02.03.2025, 11.39 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

BTW 2025: Kein Ankommen gegen Ampel-Frust für Ingo Schäfer

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Nachdem die Ampel im November zerbrochen war, wurde sie am vergangenen Sonntag, 23. Februar, vom Wähler „posthum“ abgestraft: Bei der Bundestagswahl büßte die einstige „Fortschrittskoalition“ fast ein Drittel ihrer Stimmen ein und verlor die Mehrheit. In Wuppertal fiel das Wahlergebnis bei den Zweitstimmen – mit Schattierungen – ähnlich aus wie im Bund. Bei den Erststimmen allerdings lief es in den beiden Wahlkreisen nicht ganz nach Bundestrend: Im Cronenberger Wahlkreis 102 konnte Jürgen Hardt sein Mandat zwar trendgemäß mit 32,45% seinem SPD-Kontrahenten Ingo Schäfer wieder abnehmen. SPD-Amtsinhaber Helge Lindh konnte aber im rein Wuppertaler Wahlkreis 101 sein Mandat verteidigen – Lindh erreichte mit 33,6% fast doppelt so viele Stimmen wie seine Partei im Bund.

Ingo Schäfer (SPD): Ergebnis deutlich über SPD-Niveau

Auch bei den Zweitstimmen lief es im Dörper Wahlkreis Remscheid-Solingen-Wuppertal II (Cronenberg/Ronsdorf) ganz ähnlich wie bundesweit: Die CDU (28,47%) gewann, die SPD verlor, ging jedoch noch mit 20,1% knapp vor der AfD ins Ziel, die auf 18,28% kam. Die FDP (4,73%) riss ebenso die Fünf-Prozent-Hürde wie das BSW (4,68%), während sich die Grünen (11,2%) vor der Linken behaupten konnten, die wie Phoenix aus der Asche auf 8,43% kam. Bei den Erststimmen konnte Ingo Schäfer (SPD) seinen Amtsbonus nutzen: Mit seinen 27,44 Prozent schnitt Schäfer deutlich über dem Zweitstimmen-Ergebnis im Gesamtwahlkreis und erst recht im Bund ab. Der Achtungserfolg reichte jedoch nicht: Jürgen Hardt holte sein 2021 verlorenes Mandat zurück. Dass die Direktkandidaten von Grünen, FDP oder auch der Linken sämtlich unter den Zweitstimmen-Ergebnissen ihrer Parteien blieben, lässt vermuten: Sein zweites Kreuzchen auf dem Stimmzettel setzte mancher taktisch, also für die aussichtsreichsten Kandidaten von CDU oder SPD.

Der Zweitstimmen-Ausgang der Bundestagswahl 2025 im Gesamtwahlkreis 102. | Screenshot Grafik Stadt Wuppertal

Der Zweitstimmen-Ausgang der Bundestagswahl 2025 im Gesamtwahlkreis 102. | Screenshot Grafik Stadt Wuppertal

„Traditionell“: CDU im „Dorf“ stärker, „Ränder“ schwächer

Der Cronenberg-Wahlausgang fiel im Trend aus, allerdings nicht deckungsgleich: Bei den Zweitstimmen schnitt die CDU mit 30,7% (plus 6,3%) im Dorf traditionell etwas besser ab als im Gesamtwahlkreis, ebenso wie die Grünen (13,5%) oder auch die FDP. Die Liberalen büßten im Stadtbezirk zwar satte 8,5% ein, schafften es aber noch auf 5 Prozent. Die SPD sackte im Dorf um 8,3% auf 20,5% ab.Traditionell blieben die Ränder im Dorf zwar schwächer: Die AfD konnte sich dennoch mit 15,9% bei den Zweitstimmen in Cronenberg mehr als verdoppeln (+8,8%). Die Linke legte auf 6,8% zu, blieb in Cronenberg jedoch ebenso unter dem Wahlkreis-Ergebnis wie das BSW, das im Dorf „nur“ auf 3,9% kam.

