Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

17.06.2020, 14.37 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Mountainbiker im Burgholz: Jetzt „Vorfahrt“ für einen runden Tisch

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Katrin Stenert und David Mörs engagieren sich im Verein Velo Solingen und möchten sich auch konstruktiv für ihre #hometraillove im Staatsforst Burgholz einbringen. | Foto: Meinhard Koke

„Nein, darüber möchten wir gar nicht mehr reden“, sagen Katrin Stenert und David Mörs: „Das bringt doch gar nichts, das schafft doch nur wieder neue Fronten.“ Beide sind passionierte Mountainbiker und das Burgholz ist ihre #hometraillove, sprich ihr geliebtes heimisches „Bike-Revier“. Im Zuge der teils hitzig-emotionalen Diskussion im Nachgang der Debatte in der Bezirksvertretung (BV) Cronenberg zum Thema „Mountainbiking im Burgholz“ und dem CW-Bericht dazu meldeten sich auch die beiden passionierten Mountainbiker zu Wort. Allerdings nicht mit wüsten Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar (Be-)Drohungen. Katrin Stenert (36) und David Mörs (39) schalteten sich vielmehr kritisch-konstruktiv in die Debatte ein.

Ergebnis: Nachdem sie sich bereits am Wochenende zu einem Vor-Ort-Termin im Burgholz mit Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé trafen, kam es am Montag auch zu einem Gespräch in der CW-Geschäftsstelle. Dabei stellten die beiden passionierten Biker, die sich als Mitglieder des Vereins Velo Solingen auch um den „Klingentrail“ auf der anderen Wupper-Seite mit kümmern, klar: Es mache keinen Sinn, „weiter auf dem Konflikt rumzureiten.“ „Manchmal muss es halt knallen“, findet David Mörs die nun entfachte Diskussion sogar in gewisser Weise förderlich für die Biker-Sache, schließlich: Das Thema und die entscheidende Botschaft sei jetzt breit angekommen. Und diese lautet: „Wir haben ein Problem im Burgholz und es muss daher eine Lösung gefunden werden – gemeinsam!“

Insofern möchten Katrin Stenert und David Mörs die aktuelle Aufmerksamkeit für das Thema nutzen, um den teils höchst emotionalen Streit ins Positive umzukehren: in einen runden Tisch zum Mountainbiking in dem Cronenberger Staatsforst. Das ist nicht neu: Bereits vor rund zehn Jahren nahm David Mörs an einer Mediation teil und saß mit Vertretern von Waldpädagogischem Zentrum (WPZ) Burgholz, der Universität oder auch der Stadtplanung an einem Tisch. Herausgekommen ist zwar ein legalisierter Burgholz-Trail auf dem sogenannten „Wolfgang-Kolbe-Weg“, „man löst den Konflikt aber nicht nur mit einer Strecke“, zeigt sich David Mörs wenig zufrieden mit diesem Ergebnis. Denn: Dieser eine Trail sei zwar interessant für Downhiller (Abfahrer), aber zu wenig für Mountainbiker.

„Anderswo werden wir Mountainbiker herzlich empfangen…“

Die bräuchten mindestens einen Rundkurs, wie es solche schon längst im Sauerland, im Schwarzwald, im Naturpark Stromberg-Heuchelberg oder zum Beispiel auch in England oder im österreichischen Zillertal gebe – „es ist dringend an der Zeit dafür“, unterstreicht Katrin Stenert. Denn: Das Burgholz sei dank diverser Apss, Foren, Videos auf der Plattform YouTube oder auch Internet-Seiten der Mountainbiker-Szene längst nicht nur von der Rheinschiene bis ins Ruhrgebiet bekannt. Neben dem Raum Altenberg oder auch Solingen-Glüder sei der Staatsforst längst auch über die deutschen Grenzen hinaus ein Hotspot in der Region.

