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14.07.2020, 10.41 Uhr   |   Juri Lietz   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Wie Don Quijote? Friedensstraße-Anwohner contra Baupläne

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Mitglieder der Bürgerinitiative Friedensstraße bei ihrem Info-Termin vor dem Areal, welches bebaut werden soll. | Foto: Juri Lietz

Zwei neue Mehrparteien-Häuser möchte die Wuppertaler Bau- und Siedlungsgenossenschaft (WBSG) in der Friedensstraße bauen. In einer Seitenstraße am Rand des Arboretums Burgholz sollen die Gebäude die dortige Sackgasse verlängern. Aktuell führt die Stadt die dazu notwendige Öffentlichkeitsbeteiligung durch, in deren Rahmen noch bis zum heutigen 3. Juli Einwände angenommen werden (die CW berichtete). Der nächste Schritt sieht vor, den Bebauungsplan der Fläche so zu ändern, dass dort Wohnungen entstehen können.

Am 5. Juli 2020 lud die „Bürgerinitiative Friedensstraße“ (BIF) dazu ein, sich vor Ort ein Bild von den Bauplänen zu machen. Der Frust bei der Initiative ist groß: Schon im Oktober letzten Jahres wurden die Bäume auf dem Areal gefällt, erst danach wurde ein Artenschutz-Gutachten erstellt, in dem – schon ohne Baumbestand – die Eignung zur Bebauung festgestellt wurde. Deshalb vermutet Nicole Weinand von der BIF ein „abgekartetes Spiel“.

Neben der verdrängten Natur plagen die Anwohner weitere Sorgen. Zum einen sei „fragwürdig, ob die Häuser in die Siedlungsstruktur passen“; die Gebäude nehmen eine Dachfläche von je 240 Quadratmeter ein. Zum anderen „steht zu befürchten, dass die ohnehin marode Straße durch Baustellenfahrzeuge beeinträchtigt wird“, sorgen sich die Anwohner auch, dann zur Kasse gebeten zu werden. Auch eine zusätzliche Belastung durch mehr Autos der kommenden Bewohner wird befürchtet.

Mehr noch sorgt sich die BIF aber darum, dass man mit dem Vorhaben einen Fuß in die Tür bekommen wolle: „Wir haben Angst, dass das ein Einfallstor für mehr Bebauung hier wird“. Vom Eigentümer WBSG fühlen sie sich nicht ernst genommen: Der Ton in den bisherigen Briefwechseln sei unverschämt gewesen, berichten die Anwohner – „Dialogbereitschaft sieht anders aus“, resümiert Nicole Weinand. Zwar kann durch die Öffentlichkeitsbeteiligung noch auf die Pläne eingewirkt werden, doch glauben die Anwohner: „Rechtlich ist die Sache gelaufen“.

Mike Thiemann von der Bürgerinitiative fühlte sich daher schon fast „wie Don Quijote“ in seinem Kampf gegen die Windmühlen. Aufgeben wollen Thiemann und seine Mitstreiter aber ebensowenig wie der Ritter von La Mancha: Sie wollen politischen Druck machen, und sich – wenn er denn kommt – für einen ökologischen Hausbau einsetzen.