23.02.2024, 19.51 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Drei Männer und ein Baby“: TiC-Komödie beschert Vaterfreuden

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Steffen Reermann, Timo Maximilian Oubad und Christian Michalak avancieren ungewollt zu „Muster-Vätern“ und Rauschgift-Boten | Foto: Martin Mazur

Wie bereits kurz berichtet: Ende Januar feierte „Drei Männer und ein Baby“ erfolgreich Premiere im TiC-Theater. Und darum geht’s in dem kurzweilig-turbulenten Spaß: Pierre, Michel und Jacques teilen sich eine Wohnung. Ihre WG gleicht einem Taubenschlag, in dem die Damen ein- und ausfliegen. Besonders viel „Flugbetrieb“ herrscht bei Flugbegleiter Jacques, wie eine „Gästinnen-Strichliste“ auf der Zimmertür verrät… – das spärlich mit einem „Lieblingssofa“ und einer kleinen Bar möblierte Gemeinschaftszimmer (Bühnenbild: Jan Bauerdick / Benedikt Ogiolda) ist eher Durchgangsstation in die Schlafzimmer… Das Dasein des WG-Trios ist erschöpfend, aber erfüllend – weiter so, lautet die Devise. Doch bevor Jacques für zwei Wochen in die Ferne abhebt, kündigt er „ein Paket“ an – als es eintrifft, wird das WG-Leben auf den Kopf gestellt. Und zwar in doppelter Hinsicht, denn zwei „Pakete“ kommen an: Das eine (mit Rauschgift gefüllt) geht zunächst unter, denn das andere hat es noch mehr „in sich“: Baby „Marie“ liegt in einem Korb vor der Tür – mit schönen Grüßen an „Erzeuger“ Jacques hat es Mama Sylvia hinterlassen, weil sie zu einem Model-Job muss…

Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr

Die Welt von Pierre und Michel gerät aus den Fugen: „Was machen wir denn jetzt…“, fragen sie sich ratlos-kopflos – tja, Kinder machen ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr…! Marie schreit – was hat sie, was will sie, was braucht sie…? Auf in die Apotheke zum Milch-Kauf. Gar nicht so einfach: Welche Milch – maternisierte oder nicht-maternisierte? Wie alt ist sie – braucht sie Pre- oder Folge-Nahrung? Auf jeden Fall braucht es ein Fläschchen, aber hat sie schon Zähne? Und welche Schnuller sollen’s sein – normale oder die mit Dreifach-Geschwindigkeit? Pierre (Timo Maximilian Oubad) ist überfordert… Als er vollbepackt zurückkehrt, wird er vom verzweifelten Michel schon erwartet: „Wo warst du – im Bistro…?! Windeln fehlen auch, fällt den Interims-Vätern wider Willen auf – „diesmal geh‘ ich“, stellt Michel klar. Wie alt ist das Baby, welche Windeln sollen es sein? Maxi-Windeln oder die für die Altersgruppe 1, 2, 3 oder 4? Und darf’s eine Duftnote sein? Zudem: Braucht man nicht auch Feuchttücher…? Michel ist ebenso überfordert…! Die Turbulenzen nehmen zusätzliche Dramatik an, als „Schirmmütze“ (Beril Erogullari) das „Paket“ abholen will. Pierre und Michel geben das „Baby-Paket“ mit – ihre Erleichterung, Marie wieder los zu sein, verwandelt sich rasch in Aufregung: Moment mal, da ist doch auch ein „richtiges“ Paket angekommen…?!

Verfolgungsjagd & Windelkauf mitten im Publikum

Um das „Marie-Paket“ gegen das mit dem Rauschgift zu tauschen, jagt Pierre der Schirmmütze hinterher, und macht die Polizei aufmerksam – von nun haben Pierre und Michel nicht nur Marie „an der Backe“, sondern sind auch im Fadenkreuz von Schirmmütze sowie von Polizistin und Kommissar. Und als wäre das noch nicht genug, „schießen“ mehr und mehr Vaterfreuden ein…! Die „Charakter- und Sittenkomödie“ garantiert für jede Menge Lacher – dass ein Baby als „widerliche Milchmade“ oder „Teppichratte“ bezeichnet wird, hört man nicht alle Tage, und eine Drogenübergabe via Windel ist auch ein kühner Coup…! Gelungener Schachzug von Regisseur Patrick Stanke ist, einen Teil der Handlung in den Zuschauerraum zu verlegen. So ist das Publikum „mittendrin“ zum Beispiel beim Windelkauf in der Apotheke oder auch bei der Verfolgungsjagd – pfiffig! Gelungen ist auch die Besetzung: „Fleißsternchen“ verdienen sich Anna Lena Kaiser und Beril Erogullari die fünf beziehungsweise gar sechs Rollen schultern – und als tolpatschiges Polizei-Duo ganz besonders beeindrucken!

Im Mittelpunkt des witzigen Windelspaßes stehen aber natürlich Steffen Reermann, Timo Maximilian Oubad und Christian Michalak als WGler: Glaubwürdig geben alle drei zum Vergnügen des Publikums die Abkehr vom „Schürzenjägertum“ … – bis hin zum sogar Scheinschwangeren Jacques! Ein Sonderlob geht an Timo Maximilian Oubad und Christian Michalak: Mit ihren übermannenden Vaterfreunden sorgen die Schwerenöter für Rührung; ihr einhändiges Windelwechsel-Teamwork, bei dem jeder dem anderen mit der anderen Hand die Nase zuhält, ist eine Sternstunde.

Melodramatisches Titanic-Finale mit Kuscheltieren

Der Spaß besitzt übrigens durchaus „Tiefgang“: Dass Job und Kind unter einen Hut zu bringen nicht leicht ist, dass auch Männer „Muttergefühle“ haben und sich um den Nachwuchs kümmern können, das ist selbst heute noch nicht selbstverständlich, und war es Mitte der 1980er-Jahre sowieso nicht…! Hört sich „gewichtig“ an, kommt aber im TiC leicht daher – bis hin zum melodramatischen Finale beim Titanic-Song mit Plüschtieren, bei dem Timo Maximilian Oubad „on top“ zu seinen Vater-Qualitäten auch als Sänger brilliert…! „Schreiben Sie was Richtiges“, meinte eine Besucherin an der Garderobe zum CW-Berichterstatter. Und was? „ Schön war’s, hat Spaß gemacht“, gab die Zuschauerin dem CW-Vertreter mit auf den Weg…

Wer sich selbst überzeugen möchte: Karten für „Drei Männer und ein Baby“ gibt es unter Telefon (0202) 47 22 11, im Theaterbüro an der Hauptstraße 3 oder online unter tic-theater.de.