„Wir sind nicht nur die paar Verrückten im Wald“, betont David Mörs; nicht zuletzt durch die Entwicklung von E-Bikes „schaffen es nun Leute in den Wald, die es zuvor nicht geschafft haben“. Nicht nur aber die Anzahl der Mountainbiker im Wald habe zugenommen und noch dazu Corona für einen Extra-Schub gesorgt. Dank E-Unterstützung hätten die Fahrer nun auch die doppelte Reichweite. Und mit ihnen, so erklären Katrin Stenert und David Mörs weiter, habe sich zudem die Zielgruppe verändert. Schließlich koste ein halbwegs annehmbares E-Moutainbike mindestens 3.500 Euro – solche Summen könnten in erster Linie vor allem ältere und finanziell potente Biker hinblättern. Insofern, so die beiden Biker, habe sich der Mountainbike-Sport vom Freaks-Hobby zu einem touristischen Wirtschaftsfaktor entwickelt – der Trailpark Winterberg im inzwischen nicht mehr schneesicheren Sauerland lässt grüßen: „In den letzten zehn Jahren haben sich alle Skigebiete auf Mountainbiker umgestellt“, weiß David Mörs, und hier wird man herzlich empfangen“, ergänzt Katrin Stenert.

„Die kriegt man hier nicht mehr raus – eine Lösung muss her…“

Also, warum diesen Faktor nicht nutzen, warum das nicht auch im Burgholz machen, warum Wuppertal nicht eine weitere Attraktion bescheren, von denen Hotels, Restaurants, Kneipen & Co auch in Cronenberg profitieren könnten? „Wer sich so teure Mountainbikes leisten kann, der bringt doch auch Geld mit! Und wie könnte dieser Faktor aus Mountainbiker-Sicht genutzt werden? Auf etwa 15 Strecken schätzen Katrin Stenert und David Mörs die Zahl der Trails im Staatsforst – etwa die Hälfte müsste legalisiert werden: „Das wäre ein Modus“, sagt David Mörs, „wir kümmern uns dann“. Natürlich räumt Mörs ein, verursachten die Trails Schäden. Wenn man aber zumindest einen Teil der Trails im Burgholz legalisierte, dann könnten die Schäden darauf begrenzt werden – ähnlich wie auch bei den Wander- oder Reitwegen. „Die Mountainbiker kriegen wird da nicht mehr raus, also müssen wir eine Lösung finden“, hoffen Katrin Stenert und David Mörs auf nun einsetzende Gespräche. Und sie versprechen im Hinblick auf mögliche zunkünftige Probleme mit ihren Sport-Kameraden: „Wir lassen uns in die Pflicht nehmen!“

Anmerkung der Redaktion

Wir haben uns intensiv Gedanken gemacht, wie wir mit der Diskussion der letzten Tage (sinnstiftend) umgehen könnten. Ob der (nicht nur vereinzelt) wütenden Reaktionen und einer (ebenfalls nicht nur vereinzelt) fehlenden Bereitschaft zu einem konstruktiven Austausch sowie nicht zuletzt angesichts der vor Ort angelaufenen ersten (positiv-konstruktiven) Gespräche haben wir uns dazu entschieden, Anlass und Verlauf der Debatte nicht redaktionell aufzuarbeiten. Klarstellen möchten wir aber an dieser Stelle: Weder in der Bezirksvertretung (BV) noch in der CW-Redaktion wurde dazu aufgerufen, Mountainbikern „Fallen“ zu stellen!

Wer sich Online-Videos von Trail-Fahrten durchs Burgholz angeschaut hat, erkennt spätestens: Das könnte verheerende, ja sogar tödliche Folgen haben – und dergleichen, das sei hier ausdrücklich betont, möchte niemand, weder in der BV noch bei der CW! Insofern: Bitte legen Sie keine Hindernisse in die Strecken, sondern lassen Sie den Bikern und den Gesprächen ihren freien Lauf. Dass Moutainbiker sich in Gefahr gebracht fühlten, dafür bitten wir auch an dieser Stelle ausdrücklich um Entschuldigung!

Zugleich appellieren wir an die Biker: Legen Sie auch keine „Hindernisse“ in die anlaufenden Gespräche, bitte!