Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

02.09.2020, 17.47 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Schulbusse in Corona-Zeiten: „So voll wie ein Vieh-Transport…“

Artikelfoto

Besonders die Schulbusse zur Erich-Fried-Gesamtschule in Ronsdorf werden zum Schuljahres-Start als in Corona-Zeiten zu voll kritisiert. | Foto: Meinhard Koke

Schülermutter kritisiert nach Schuljahres-Beginn übervolle Busse zur Erich-Fried-Gesamtschule / Stadtwerke sprechen von Start-Problemen und kontern, dass der ÖPNV ob der Maskenpflicht kein Corona-Herd sei.

Nach dem Anstieg der Corona-Fallzahlen auch in Wuppertal im August wurde bundesweit über neue Einschränkungen diskutiert. Seit letzter Woche wird zum Beispiel auch in Wuppertal die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen stärker kontrolliert. Während unter anderem höhere Bußgelder für „Masken-Muffel“ oder auch Einschränkungen der Personenzahl bei Feiern diskutiert werden, scheint der Mindestabstand in Schulbussen offenbar kein Thema zu sein. Das reklamierte jedenfalls eine Schülermutter nach dem Start ins Schuljahr 2020/21 gegenüber der CW.

Die Busse glichen, „wie bereits zu Nicht-Corona-Zeiten, einem Viehtransport“, schreibt die CW-Leserin: „Die Busse sind so überfüllt, dass der Bus an den letzten Haltestellen zur Schule durchfahren muss, weil keine weiteren Schüler mehr hineinpassen.“ Ihr Kind zum Beispiel steige auf dem Weg zur Erich-Fried-Gesamtschule (EFG) in Ronsdorf an der Haltestelle „Lenzhaus“ ein. Schon hier sei der Bus so voll, dass die Schüler während der 40-minütigen Fahrt in der Regel keinen Sitzplatz mehr bekommen könnten.

Eltern kutschieren Kinder per Auto zur Schule

Warum das so sei, dafür hat die Mutter eine Erklärung parat: Die Wuppertaler Stadtwerke könnten ob des Schwebebahn-Ausfalls keine weiteren Schülerbusse einsetzen. „Wir machen uns große Sorgen, wenn wir unsere Kinder mit diesen Bussen fahren lassen müssen“, berichtet die Cronenbergerin. So halte eine zur Corona-Risikogruppe zählende herzkranke Mutter ihre Kinder seit Monaten von deren Freunden auf Abstand: „Nun soll sie sie dicht an dicht in den Bus stecken.“ Konsequenz: Viele Eltern würden ihre Kinder nun per Autos zu den Schulen kutschieren.

Stadtwerke: Nachjustierungen bei Bedarf

Auf CW-Nachfrage erklärte WSW-Sprecher Dr. Rainer Friedrich in der vergangenen Woche, dass eine solche Schulbus-Situation für die ersten Tage nach Schuljahres-Beginn „nicht untypisch“ sei. Trotz aller Vorbereitung könne es gerade in den ersten Tagen eines neuen Schuljahres „immer mal wieder zu unvorhersehbaren Spitzenbelastungen kommen“. Dies bleibe aber nicht so: „Wie in jedem Jahr beobachten wir die Situation, stimmen uns mit den Schulen ab, und passen unser Angebot bei Bedarf auch an“, so Friedrich zur CW.

Die Corona-Pandemie, so räumte Friedrich ein, hätte das Problem allerdings verschärft: Viele Schulleitungen hätten bis in den letzten Stunden vor Schuljahresstart noch Planungen vorgenommen: „So lagen uns nicht vollumfassend alle Informationen vor, um bedarfsgerecht unseren E-Wagen-Einsatz ab dem ersten Tag planen zu können.“ Im Falle der Gesamtschule Ronsdorf allerdings hätten die Zahlen rechtzeitig vorgelegen. Beim Schülerverkehr im Nachmittagsangebot habe man daher bereits nachgebessert – „ob dies auch morgens nötig und umsetzbar ist, werden wir selbstverständlich prüfen“, so WSW-Sprecher Friedrich weiter.

WSW: Keine Corona-Infektionen durch ÖPNV-Nutzung

Abgesehen davon könne der empfohlene Mindestabstand von 1,5 Metern im ÖPNV ohnehin nicht sichergestellt werden. Deshalb gelte auch bereits seit Ende April die Masken-Pflicht in Bussen und Bahnen. „Diese hat dazu geführt, dass es bisher deutschlandweit keine Corona-Infektionen im ÖPNV gegeben hat – auch nicht in Wuppertal“, berichtete Rainer Friedrich: „Die Nutzung des ÖPNV stellt somit kein außergewöhnliches Risiko dar.“ Dennoch arbeiteten die WSW an der Vermeidung von vollen (Schul-)Bussen – WSW-Sprecher Friedrich abschließend: „Wir bitten aber um Verständnis, dass sich das im Einzelfall nicht ganz vermeiden lässt.“

Schul-Gespräche mit Stadt und WSW

Wie Reinold Mertens, Schulleiter des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG) berichtet, haben die drei weiterführenden Schulen auf den Südhöhen zur Schulbus-Lage mit Stadt und Stadtwerken beraten. Ergebnis: Zum Schulzentrum Süd sowie zur Erich-Fried-Gesamtschule in Ronsdorf sollen zusätzliche Busse eingesetzt werden. Morgens werden diese zum Teil früher verkehren, sodass sich betroffene Schüler etwa zehn Minuten eher auf den Schulweg machen müssen.

Überdies werden auch die Schulen selbst am Busbahnhof Zählungen durchführen, um die Auslastungsgrade der Busse zu ermitteln. Darüberhinaus sind Ideen zur weiteren Entzerrung des Schüleraufkommens in der Diskussion. So könnten Pausen zusätzlich versetzt werden, um bestimmte Schülergruppen auf andere Buslinien zu lenken. Ein weiterer Vorschlag lautet, Linienbusse, die in Richtung Cronenberg wegen der Baustelle am Hahnerberg aktuell über die Küllenhahner und Theishahner Straße verkehren müssen, einen zusätzlichen Halt am Busbahnhof Schulzentrum einlegen zu lassen.