10.03.2022, 13.38 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Nachbar-Klage am Jöferweg: „Neubau ja – so aber doch nicht!“

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Das fertige Garagentiefgeschoss lässt schon die Dimension der geplanten Bebauung des neuen Wohnhauses am Jöferweg erahnen| Foto: Matthias Müller

„Hier ist ein ,ziemlicher Kasten‘ in der Entstehung, der sich von der Umgebungsbebauung deutlich unterscheiden soll“, klagen Anwohner. Seit dem vergangenen Jahr gibt es Unmut und Beschwerden hinsichtlich eines Neubaus am Jöferweg 43 in Sudberg. Geplant ist ein dreigeschossiges Haus mit Eigentumswohnungen für fünf Familien, Penthouse, Flachdach und Tiefgarage.

„Stadt verbietet Dachgauben, aber genehmigt riesige Häuser“

Hinsichtlich ihrer Beschwerde ziehen die Nachbarn Paragraf 34 der Bauordnung heran. Dieser be­sagt: „1. Innerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile ist ein Vorhaben zulässig, wenn es sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt und die Erschließung gesichert ist. 2. Die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse müssen gewahrt bleiben; das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden.“

Der letzte Satz ist dabei für die Nachbarn entscheidend: Der Neubau soll das Nachbarhaus an der Hausnummer 45 um vier Meter überragen. „Es gab für den Jöferweg einen Bebauungsplan für nur zweigeschossige Häuser mit 40 Prozent Flächenversiegelung“, berichtet Nachbar Werner Burschil aus Hausnummer 41. Er hat Klage gegen den Neubau eingereicht. „In den 1990er-Jahren wurde der Plan aufgehoben – da verbietet die Stadt Dachgauben, aber riesige Häuser auf zu kleinen Flächen werden genehmigt“, ärgert sicher Burschil. Ebenfalls stößt ihm auf, dass nur fünf Parkplätze vorgesehen seien.

„Bei den heutigen Erfahrungen werden viel mehr Fahrzeuge hinzukommen und den Jöferweg zusätzlich zuparken“, befürchtet der Nachbar: „Wir sind nicht gegen einen Neubau, sondern gegen das, was gebaut werden soll“, erklären andere Anwohner, die namentlich nicht genannt werden möchten: „Wie kann man so etwas nur genehmigen?“ Werner Burschill glaubt derweil, dass die Baugenehmigung eventuell zu Unrecht erteilt worden sein könnte: Das Bauamt habe sich die Situation vor Ort niemals selbst angesehen, ist er überzeugt.

Die Stadt will sich zu der Klage oder einem möglichen Baustopp nicht äußern. Bauherr Carsten Prodöhl war indes – trotz Kontaktversuchen der CW – nicht erreichbar. Auch die Nachbarn würden sehr gerne seine Meinung zu ihrem Einspruch hören…