02.08.2020, 08.00 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Ulla Abé: Vom Cronenberg-Steuer bald ans Bürgerbus-Lenkrad

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Bald am „Dörpi“-Steuer: Ursula Abé bei ihrer ersten Bürgerbus-Probefahrt mit „Bus-Fahrlehrer“ Michael Höffer. | Foto: Meinhard Koke

Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé tritt bei der Kommunalwahl im September nicht wieder an / Statt den Stadtteil zu lenken, will sie sich ehrenamtlich engagieren – unter anderem im Bürgerbus-Verein.

Die Kommunalwahl ist zwar erst am 13. September, fest steht aber bereits: Cronenberg bekommt eine/n neue/n Bürgermeister/in. Amtsinhaberin Ursula Abé (SPD) tritt nicht wieder an: Nach 16 Jahren in der Bezirksvertretung (BV) Cronenberg, davon die letzten sechs Jahre als erste Bürgerin des Stadtteils, scheidet die Hahnerbergerin aus der aktiven Politik aus.
„Alles hat seine Zeit – jetzt soll etwas anderes kommen“, erläutert Ulla Abé, warum sie ihr Polit-Engagement an den Nagel hängt. 1997 sei sie „in der Familienphase“, als sie wegen ihrer beiden Kinder beruflich als Hebamme und Arzhelferin aussetzte, in die SPD eingetreten: „Das hatte auch mit den Leuten im Ortsverein zu tun – das war ’ne tolle Truppe“, blickt die Hahnerbergerin zurück. In der Folge führte sie ihre damalige SPD Hahnerberg mit dem Ortsverein Cronenberg zusammen, von 2011 bis 2017 war sie Vorsitzende der Dörper SPD.

Etwas überraschend zur Bürgermeisterin gewählt

Bei der letzten Kommunalwahl 2014 kandidierte Ulla Abé für den Rat – unterlag aber gegen ihren CDU-Mitbewerber: Nur 184 Stimmen fehlten damals zum Einzug in den Barmer Ratssaal, weiß Abé. Statt Stadtverordnete wurde sie Cronenberger Bezirksbürgermeisterin: In einer Kampfabstimmung setzte sie sich durch. Zuvor habe man sie schon etwas zur Kandidatur drängen müssen, dass sie schließlich die Mehrheit erhielt, sei „schon ein bisschen überraschend“ gewesen, kommentiert Ursula Abé ihre Wahl: „Das war, so glaube ich, eine Personen-Wahl.“ Anfänglich, gibt die SPD-Politikerin zu, habe sie „ganz schön Respekt vor dem Amt gehabt“: Von jetzt auf gleich erste politische Ansprechpartnerin des Stadtteils zu sein, das habe viel Arbeit bedeutet („Da musste man sich erst einmal kräftig reinknien“). Schließlich sei es ihr Anspruch, gut vorbereitet zu sein. Insofern sei das Ehrenamt mitunter anstrengend und ob zahlreicher Termine auch zeitaufwendig.

Manches Thema ist über die Bettdecke gelaufen

Dass manches Thema auch ob des Sparzwanges der Stadt nicht abgehakt werden konnte, wurmt Ulla Abé ein wenig – schließlich habe sie etwas für ihren Stadtteil erreichen wollen. Über Politik und Verwaltung im Tal frustriert ist Abé aber nicht: Zwar sei sie von der Verwaltung ein- bis zweimal richtig enttäuscht worden. Sonst aber habe man gut zusammengearbeitet: „Ich habe immer das Gefühl gehabt, verstanden worden zu sein.“ Dennoch: Politik sei mitunter schon ein fieses Geschäft, findet Abé („Man soll ja nicht lügen“): „Am Anfang ist mir manches Thema auch über die Bettdecke gelaufen.“ Damit meint die Hahnerbergerin aber nicht nur Politisches: Als „sehr schockierend“ blickt Abé auf den Anwohner-Widerstand gegen den damals von der Lebenshilfe geplanten integrativen Kindergarten am Ende der Heidestraße zurück. Auch der Kampf gegen die „Seilbahn“ („Das ging teilweise ins Persönliche“) sei kein Paradebeispiel für gute Diskussionskultur gewesen: „Wo immer was gemacht werden soll, immer hat irgendwer was dagegen“, kritisiert Abé eine verbreitete „Nur nicht vor meiner Haustür“-Mentalität.

In ihrer Bilanz überwiegt jedoch das Positive: Auf der Haben-Seite verbucht Ulla Abé viele hochinteressante Begegnungen mit Themen und Menschen. Sie habe eine Vielfalt des Lebens im Stadtteil kennen gelernt: „Was für tolle Menschen sich überall tummeln, hätte ich ohne das Amt nie erlebt.“ In Cronenberg kumuliere das ehrenamtliche Engagement, lobt Ulla Abé „ihre“ Bürger: „Wenn von der Stadt nichts kommt, dann wird’s hier eben selbst gemacht“, würdigt die scheidende Bürgermeisterin die Ehrenamtler im Stadtteil. Das passt zu der menschelnden Bürgermeisterin: Aus manchen Kontakten seien sogar Freundschaften entstanden, freut sich Ulla Abé.

Erste Proberunden am „Dörpi“-Steuer sind gedreht

Nach Engagements im Jugendhaus Cronenberg, im Bürgerverein Hahnerberg-Cronenfeld oder auch im Ski-Club Cronenberg will Ulla Abé nach dem Polit-Ausscheiden ihren ehrenamtlichen Einsatz fortführen: Dem SCC bleibt sie als Festwartin erhalten, beim Förderverein Manuelskotten übernimmt sie das Amt der Schriftführerin und zudem wird sich Ulla Abé ans Steuer setzen: Statt Cronenberg zu lenken, wird Ulla Abé den Bürgerbus durchs Dorf fahren – den Personenbeförderungsschein hat sie schon in der Tasche und die erste Probefahrt mit „Dörpi“ absolviert. Neben den Ehrenämtern soll ab Herbst eine Zeit für mehr Spontaneität abseits des Terminkalenders und für mehr Reisen anbrechen, „und ich wäre unwahrscheinlich gerne Oma“, lacht Ulla Abé. Auch hofft sie, dass sie als „Normalbürgerin“ endlich ein Häkchen an Umgestaltungen in der Ortsmitte machen kann („Da lässt der CHBV nicht mehr locker“).

Dass zumindest ein jahrelanger Kampf kurz vor ihrem Ausscheiden doch noch ein Happy-End findet, freut Abé umso mehr: Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Josef Neumann (SPD) hat sie dabei helfen können, dass zum 1. Oktober eine Augenarzt-Praxis im CW-Land eröffnen kann (die CW berichtete): „Dass das auf den letzten Metern noch geklappt hat, finde ich toll.“ Indirekt kann Ulla Abé für den Erfolg zum Finale dem damaligen OB Peter Jung dankbar sein: Weil der eine Zusammenlegung von OB- und Kommunalwahl 2014 ablehnte, dauerte ihre Amtszeit nicht die üblichen fünf, sondern außergewöhnliche sechs Jahre – Ursula Abé ist damit also „in die Verlängerung“ gegangen…