26.03.2024, 16.16 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Uwe Schneidewind: OB zeigte sich leidenschaftlich im „Portrait“

Artikelfoto

Ließ sich von Martin Probach (li.) und Prof. Martin Fleuß „in die Zange“ nehmen: Oberbürgermeister Uwe Schneidewind (mi.) war „Portrait“-Gast im Gemeindehaus Külllenhahn. | Foto: Meinhard Koke

Rappelvoll war der Gemeindesaal Küllenhahn, als mit Uwe Schneidewind der Wuppertaler OB zuletzt in der Reihe „Portrait“ zu Gast war. Das Publikum lauschte dem 90-minütigen Frage-Antwort-Wechselspiel der „Hausherren“ Prof. Dr. Martin Fleuß und Martin Probach aufmerksam. War es beeindruckt? Uwe Schneidewind präsentierte sich offen und unkompliziert, geradezu leidenschaftlich nahm er zu seinem Wechsel vom Präsidenten-Sitz im Wuppertal Institut (WI) auf den OB-Sessel Stellung.

Obwohl es ihm hier seit dreieinhalb Jahren kräftig ins Gesicht bläst, es war nicht erkennbar, dass die Schneidewind-Visionen vom Wuppertal-Wind verweht sein könnten. Der gebürtige Kölner scheint wenig von seiner Wuppertal-Faszination eingebüßt zu haben…! Schneidewind ließ unter anderem wissen, dass er nach dem BWL-Studium durch seine Dissertation zum Thema „Nachhaltigkeit“ „Blut geleckt“ hatte – gerne nahm er eine Professur in Oldenburg an. Mit erst 38 Jahren folgte der Ruf auf den Stuhl des Uni-Präsidenten; als dann später die Schwebebahn-Stadt rief, und damit das renommierte Wuppertal Institut, nahm Schneidewind dieses „ganz besondere Geschenk“ an.

„Der Job macht mir immer mehr Spaß…!“

In den Jahren von 2010 bis 2020 habe er Wuppertal (erster Eindruck: „Das ist eine Hausaufgabe“) nicht nur besser kennen, sondern schätzen gelernt. Auch als (wissenschaftlicher) Transformator habe ihn die von CDU/Grünen angetragene OB-Kandidatur gereizt: „Wenn ich jetzt ,Nein‘ sage, dann kann ich mir das später nie verzeihen…“ Als er gewählt worden war, sei er „unendlich stolz“ auf sein Team und die Unterstützung gewesen: „Das hat mich unwahrscheinlich gerührt und bewegt“, blickte Schneidewind auf den Wahlabend zurück: „Die Wuppertaler trauen sich was – das zeichnet sie aus.“

Wo ist der Unterschied zwischen Praxis und Lehre, wollten die Gastgeber Martin Fleuß und Martin Probach wissen? Es gebe wahnsinnig viele Themen, die Intensität sei sehr hoch („Das ist imposant zu erleben“) – so auch die negative Intensität in Form von Kritik. Ist er zum Politprofi gereift? An Hasskommentare im Netz habe er sich gewöhnt – „der Job macht mir von Monat zu Monat mehr Spaß“. Welche Bilanz zieht der Oberbürgermeister anderthalb Jahre vor der nächsten Wahl? Als größte Herausforderung bezeichnete Schneidewind die Erfüllung der in ihn gesetzten Erwartungen. Er könne eine Ernüchterung durchaus verstehen, allerdings: Er wolle in der Stadt etwas nachhaltig verändern, und das geschehe im Hintergrund. Er wisse, dass vieles im Politikbetrieb über die Oberfläche ablaufe: „Das ist hoffnungslos unterkomplex“, zeigte sich der OB überzeugt, dass „Veränderung nur strukturell geschehen könne.

Buga 2031: „Diese Stadt traut sich was…“

Als ein praktisches Projekt zur Veränderung der Stadt benannte der OB die geplante Bundesgartenschau 2031: „Die Buga ist eine Haltung, dass diese Stadt an ihre Zukunft glaubt, dass sie sich traut, etwas zu verändern“, hielt Schneidewind der Kritik zum Beispiel an den Kosten entgegen: „Wir machen hier etwas, was einen Strahleffekt auf ganz NRW hat“, appellierte Uwe Schneidewind an die Zuhörerschaft: „Geben Sie der BUGA eine Chance“ – da gab’s Zwischenapplaus. Läuft in Wuppertal was falsch, wollte Martin Probach mit Verweis auf die Negativ-Schlagzeilen zur Poststraße, zum Klo im Wupperpark Ost, den goldenen und lilafarbenen Bänken wissen? Es gebe ganz bewusste „Spaltungsunternehmer“, betonte Uwe Schneidewind, dass zum Beispiel in den Sozialen Medien vorsätzlich polarisiert werde. Der OB mahnte, sich mit der jeweiligen anderen Seite auseinanderzusetzen – und zwar auch körperlich: „Setzen Sie sich doch mal auf die goldenen Bänke…“, rief Schneidewind auf…

Cronenberg-Druck verständlich: „Weiter Druck machen…“

Bänke hin oder her – in Elberfeld bewege sich was: Ob Sanierung des historischen Hauptbahnhofes, Umnutzung der ehemaligen Bahndirektion, autofreies Luisenviertel, Veränderungen am Neumarkt, Kulturmeile vom Pina Bausch-Zentrum bis in die Hofaue, inzwischen sei auch die Poststraße auf einem guten Weg – der Masterplan für die Elberfelder Innenstadt habe das Zeug dazu, spannend zu werden… Ein Zuhörer wollte wissen, wie Uwe Schneidewind stets gute Laune haben könne: „Das sei der Rheinländer in ihm“, scherzte der OB zunächst, um anzufügen: Sein wichtigster Motor seien die Menschen, die in der Stadt was bewegen wollten: „Es ist eine Kraftquelle, mit ihnen zusammenzuarbeiten.“

Und auch auf einen „Mutmacher“ für Cronenberg wurde Uwe Schneidewind angesprochen: Er könne den Frust im Stadtteil verstehen, würdigte der OB das lebendige Stadtteilleben im „Dorf“: „Machen Sie weiter Druck“, ermunterte er dazu, mit dem Engagement nicht nachzulassen – und somit wohl auch nicht mit der Kritik an der Stadt… Was er mache, wenn er mal ein freies Wochenende habe, wollte Martin Fleuß abschließend wissen: Fahrradtouren oder Spaziergänge auch über die Sambatrasse und die Südhöhen, benannte Schneidewind: „Es ist toll zu sehen, wie nahe die Stadt am Grün ist…“ Apropos: „Grün“ war der OB wohl auch den allermeisten der Zuhörer geworden – mit viel Applaus wurde Uwe Schneidewind in den Feierabend verabschiedet…!

Nächster „Portrait“-Termin

Nächster Gast in der Reihe „Portrait“ ist einer jener vielen Ehrenamtler, die OB Schneidewind als „Kraftquell“ bezeichnete: Mit Michael Ludwig kommt am 5. April der Vorsitzende des Bürgervereins Küllenhahn an die Nesselbergstraße 12. Der Eintritt zu dem Abend, der um 19.30 Uhr beginnt, ist frei. Mehr Infos online via www.evangelisch-cronenberg.de.