24.06.2025, 13.21 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

VdK Cronenberg: „Talkfabrik“ zum Thema „Depressionen“

Artikelfoto

Die Organisatoren der VdK-„Talkfabrik“, Moderator Matthias Müller (2.v.r.), Cronenbergs VdK-Chef Horst Kaldyka (re.) und VdK-Ehrenvorsitzender Berthold Gottschalk, mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Bialas (li.). | Foto: Karl-Heinz Kamiz

Mehr Aufmerksamkeit für Menschen mit psychischen Erkrankungen und mehr professionelle Hilfsangebote forderten die Teilnehmenden bei der Podiumsdiskussion „Depression kann jeden treffen, Achtung Suizidgefahr“. Zu diesem brisanten Thema hatte der Ortsverband Cronenberg des Sozialverbandes VdK zuletzt nach Barmen in die „Färberei“ eingeladen. An dem von dem Cronenberger Journalisten Matthias Müller moderierten Abend saß mit Dr. Claudia Kociucki auch die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Depressionsliga auf dem Podium: „Die Zahl aller Verkehrstoten und Mordopfer ergeben zusammen weniger als die Toten durch Suizide“, warf sie die Frage auf: „Wo ist der öffentliche Aufschrei? Wo sind die Talkshows zu diesem Thema?“

Kociucki forderte mehr Öffentlichkeit für das Thema „Depressionen“, gerade wenn sie durch das Verhalten anderer ausgelöst werden. „Das dürfen wir nicht einfach hinnehmen“, erklärte der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Bialas mit Nachdruck, denn: „Mobbing, Hetze und Hass treiben einfach viel zu viele Menschen in die Depression.“ Kociucki, selbst betroffen und als telefonische Ansprechpartnerin in viele Fälle eingeweiht, gab zu bedenken: „Die Symptome können sehr unterschiedlich sein. Niemand ist schuld an seiner Krankhei – es kann jeden treffen.“ Das immer komplexere Leben, ebenso Vereinsamung und ein häufig verzerrtes Bild in den Sozialen Medien könnten schnell zu psychischen Problemen führen.

Anzeige

Solidarität und Zusammenhalt

Die Zahlen seien jedoch auch gestiegen, weil sich die Menschen mehr trauten, einen Arzt aufzusuchen. Allerdings, so merkte Ute Trescher von der Deutschen Depressionsliga an, sei es in der akuten Phase einer Depression oft schwierig, sich anderen anzuvertrauen. Auch die Scham über die Erkrankung spiele dabei eine Rolle. Andreas Bialas sah zudem eine Entgrenzung und Brutalität in der Kommunikation als Grund für den Anstieg psychischer Erkrankungen. Der SPD-Landespolitiker forderte mehr Solidarität und Zusammenhalt: „Wir dürfen die Entwertung des anderen Menschen nicht zulassen.“ Das stehe schon im deutschen Grundgesetz. Nötig seien ein entschiedenes Vorgehen gegen kriminelles Handeln, aber auch Geld – etwa für Schulsozialarbeit, Beratungsstellen, wissenschaftliche Forschung zu Ursachen wie zu Behandlungsmöglichkeiten.

Hilfreiche Medikamente

Martin Lindheimer, Psychiatrie-Referent bei der Diakonie Lippe, berichtete im Einzelinterview mit Matthias Müller von seinen traumatischen Erfahrungen als Patient in der Psychiatrie, wo er auch mehrere Tage lang ans Bett festgebunden gewesen sei. Diese Methode sei zwar in Deutschland verboten, „doch meines Wissens hat sich die Situation in der Psychiatrie nicht verbessert“, prangerte Lindheimer auch die Zwangsverabreichung von Medikamenten an. Dr. Claudia Kociucki stimmte zu: „Niemand kann gezwungen werden, Medikamente zu nehmen“ – eine Medikation müsse immer individuell abgesprochen werden. Auch müsse es für schnell überforderte Angehörige mehr Angebote geben. Einig waren sich alle Podiumsgäste, dass mehr Achtsamkeit im Umgang miteinander, aber auch der Ausbau von Hilfsstrukturen erforderlich seien, um psychische Erkrankungen zu reduzieren.

Thema „Schulden“ beim nächsten VdK-Abend

Nach über zwei Stunden äußerten sich die Gäste mit großem Lob: „Eine Vorbereitung mit Niveau, wie für die Tagung bei einem Ärztekongress“, hieß es. Auch Berthold Gottschalk dankte man besonders für die Auswahl der kompetenten Gäste. „Wege aus der Schuldenfalle“ zeigt der nächste Diskussionsabend auf, zu dem der VdK-Ortsverein Cronenberg am kommenden Donnerstag, 26. Juni, einlädt: Ab 18 Uhr werden Experten bei der AOK a.d. Bundesallee 265 sprechen und ein Betroffener berichten. Der Eintritt ist frei.