Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

05.05.2020, 19.36 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Schul-„Restart“: Viel mehr ist im Schulzentrum Süd kaum möglich

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Fast wie auf einem Kasernenhof: Hintereinander nehmen die „Süd“-Schüler auf Abstand Aufstellung, um vom Schulhof geordnet zurück in ihre Klassen zu gehen. | Foto: Meinhard Koke

Schul-Wiederbeginn für alle Schüler vor den Sommerferien? Normaler Unterricht wird das nicht sein können / Schon wenn die Absolventen 2021 wieder einrückten, geräte das Schulzentrum Süd ob der Corona-Auflagen an seine Kapazitätsgrenzen.

Pause auf dem Ostschulhof des Schulzentrums Süd. Früher herrschte da „Jubel, Trubel, Heiterkeit“, am Dienstag letzter Woche, 28. April 2020, war der Geräuschpegel fast gespenstisch still. Das Corona-Virus und die damit zusammenhängenden Gebote und Regeln sorgen dafür, dass nicht getobt wird; Schüler und Aufsicht führende Lehrer stehen oder sitzen mit Schutzmasken ruhig beieinander – auf Abstand, natürlich! Es wirkt wie in der Grundschule: Zum Pausenende stellen sich die Schüler in Schlangen hintereinander auf, um dann geordnet durch die rechte Eingangstür zurück ins Gebäude zu gehen. Ein wenig später betritt aus der linken Tür (der Ausgangsseite) die nächste „Pausenschicht“ den Hof – natürlich ebenso geordnet.

So geht es seit dem 23. April im Schulzentrum Süd zu: Nach der ersten NRW-Etappe zur Teilöffnung der Schulen sind die diesjährigen Absolventen der Friedrich-Bayer-Realschule (FBR) und des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG) wieder in die Klassenräume „eingerückt“ – von den insgesamt rund 2.200 Schülern des Schulzentrums sind etwa 300 Schüler zurück am Jung-Stilling-Weg. Um das entsprechend der Corona-Auflagen händeln zu können, haben die beiden Schulen im „Süd“ einen abgestimmten Maßnahmenplan zur Hygiene und zur Einhaltung der Abstandsregeln erarbeitet.

Getrennte Pausenhöfe, Einbahnstraßen-System und zeitversetzte Unterrichtsblöcke

So wurden Einbahn-Laufwege für das geordnete Kommen und Gehen abgesperrt, die Pausenhöfe wurden getrennt – der Westhof am Sportzentrum ist den angehenden Abiturienten vorbehalten, auf dem Osthof machen die kommenden Absolventen der FBR Pause. Ein Abstand von etwa 1,5 Metern und häufiges, gründliches Händewaschen mit Seife sind ebenso angesagt wie die Beachtung der Hust- und Niesetikette oder auch das Gebot zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Das Pausenzentrum des Schulzentrums Süd ist abgesperrt – durch das zuvor „pulsierende Herz“ führt nun unter anderem der „Einbahnstraßen-Ausgang“. | Foto: Meinhard Koke

Damit es zu keinen größeren Schüleraufläufen kommen kann, beginnt der jeweils vierstündige Unterricht in Doppelstunden-Blöcken jeweils zeitversetzt. Zudem wurden die Jahrgangsstufen beziehungsweise Klassen entzerrt: In Kleingruppen bis zu maximal 15 Personen pro Raum wird unterrichtet. Die Türen zu den Räumen bleiben offen, sodass die Klinken nicht durch viele Personen benutzt werden müssen. Die Tische sind auf Abstand aufgestellt, es wurden jeweils Sitzpläne erstellt, pro Tag nutzt nur eine Lerngruppe einen Raum. Alle Klassenzimmer werden zudem täglich gesäubert. Auch vor den Toiletten macht das Maßnahmenbündel natürlich nicht Halt: Nur zwei Schüler dürfen gleichzeitig auf die Klos, davor wurden Wartemarkierungen auf dem Boden angebracht.

Freude über Ende der Corona-Schulpause

Trotz aller Regeln, Vorschriften und Gebote, die Realschüler, mit welchen die CW sprach, freuten sich über ihr „Schul-Comeback“: Zu Hause sei es allmählich langweilig gewesen, hieß es; der geteilte Unterricht in den Lerngruppen sei viel konzentrierter und somit besser, meinten andere der FBR-Zehntklässler – man konnte den Eindruck gewinnen, dass Schule in Corona-Zeiten den Schülern fast besser gefällt als zuvor.