Jürgen Hardt (CDU): In Cronenberg besser als im Wahlkreis

Bei den Erststimmen erreichte SPD-Amtsinhaber Ingo Schäfer (27,3%) ein leicht schlechteres Ergebnis als im Gesamtwahlkreis – offenbar konnte Schäfer nicht davon profitieren, dass das BSW keinen Direktkandidaten stellte und die Bewerber von Linke (5,9%), Grünen (10,7%) oder FDP (3,2%) in Cronenberg durchweg schlechter abschnitten. Dafür aber erreichte Jürgen Hardt im Dorf mit 34,8% ein besseres Ergebnis als im Gesmtwahlkreis – nach zwei gewonnenen Wahlen zuvor und dem Einzug zuletzt über die Landesliste verfügte Hardt ja auch über einen Amtsbonus…!

Das Zweitstimmen-Ergebnis bei der Bundestagswahl 2025 im Stadtbezirk Cronenberg. | Screenshot Grafik Stadt Wuppertal

Das Zweitstimmen-Ergebnis bei der Bundestagswahl 2025 im Stadtbezirk Cronenberg. | Screenshot Grafik Stadt Wuppertal

AfD: Im „Dorf“ schwächer als im Wahlkreis, aber Stimmbezirk gewonnen

Dass der AfD-Kandidat im Stadtbezirk mit 16,1% zwar marginal besser abschnitt als seine Partei bei den Zweitstimmen (15,9%), aber unter dem Erststimmen-Ergebnis im Gesamtwahlkreis blieb (18,54%), reichte dennoch manchem CW-Leser: „Krass, hatte nicht erwartet, dass selbst hier das braune Gesocks so auf dem Vormarsch ist“, lautete ein Kommentar zum CW-Liveticker auf unserer Facebook-Seite… Ihre Hochburg hatte die AfD übrigens am Mastweg: Im Stimmbezirk 99 ging die AfD sowohl bei den Erst- und Zweitstimmen (28,4% / 26,7%) als Sieger ins Ziel – als einzigem Stimmbezirk in Cronenberg. Stark schnitt die Alternative zwar auch am Rottsiepen (Stimmbezirk 91) ab. Bei den Zweitstimmen konnte sich hier allerdings die CDU (26%) knapp vor der AfD (24,2%) auf Platz 1 behaupten. Interessant dabei: In beiden Stimmbezirken lag die Wahlbeteiligung unter 60% – zum Vergleich: Gesamt-Cronenberg lag mit einer Wahlbeteiligung von 86% an der Spitze aller Wuppertaler Stadtbezirke.

Schäfer-Niederlage: „Unverdient für Ingo…“

Entsprechend seines „zweischneidigen“ Ergebnisses zeigte sich SPD-Amtsinhaber Ingo Schäfer erfreut über sein gutes Erststimmen-Ergebnis und zugleich enttäuscht von seiner Niederlage gegen Jürgen Hardt. Schäfer dankte „von Herzen“ seinen „unermüdlichen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfern“ für ihr Engagement und ihre Leidenschaft: „Ohne euren Einsatz wäre dieser Weg nicht möglich gewesen“, äußerte sich der scheidende SPD-Bundestagsabgeordnete „überwältigt von der Unterstützung und dem Vertrauen, das Sie mir entgegengebracht haben“. Bände sprach auch die Reaktion von SPD-Unterbezirksgeschäftsführer Antonio Scarpino: Das Schäfer-Ergebnis habe „eindrucksvoll bewiesen, dass gute Kandidaten sich vom Trend absetzen können“: „Dass es nicht gereicht hat, ist schade und für Ingo unverdient.“

Ingo Schäfer wurde im Herbst 2021 für die SPD im Cronenberger Wahlkreis Remscheid-Solingen-Wuppertal II direkt in den Bundestag gewählt. Bei der Bundestagswahl 2025 unterlag er wieder seinem CDU-Kontrahenten Jürgen Hardt. | Foto: privat

