03.09.2025, 10.34 Uhr   |   Marion Heidenreich   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Die Reihe „Wissenswertes“: Aus dem Alltag des Rettungsdienstes

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Gastgeber Prof. Dr. Martin Fleuß (re.) mit Nofallretter Dennis Hottenbacher, der im Rahmen der Reihe „Wissenswertes“ zuletzt im Gemeindehaus Küllenhahn zu Gast war. | Foto: Marion Heidenreich

365 Tage im Jahr ist der Rettungsdienst täglich rund um die Uhr im Einsatz, um im Notfall medizinische Hilfe zu leisten – wie sieht der Alltag eigentlich aus? Antworten auf diese Frage und vieles mehr rund um Aufgaben, Strukturen und Ausbildung bei den Wuppertaler Rettern gab Dennis Hottenbacher bei Prof. Dr. Martin Fleuß zuletzt im Rahmen der Reihe „Wissenswertes“.

Der heute 45-Jährige kam nach der kaufmännischen Ausbildung im Rahmen seines Zivildienstes 1998 zum Rettungs- und Feuerwehrdienst – heute als Notfallretter, Ausbilder und als Teil des psychologischen Unterstützungs-Teams tätig. Dazu engagiert er sich ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendhilfe und der Seelsorge.

Rettungs- oder Notfallsanitäter?

Die Verzahnung von Feuerwehr und Rettungsdienst wird durch die berufliche Ausbildung deutlich: Während die Freiwilligen Feuerwehren mehr „technisch“ unterwegs sind, ist in der Berufsfeuerwehr auch eine mindestens dreimonatige Ausbildung zum Rettungssanitäter Pflicht. Notfallsanitäter, die zusammen mit Notfallärzten im Einsatz sind, absolvieren nach dreijähriger Ausbildung eine 14-monatige Brandmeisterausbildung.

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„Wuppertal ist da sehr gut aufgestellt mit der eigenen Rettungsakademie“, bescheinigte Hottenbacher – bei der Fachkräfte-Ausbildung und den jährlich festgeschriebenen Fort- und Weiterbildungen für rund 650 Teilnehmende auch anderer Rettungsdienste. Notfallsanitäter sind heutzutage berechtigt, auch ohne notfallärztliche Anweisung Medikamente gegen Schmerzen, zur Blutdruckregulierung oder bei Herz-Rhythmusstörungen sowie zur Reanimation in lebensbedrohlichen Situationen einzusetzen – allerdings „streng nach Lehrbuch“. 

Einblick in den Dienstalltag

Diagnose und Therapie bleiben weiterhin in notärztlicher Hand, die mit moderner Technik auch über die Leitstelle erfolgen kann. Heute wird – vor allem in der Stadt – schon bei kleineren Verletzungen, die vor 20 Jahren noch mit „Pflaster drauf“ selbst erledigt wurden, oft der Notruf gewählt. Auf dem Land sind die Menschen „robuster“: „Die schmeißen sich auch noch stark blutend ins Auto“, erläuterte Hottenbacher, dass für den Notruf die unkompliziertere Klinikaufnahme spreche.

Auch „schönste“ Einsätze“…

Ärgerlicher seien indes Fehlalarme, die den RTW unnötig blockieren. Bereits während des Anrufes fährt der Rettungswagen innerhalb von 60 bis 90 Sekunden raus, damit er in maximal 10 Minuten am Einsatzort sein kann. Dass Notfallsanitäter auch in den Kühl- oder Badschrank schauen, ist übrigens kein Witz: Denn oft werden dort die täglich notwendigen Medikamente gelagert. Notfallbändchen und Patientenverfügungen erleichtern den Erstrettern die Arbeit…

Auch die Wartung und Pflege von Fahrzeugen, Ausrüstung und der Technik gehört zum täglichen Dienst, und Kameradschaft wird großgeschrieben: „Wir gehen durch dick und dünn und passen aufeinander auf.“ Auf Nachfrage zum bislang schönsten Erlebnis im Dienst des zweifachen Vaters: „Ich habe mehr Kinder abgenabelt, als ich Kindergeld beziehe…“

Nächster Abend & mehr Infos

Mehr zum Wuppertaler Rettungsdienst ist unter wuppertal.de/microsite/feuerwehr/index.php zu finden. Am kommenden Freitag, 5. September, ist Justizanstalt-Leiterin Susan Schneider bei Prof. Dr. Martin Fleuß im Gemeindehaus Küllenhahn an der Nesselbergstraße 12 zu Gast. Der Eintritt ist wie immer frei.