „Lieber lächerlich als tot…!“

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Tim Polick ist Mitarbeiter des Öffentlichkeitsreferates des Kirchenkreises Wuppertal. | Foto: privat

Auf seiner Internet-Seite unter www.evangelisch-wuppertal.de hat der evangelische Kirchenkreis Wuppertal während der Corona-Krise die Reihe „#HoffnungHamstern“ ins Leben gerufen. Täglich berichten hier Menschen dazu, was ihre ganz persönlichen Lichtblicke in der Corona-Zeit sind. Beitrag 14 stammte von Tim Polick: Unter der Überschrift „Lieber lächerlich als tot“ veröffentlichen wir an dieser Stelle als „stärkendes Wort zum Sonntag“ den „#HoffnungHamstern“-Beitrag des Cronenbergers:

„Plötzlich stehe ich da. Umarme einen Baum. Waldbaden nennt man das auch. Wieder die Verbundenheit mit der Natur und unserem Ursprung erleben. Entschleunigen. Nichts weniger als die Welt umarmen. So fühlt sich das in dem Moment an.

Ich gehe aktuell öfter durch Wälder als gewohnt, obwohl ich immer wusste, dass mir das gefällt. Aber Termine hier, Verabredungen da, Engagement dort – Sie kennen das. Jetzt steht das gesellschaftliche Leben. Alle Kalender leeren sich. Aus Solidarität vermeidet man Kontakt und sucht Freiräume – die heimischen Wälder und Naherholungsgebiete sind voller als üblich. Zurecht.

Bei einem Spaziergang mit meiner Freundin entdecke ich diesen großen, alten Baum. Mir fallen Berichte über Waldbaden ein. „Ist das lächerlich?“, frage ich mich. „Better be ridiculous than dead“ („Lieber lächerlich als tot“) – so bewarb das New Yorker Gesundheitsamt zu Zeiten der Spanischen Grippe das Masken-Tragen. Wie treffend! Also umarme ich kurzerhand diesen Baum und lehne mich an, schließe die Augen.

Irgendetwas hat dieses Waldbaden, das Erleben der wunderbaren Schöpfung. Die Natur zwitschert weiter fröhlich vor sich hin. Ja, sie holt gerade sogar tief Luft, weil die Menschheit stillsteht. „Der Virus schafft, was Greta nicht schafft“, denke ich privilegiert und bete für Erkrankte, Angehörige und Helfende.

Eine Umarmung mit einem Baum. Kann das menschlichen Kontakt ersetzen? Wohl kaum. Aber ähnlich mutmachend, das bemerke ich. Und hamstere etwas Hoffnung von der großen, alten, beständigen und so schützenswerten Schöpfung.“

Tim Polick