Ingo Schäfer wurde im Herbst 2021 für die SPD im Cronenberger Wahlkreis Remscheid-Solingen-Wuppertal II direkt in den Bundestag gewählt. Bei der Bundestagswahl 2025 unterlag er wieder seinem CDU-Kontrahenten Jürgen Hardt. | Foto: privat

 

Jürgen Hardt: „Jetzt keine Zeit verlieren…!“

„Comebackler“ Jürgen Hardt (CDU, Foto) freute sich natürlich, dass er seinen Wahlkreis hatte zurückholen können. Hardt dankte nicht nur seinen Unterstützern für ihr Engagement, sondern auch seinen Mitbewerbern „für einen fairen Wahlkampf“: „Das ist keine Selbstverständlichkeit.“ Erfreut zeigte sich der frisch gewählte CDU-Bundestagsabgeordnete von der deutlich gestiegenen Wahlbeteiligung, zugleich kündigte Hardt an, sich gemeinsam mit dem SPD-Abgeordneten Helge Lindh über Fraktionsgrenzen hinweg für die Interessen von Solingen, Remscheid und Wuppertal einsetzen zu wollen: „Jetzt heißt es, keine Zeit zu verlieren“, forderte Hardt die rasche Bildung einer handlungsfähigen Regierung, „die Deutschland wieder voranbringt“.

Nach seiner Niederlage bei der Wahl 2021 holte Jürgen Hardt seinen Städtedreieck-Wahlkreis 102 als Direktkandidat für die CDU zurück. | Foto: Tobias Koch

Nach seiner Niederlage bei der Wahl 2021 holte Jürgen Hardt seinen Städtedreieck-Wahlkreis 102 als Direktkandidat für die CDU zurück. | Foto: Tobias Koch

Alexej Hundt: „Die Menschen wollen Antworten haben…“

In ein ähnliches Horn stieß Cronenbergs CDU-Vorsitzender Alexej Hundt, der zugleich auch Wahlkreis-Mitarbeiter von Jürgen Hardt ist: Nach dreieinhalb Jahren Ampel wollten die Menschen nun Lösungen und eine vernünftige Politik – die politische Mitte müsse nun Antworten geben, befand Hundt zum auch in Cronenberg hohen AfD-Ergebnis: Das sei nicht Leistung des Kandidaten vor Ort gewesen, sondern vielmehr Ergebnis der Stimmungslage im Bund: „Die Menschen wollen einen klaren Kurs haben“, zeigte sich der Dörper CDU-Chef auch zuversichtlich im Hinblick auf die Kommunalwahl im September: Das Bundestagswahl-Ergebnis sei eine gute Ausgangsbasis, aber: „Darauf wollen wir uns aber nicht ausruhen, ab der nächsten Woche geht es los…“

Miriam Scherff: „Leute waren nicht unzufrieden mit Ingo…“

Sein SPD-Pendant Miriam Scherff, zugleich Vorsitzende der SPD Wuppertal, zeigte sich überzeugt, dass das „nicht ganz so gute Bild der Ampel“ und damit der Bundestrend entscheidend für das Cronenberg-Ergebnis gewesen sei: Inhalte hätten weniger eine Rolle gespielt als die Streitigkeiten in Berlin. Dagegen anzukämpfen sei für Ingo Schäfer schwer gewesen, sein vergleichsweise gutes Erststimmen-Ergebnis honoriere, dass der bisherige Bundestagsabgeordnete gute Arbeit geleistet habe: „Die Leute waren nicht unzufrieden mit Ingo…“ Dass die AfD auch im Stadtbezirk ein hohes Ergebnis erreichte, davon zeigt sich die SPD-Bezirksbürgermeisterin einigermaßen überrascht, Scherffs Erklärung: Die Menschen seien unzufrieden mit der Ampel gewesen – Wahl sei daher auch eine Art Protestwahl gewesen. Im Hinblick auf die Kommunalwahl äußerte sich die SPD-Vorsitzende zuversichtlich: Hier würden andere Themen eine Rolle spielen – „die SPD macht eine gute Arbeit in Cronenberg“, blickte Scherff selbstbewusst voraus auf den September.