02.07.2020, 14.27 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Wasserstoff-Busse: Der Müll aus der Korzert macht mobil

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Einer der neuen Linienbusse der Wuppertaler Stadtwerke an der Wasserstoff-Tankstelle auf dem Korzerter AWG-Gelände. | Foto: AWG/afi

Wie in der letzten Print-Ausgabe 26/2020 der CW auf zwei Seiten ausführlich zu erfahren war, sind seit vergangenem Samstag zehn Linienbusse der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) wasserstoffbetrieben in der Stadt unterwegs. Im CW-Land fahren zwar (noch) keine der neuen Wasserstoff-Busse die Haltestellen an. Dennoch aber sind die neuartigen Busse ständig auch auf der Dörper Südhöhe unterwegs.

Und zwar zum Auftanken: Unter der Überschrift „Müll macht mobil“ wird der Treibstoff nämlich im Müllheizkraftwerk Korzert produziert. Das sogenannte „Wuppertaler Modell“ der „hauseigenen“ Wasserstoff-Produktion, das auf der Kooperation von WSW, Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) und dem Abfallwirtschaftsverbund EKOCity basiert, ist weltweit einmalig. Wie die CW berichtete, wurde im Schatten des Korzerter Kraftwerkes seit dem Winter ein Elektrolyseur inklusive Wasserstofftankstelle errichtet.

NRW-Minister Wüst: „Nach der Schwebebahn nächste Verkehrsinnovation…“

Bei der Elektrolyse wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten – die Energie zur Aufspaltung des Wassers kommt dabei aus dem Strom, der bei der Müllverbrennung erzeugt wird. „Am Anfang mutete das Thema ,Müllverbrennung und Mobilität‘ exotisch an“, erläutert AWG-Geschäftsführer Martin Bickenbach, „aber aus heutiger Sicht haben wir den Gedanken der Kreislaufwirtschaft gemeinsam mit der WSW nur logisch zu Ende gedacht“. Entsprechend würdigt auch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst das „Wuppertaler Modell“ daher als eine Innovation, „die Kreislaufwirtschaft neu und weiterdenkt“; Wüst: „Im Jahr 120 nach Inbetriebnahme der Schwebebahn bringt Wuppertal erneut eine Verkehrsinnovation europäischen Ranges auf die Strecke.“

Die Wasserstoffbusse produzieren weder Stickoxid noch CO2, sondern stoßen lediglich reinen Wasserdampf aus. Im Bus wird der Wasserstoff in einer Brennstoffzelle in Strom umgewandelt, der den 285 PS starken Elektromotor antreibt. Dass – wie bei allen Elektrofahrzeugen – stets das volle Drehmoment sofort zur Verfügung steht, macht sich insbesondere auf den Wuppertaler Bergstrecken bemerkbar. Gleiches gilt für die zweite positive Eigenschaft der Wasserstoffbusse: Sie sind selbst bei laufendem Motor fast lautlos – eine Erleichterung für die Anwohner entlang der Bustrecke.

Die Gesamtkosten für das Wasserstoff-Pilotprojekt betragen übrigens zwölf Millionen Euro, 6,5 Millionen Euro davon steuerten die EU, der Bund, das Land NRW und der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bei. Im kommenden Jahr soll die Wasserstoffbus-Flotte der Wuppertaler Stadtwerke auf 20 Fahrzeuge erweitert werden. Mit rund 650.000 Euro kostet ein Wasserstoff-Bus übrigens fast dreimal so viel wie ein herkömmlicher Dieselbus.

AWG-Erklärfilm zur Wasserstoffproduktion

Um zu erläutern, wie aus Müll auf Korzert Bus-Treibstoff gemacht wird, hat die AWG übrigens einen Film produziert, welcher auf ihrer Online-Seite unter der Adresse awg.wuppertal.de abrufbar ist.

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