14.05.2024, 19.32 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Radwege Jägerhofstraße: Wäre „schmaler“ mehr für alle gewesen?

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Steht buchstäblich im Regen: Anwohner Stephan Keller ist frustriert, weil auf seine Einwände und Vorschläge nicht eingegangen worden sei… | Foto: Meinhard Koke

Die einen freut’s, die anderen ärgert’s – gemeint ist die Fertigstellung der Jägerhofstraße (die CW berichtete mehrfach). Eigentlich sollte die Neuasphaltierung im November durchgeführt werden – dass es erst jetzt los gegangen ist, freute Stephan Keller. Denn: Im Zuge der Arbeiten zwischen Friedenshain und Kreuz Hahnerberg werden auch zwei Radfahrstreifen eingerichtet – circa ein Drittel der Parkplätze fallen weg. Für die Stadt kein Problem: Dass sie eine „meist nicht vollständige Auslastung der öffentlichen Parkstände“ konstatiert, kann Stephan Keller aber nicht nachvollziehen

Unterschriften-Sammlung während der Corona-Zeit

Abends und an Wochenenden sei kaum ein Abstellplatz zu finden, erst recht bei Veranstaltungen in der Station Natur und Umwelt oder den Kirchen in der Nähe. Zudem leidet Stephan Kellers Ehefrau an COPD – mit dem Wegfall der Parkplätze sieht der Anwohner auf seine zu 50 Prozent behinderte Ehefrau beschwerliche Fußwege zum Auto drohen…Bereits im Frühjahr 2021 schrieb Stephan Keller daher an Stadt, Bezirkvertretung Elberfeld oder auch an den Oberbürgermeister. Zudem startete er eine Unterschriften-Aktion: Nur entlang der betroffenen einen Seite der Jägerhofstraße unterschrieben 96 Anwohner. Mit magerer Resonanz: Aus der BV habe nur CDU-Bezirksvertreter Ulrich Güldenagel Kontakt aufgenommen – in BV und Rat gingen die Pläne durch…!

Vorschlag: Schmaler Schutzstreifen statt Radstreifen

Darüber ist der Südstädter, der sich ehrenamtlich für die Verkehrswacht Remscheid engagiert, ernüchtert. Zumal er kein Gegner der Radfahrstreifen sei, sondern einen Kompromiss vorschlug: Statt der geplant 2,5 Meter breiten Radstreifen sollten nur 1,75 Meter breite Schutzstreifen realisieren werden – damit könnten fast alle Parkplätze erhalten bleiben: „Ich will ja nicht, dass es keine Radstreifen gibt“, kritisiert Stephan Keller die Pläne als „überdimensioniert“: „Ich möchte nur eine Lösung, bei der auch die Parkplätze erhalten bleiben können.“

CDU-Bezirkspolitiker: Bedauern über ausgebliebene Lösung

Ulrich Güldenagel kann die Kritik nachvollziehen: „Wir hätten lieber einen Angebotsstreifen gehabt, dann wären auch keine Parkplätze weggefallen“, erläutert er für die CDU-Fraktion: Ein kleinerer Wurf, sprich ein Radstreifen, so betont Güldenagel, hätte ausgereicht, zumal als Radfahr-Alternative ja der Von der Heydt-Park vorhanden sei: Es sei „schade“, dass keine „Lösung für beide Seiten“ gefunden werden konnte.

Stadt: Ausbau nach geltendem Radverkehr-Regelwerk

Stadt-Sprecherin Ulrike Schmidt-Keßler betont, dass Verwaltung und Politik grundsätzlich natürlich immer versuchten, die Interessen aller Bevölkerungsgruppen zu berücksichtigen. Es gelte aber auch, gesetzliche Vorschriften und Standards sowie die politischen Prioritätensetzungen zu beachten. In der Jägerhofstraße habe sich die Stadt an den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA 10) orientiert – ein in Deutschland gültiges Regelwerk für Radverkehrsanlagen. Auch habe der Runde-Tisch-Radverkehr die Radverkehrsführung befürwortet.

Anwohner: Pkw kommt weg – ein Parkplatz mehr für Ehefrau

Stephan Keller will derweil für sich folgende Konsequenz ziehen: Da er zwischenzeitlich in den Ruhestand gegangen ist, will er zum Ende des Jahres sein Auto verkaufen – so bleibe ein Parkplatz mehr für seine Ehefrau…