Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

12.11.2020, 14.04 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Dörper Bürgermeisterin-Wahl: Rätselraten über Stimmenverteilung

Artikelfoto

Neu-Bürgermeisterin Miriam Scherff (SPD, mi.), mit ihrer Stellvertreterin Regina Orth (Grüne) sowie Günter Groß (CDU), der die Sitzung des Dörper Stadtteilparlamentes als BV-Alterspräsident eröffnete und ebenfalls für das Bürgermeister-Amt kandidierte. | Foto: Meinhard Koke

So klar das Ergebnis der Cronenberger Bezirksbürgermeisterin-Wahl war (die CW berichtete), so unklar war das Abstimmungsverhalten am 4. November 2020. Klar war zuvor: Die CDU ging als der Gewinner (29,4 Prozent der Stimmen) der BV-Wahl am 13. September in die konstituierende Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Cronenberg.

Und dennoch ging die CDU bei der Bürgermeister-Wahl im Wuppertaler Ratssaal leer aus: Miriam Scherff, deren SPD bei der BV-Wahl (25,1 Prozent) auf Platz 2 gelandet war, wurde vielmehr mit acht Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Die Grünen, mit 22,4 Prozent drittstärkste BV-Kraft, holten in Person von Regina Orth mit vier Stimmen das Amt der Vize-Bürgermeisterin – mit den Worten: „Noch mehr Frauen-Power“, gratulierte Ex-Bürgermeisterin Ursula Abé den beiden ersten Bürgerinnen des Stadtteils nach der Sitzung zu ihrer Wahl.

Bürgermeisterin Scherff (SPD): Doppelt so viele Stimmen wie BV-Sitze,
die CDU indes eine weniger

Wie es zu dieser „Frauen-Power“ kommen konnte, warf Fragen auf: Die CDU verfügt (ebenso wie die SPD) über vier Mandate in der BV, CDU-Bürgermeister-Kandidat Günter Groß erhielt allerdings nur drei Stimmen. Vor dem Hintergrund, dass AfD-Vertreter Bernhard Wagner laut Medienberichten zuvor angekündigt hatte, für den CDU-Kandidaten zu stimmen, hätten also (mindestens) zwei CDU-Vertreter nicht für ihren Parteifreund Groß, sondern vielmehr für eine der beiden anderen Kandidatinnen gestimmt.

„Kein Kommentar“ hieß es vom bisherigen Vize-Bürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky sowohl zum Rückzug seiner Kandidatur wie zum CDU-Abstimmungsverhalten. CDU-Bürgermeister-Kandidat Günter Groß derweil berichtete, dass sich von Wenczowsky am Vortag zu dem Rückzug entschlossen habe. Zudem habe „VW“ erklärt, SPD-Kandidatin Miriam Scherff unterstützen zu wollen – damit nicht die Grünen-Kandidatin Orth zur Bürgermeisterin gewählt werden würde.

Sollte das „die Linie“ der „CDU-Abweichler“ gewesen sein, hätte die neue Vize-Bürgermeisterin Regina Orth (Grüne) also eine Stimme entweder von FDP, Linke oder Freien Wählern bekommen. Die Grünen haben nur drei Sitze in der BV, bekamen aber bei der Bürgermeister/in-Wahl vier Stimmen – wer wen gewählt hat und wieso, das wird das (Wahl-)Geheimnis dieser (auch coronabedingt) denkwürdigen Erst-Sitzung 2020 des Cronenberger Stadtteilparlamentes bleiben…