31.03.2025, 19.16 Uhr | Meinhard Koke | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Theaterprojekt: Küllenhahn-Schüler zu Demokratie-Fans gemacht
Die SchauspielerInnen Stefanie Siebers (re.) und Kai Meister vom Theater „Die Mimosen“ bei ihrem Demokratie-Projekt an der Grundschule Küllenhahn. | Foto: Meinhard Koke
„Wenn die AfD gewinnt, dann muss ich weggehen“, sagte Ibrahim, dessen Vater aus dem Senegal stammt. Dieser Satz war ein geradezu schockierender Moment beim CW-Gespräch mit einem Quartett der Klasse 4a der Grundschule Küllenhahn. Gerade hatten der Zehnjährige und seine Mitschüler der „Papageienklasse“ ein Demokratie-Projekt absolviert, das Anfang März drei Tage lang für alle dritten und vierten Klassen der Schule durchgeführt wurde. Finanziert vom Betreuungs- und Förderverein gastierte das Theater „Die Mimosen“ an der Küllenhahner Straße. Die Schauspieler Stefanie Siebers und Kai Meister führten zunächst am Montag ein Theaterstück auf: „Die Erfindung der MausKatzo-Kratie“. Der Inhalt: In einer Stadtbücherei haben sich die Mäuse Milli und Marco eingenistet – zum Leidwesen des „Bibi“-Teams. Es schafft zwei Katzen an, nur: Hilde und Frank sind vegetarische Katzen und dazu verträgliche: Gemeinsam mit den Mäusen fragen sie sich: Wie könnte man gemeinsam in Frieden leben? Sie greifen ins Bücherregal und stoßen auf Lektüre zu Diktatur, Königreich und Demokratie. Aber: Ist Demokratie zwischen Katzen und Mäusen denn überhaupt möglich? Die Antwort: Ja, in der „MausKatzoKratie“ funktioniert sie…!
„Katz-und-Maus-Spiel“ mal ganz anders…!
Dienstag-Vormittag kamen die „Mimosen“-Schauspieler Stefanie Siebers und Kai Meister in die „Papageienklasse“, um mit den Viertklässlern ein besonderes „Katz-und-Maus-Spiel“ zu veranstalten. Das Ziel: Die „Küllis“ für den „Demokratie-Ding-Fan-Club“ zu begeistern. Als Katze und Maus verkleidet ging es – mit viel Spaß, aber ohne erhobenen Zeigefinger – um Anarchie, Diktatur oder Königreich – und natürlich Demokratie. Welche Staatsform mochte den Schülern von Kristina Lorenz wohl am meisten „schmecken“? Die „Papageien“ entschieden sich – ganz demokratisch – für die „MausKatzoKratie“…!
Und die wurde dann sogleich praktisch erprobt: An den vier großen Klassen-Tischen galt es jeweils Gesetzesvorschläge zu machen, über die dann abgestimmt wurde – geheim, natürlich! Nach der Auszählung stand fest: Das Rennen hatte der Tisch Lila gemacht – sein Vorschlag „Es soll kein Müll mehr auf dem Boden liegen“ war damit Gesetz… Nur: „Kätzin“ Hilde hielt sich nicht daran – wegen ihres Müllvergehens kam sie also vor Gericht. Bei der Verhandlung bekam der eine Tisch die Rolle der Staatsanwaltschaft, der nächste übernahm die Verteidigung, der dritte fungierte als Richter, während Tisch 4 Gerichtsreporter spielen durfte. Das Urteil fiel salomonisch aus: Eine Knaststrafe, wie von der Anklage gefordert, blieb aus, ebenso ein Freispruch, wie von der Verteidigung beantragt. Das Grundschülergericht sprach vielmehr eine Geldstrafe aus – „ich fühle mich fair behandelt“, zeigte sich Müllsünderin Hilde einverstanden…
Schon überraschend viel Wissen zur Demokratie
Damit hatten die „Külli“-Viertklässler Rechtsbewusstsein bewiesen, sodass Stefanie Siebers und Kai Meister fragen konnten: „Wollt ihr in den ,Demokratie-Ding-Fan-Club‘“? „Jaaa“, lautete vielstimmig-eindeutig die Antwort, allerdings galt es zuvor noch fünf Testfragen richtig zu beantworten: Ob „Welche Staatsform hatte Deutschland vor der Demokratie?“ und „Warum heißt das Grundgesetz so‘?“ oder „Wer darf alles wählen?“ – die Schüler beantworteten alle Fragen richtig – Bahn frei für die Mitgliedschaft im „Demokratie-Ding-Fan-Club“…!
Für Stefanie Siebers und Kai Meister waren die Tage an der Küllenhahner Straße eine Premiere: Erstmals führten „Die Mimosen“ ihr Demokratie-Projekt durch: „Es ist wichtig, dieses Thema auch in die Grundschule zu bringen“, unterstrichen die beiden Schauspieler. Ob Theater-Projekte zu Müll, Klima oder nun zu Demokratie – „wir haben Themen, da werden wir es nicht mehr erleben, dass wir nicht mehr gebraucht werden“, zeigte sich Schauspieler Meister überzeugt von der Notwendigkeit der Projektarbeit. Vom Verlauf der „MausKatzoKratie“-Premiere zeigten sich Siebers und Meister angetan: „Was wir uns überlegt hatten, ist aufgegangen“, zollten die Schauspieler den „Küllies“ ihr Kompliment: „Es war total schön, wie viel Spaß die Kinder hatten.“
„Weil ich viel entscheiden will“: „Demokratie ist cool“
Ob Pauline, Helena, Pia oder eben Ibrahim und alle anderen Klassenkameraden – mit großer Ernsthaftigkeit und schon recht viel Wissen waren die „Papageien“ bei der Sache. Bände sprachen auch die Schüler-Einträge ins „Demokratie-Ding-Fan-Club“-Buch: Ich bin gerne im Fan-Club, „weil ich Demokratie interessant finde“, weil sie „gut ist“, hieß es da; „weil ich viel mehr entscheiden will“ war auch zu lesen: „Weil Demokratie uns allen hilft.“ Klassenlehrerin Kristina Lorenz schien vom „Wissen“ ihrer Schützlinge („Viele sind echt interessiert und fit“) nicht überrascht: Vor der Bundestagswahl seien viele Schüler mit Fragen gekommen, besonders die AfD sei „ein großes Thema“ gewesen, sodass man die Wahl wie auch den Ausgang im Unterricht thematisiert habe: „Es ist wichtig, das zu besprechen.“
Nur schade, dass zur Finanzierung der Kosten für das Theater-Projekt keine Gelder von Stadt, Land oder Bund bereitstehen, sondern es Fördervereine, Sponsoren oder Sammelaktionen braucht – in der „MausKatzoKratie“ würde dazu sicherlich ein Gesetz erlassen werden. Allein wenn Ibrahim auf diese Weise seine Sorge verlieren würde, aus Deutschland rauszumüssen, wäre das ein Stück praktizierter Demokratie…! Mehr zu dem Projekt-Theater ist hier im Netz zu finden: www.theater-die-mimosen.de.





