Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

08.09.2020, 12.01 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Reihe „Wissenswert“: Selbst im Schnee-Stress mit Herz fürs Hospiz

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Der letzte Gast von Dr. Martin Fleuß (re.) vor der Corona-Pause: Carsten Melech berichtete „Wissenswertes“ über den Winterdienst. | Foto: Meinhard Koke

Am 11. September kommt mit Lars Bluma der Leiter des Historischen Zentrums nach Küllenhahn / Der nächste Winter kommt bestimmt: Vor der Corona-Pause der Reihe „Wissenswertes“ berichtete ESW-Teamleiter Carsten Melech zur Straßenreinigung und dem Winterdienst.

Entspannt plauderte Carsten Melech. Kein Wunder, für den Leiter des Teams „Straßenreinigung & Winterdienst“ des Eigenbetriebs Straßenreinigung der Stadt Wuppertal (ESW) war die Einladung von Dr. Martin Fleuß in der Küllenhahner Reihe „Wissenswertes“ ja auch eine Art Heimspiel: Seine Eltern waren 41 Jahre lang die Küster der Evangelischen Gemeinde Küllenhahn, Melech wuchs über dem Gemeindehaus auf, wurde hier konfirmiert und trat schließlich hier auch vor den Traualtar, ließ er seine Zuhörer wissen.

Entspannt konnte Carsten Melech aber auch von seiner beruflichen Aufgabe berichten, weil er einen ruhigen Winter 2019/20 erlebt hatte: Kaum mussten die ESW-Mitarbeiter mit ihren Räumfahrzeugen raus, lediglich zweimal waren sie im „Volleinsatz“ auf der Dörper Südhöhe. Die Räumfahrzeuge indes kehrten mit halbvollen Streusalztanks wieder zur Zentrale am Klingelholl zurück, wusste Carsten Melech zu berichten, am Cronenberger Salzlager in der Korzert musste keines nachladen.

Glätte-Melde-Anlage auch in Cronenberg

Das 1.500-Tonnen-Lager an dem Hahnerberger Recyclinghof war entsprechend auch zum Winter-Ende noch prall gefüllt: „Es ist so gut wie nichts weggegangen“, so der oberste Räumdienstler der Stadt. Die gute Nachricht dabei: Streusalz wird nicht schlecht, erklärte Melech der gemütlichen Runde im Jugendheim der Küllenhahner Gemeinde – Väterchen Frost verursachte der Stadt also kaum Kosten, der Winter 2020/21 kann daher kommen.

Dass die Grundabgaben, in dem die Winterdienst-Gebühren mittlerweile enthalten sind, gesenkt werden könnten, dazu zeigte sich Carsten Melech einigermaßen skeptisch: Schließlich müsse man ja ein neues Salzlager am Klingelholl bauen – und das kostet, inzwischen sogar mehr als zunächst gedacht… Und zudem schafft die ESW ja auch noch – zusätzlich zu den vier bereits vorhandenen – vier weitere „Glätte-Meldeanlagen“ an. Auch Cronenberg soll eine Anlage „abbekommen“ – die Ortsmitte oder die Berghauser Straße seien dafür im Visier.

Winterdienst: Erst die Haupstraßen und das Kinderhospiz

Die Investition macht Sinn, denn: „Wenn ich am Klingelholl aus dem Fenster schaue, ist dort noch alles gut, während in Cronenberg die Welt untergeht“, erläuterte Melech, dass es die Wuppertaler Topografie und ihre Höhenunterschiede den Winterdienstlern gar nicht so einfach macht. Zwar wird man vom Wetterdienst mit exklusiven Daten und Prognosen versorgt, dennoch: „Das ist eine feine Sache“, freut sich Carsten Melech auf die zusätzlichen „Glätte-Melder“ auch in Cronenberg, schließlich: „Manchmal gibt es auch Überraschungen.“

Auch wenn die Winterdienstler bei „Schnee-Alarm“ bereits um 3.30 Uhr loslegen, sind sie doch mit Herz dabei: Die Zuwegung zum Kinderhospiz Burgholz wird stets zuerst geräumt, ließ der ESW-Teamleiter seine Zuhörer wissen: „Das haben wir uns vorgenommen, damit das Hospiz immer erreichbar ist.“ Zudem oberste Priorität haben die Hauptstraßen: Damit der Verkehr hier rollen kann, müssen Neben- und erst recht die Anliegerstraßen warten: Dass man alle Straßen schwarz halten müsse, sei ein verbreiteter Irrglaube: Vorrang hätten die verkehrswichtigen und gefährlichen Straßen – wie die „Crone“.

Soziale Netzwerke als Info-, aber auch als „Frust“-Quelle

Zwar bekomme man in „heißen Zeiten“ Unterstützung von den Kollegen der Abfallwirtschaftsgesellschaft und der Stadtwerke, zwar gäben die Räumdienstler alles. Aber: Allein schon die Arbeitszeitverordnung begrenze den Einsatz: „Die Mitarbeiter müssen auch mal Pause machen…“ Die sozialen Netzwerke nutzt Carsten Melech dabei im „positiven Sinne“ als Informationsquelle. Die regelmäßig hämischen Kommentare hier ärgern ihn. Schließlich: „Die Fahrer tun alles, was sie können“, unterstreicht der ESW-Teamleiter: Wenn es sich aber irgendwo staue, weil ein Fahrzeug liegengeblieben sei, „dann stehen wir auch drin und müssen warten“.

Bürgersteige und Haltestellen müssen vielfach nicht vom Räumdienst freigemacht werden: „Dazu bekomme ich immer wieder Anrufe“, ließ Carsten Melech wissen: Hier müssen vielmehr die Anwohner selbst schippen…

Am Freitag: Engels, Industrie-Historie & Co.

Vor 200 Jahren, am 28. November 1820, wurde Friedrich Engels im damaligen Barmen geboren. Dem Textilunternehmer, Philosophen, Gesellschaftstheoretiker, Historiker, Journalisten und kommunistischen Revolutionär widmet die Stadt Wuppertal „das Engels-Jahr 2020“. Die Gemeinde Küllenhahn wird sich im Rahmen der Reihe „Wissenswertes“ mit dem wohl weltweit bekanntesten Wuppertaler befassen.

Dr. Lars Bluma, der Leiter des „Historischen Zentrums“, wird am 11. September 2020 ab 19.30 Uhr an der Nesselbergstraße 12 unter der Überschrift „Engels, Industriegeschichte und Co.: Das Historische Zentrum im Jahr 2021“ berichten. Coronabedingt ist dazu zwingend eine vorherige Anmeldung unter Telefon (02 02) 40 00 26 oder per E-Mail an gemeindebuero@kirche-kuellenhahn.de notwendig. Der Eintritt ist frei.