Für die Schulleiter Markus Dätig (FBR) sowie Reinold Mertens (CFG) waren die Vorbereitungen auf die letztwöchige Teilöffnung indes alles andere als „spaßverdächtig“. Während man ob der Bund-Länder-Konferenz nach Ostern zunächst von einer ersten Schulöffnung zum 4. Mai ausging, wurde dann aus Düsseldorf der 23. April vorgegeben. Als man dann zunächst von einem Schulbesuch auf freiwilliger Basis ausgehen musste, erreichte Markus Dätig erst am Samstagabend die Info, dass die NRW-Teilöffnung für die Zehntklässler verpflichtend sei: „Wir waren gerade in einer Video-Konferenz, als die Mail aufploppte“, berichtet der FBR-Leiter: „Dann gingen die Vorbereitungen richtig los.“

„Wenn Lockerungen, dann gehört Schule dazu…“

Trotz des „Wirrwarrs“: Beide Schulleiter aus dem „Süd“ stehen zu der Teilöffnung: „Ich fand es nicht zu kurzfristig, wir waren darauf gefasst“, sagt Reinold Mertens und lobt die Kommunikation mit der Stadt als „sehr angenehm“. Auch wenn kaum Masken und keine Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt wurden, die Entscheidung des Landes findet der CFG-Leiter richtig: „Man kann nicht immer nur fordern, man muss auch mal selbst tätig werden – wir jedenfalls sind bis jetzt selbst klar gekommen“, verweist Mertens auf die Anschaffung von Masken und die „Haus-Herstellung“ von Desinfektionsmitteln.

Auf Abstand geht es im Einbahnstraßen-Sytem durchs „Süd“ zurück in die Klassen. | Foto: Meinhard Koke

Auf Abstand geht es im Einbahnstraßen-Sytem durchs „Süd“ zurück in die Klassen. | Foto: Meinhard Koke

„Süd“-Kollege Markus Dätig begrüßt die Rückkehr seiner Zehntklässler ebenso, nachdem die Vorgaben dazu endlich klar gewesen seien: „Es muss ja irgendwie weitergehen, aber mit den notwendigen Voraussetzungen dazu.“ Wenn das öffentliche Leben Schritt für Schritt hochgefahren werde, „dann gehört Schule einfach dazu“, meint Dätig: „Wir müssen jetzt vorangehen.“ Aus der Elternschaft jedenfalls hat Dätig keine Kritik gehört, vielmehr gab es Lob für den Online-Unterricht: „Wir haben sehr, sehr viel Zustimmung bekommen“, freut sich der Küllenhahner Realschul-Leiter.

Allerdings: Ein weiterer „Re-Start“ für die Schulen wird schon aus ganz praktischen Gründen zunehmend schwieriger. Denn: Zum Beispiel 20 Prozent der Lehrerschaft der Friedrich-Bayer-Realschule fallen aktuell für den Präsenz-Unterricht aus, weil sie zur Corona-Risikogruppe zählen. Da jede Klasse in zwei/drei Lerngruppen auf entsprechend zwei/drei Räume aufgeteilt wird, gerieten beide Schulen im „Süd“ bereits mit der ursprünglich für den 7. Mai angekündigten Rückkehr der Absolventen 2021 an ihre räumlichen und personellen Grenzen – diese ist indes (vorerst) vom Tisch…

Hilfe zur Selbsthilfe

Zur Rückkehr der diesjährigen Abschlussklassen wurden den beiden Schulen im „Süd“ übrigens nur wenige Hundert Einmal-Masken zur Verfügung gestellt, gerade ausreichend für einen Schultag. Desinfektionsmittel gab es gar keine. Dank der Fördervereine, Elternspenden sowie mit Hilfe von Eigen-Anschaffungen der Schulen standen zum Schul-Wiederbeginn ausreichend Alltagsmasken für alle Schüler und Lehrer im Schulzentrum bereit. Aus Beständen der Chemie-Fachschaften konnten zudem im „Süd“ Desinfektionsmittel selbst hergestellt werden.

Allein aus praktischen Gründen ist unter Corona-Bedingungen eine Rückkehr zur früheren Schul-Normalität aktuell nicht vorstellbar: Möglich wäre allenfalls ein tage- oder wochenweiser Schichtbetrieb in einem Mix mit dem Online-Unterricht daheim – mehr wäre schon allein zur Einhaltung der Abstandsregeln nicht drin. Und das nicht nur im Schulzentrum Süd…