17.09.2025, 19.50 Uhr | Meinhard Koke | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Netto-Projekt in Turbulenzen: Unwirtschaftlich – Investor plant neu
So sollte der Wohn-/Einzelhandels-Neubau im Carrée Haupt-/ Amboß-/ Holzschneiderstraße, in den der Discounter Netto einziehen will, einmal aussehen. | Animation: CEV-RATHKE-Architekten-BDA
Im Karree Hauptstraße / Amboßstraße / Holzschneiderstraße wächst inzwischen buchstäblich Gras drüber – das Baufeld für das geplante Netto-Vorhaben (die CW berichtete mehrfach) hier ist seit Monaten baureif… Das Gras dürfte noch höher wachsen, wie die „Turbulenzen“ um das 15-Millionen-Projekt in der vergangenen Woche deutlich machten. Am 10. September preschte die CDU Cronenberg mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit: Der Investor zu Cronenbergs wohl prominentestem Neubau-Projekt habe einen „Rückzieher“ gemacht, ließen die Christdemokraten wissen.
Nach Worten von Alexej Hundt, dem Vorsitzenden der CDU Cronenberg, seien „wirtschaftliche Gründe“ ausschlaggebend: „Die Absage des Investors für diese Planung ist ein Rückschritt für die Entwicklung Cronenbergs und seiner Ortsmitte.“ Auf telefonische CW-Nachfrage ließ ein Vertreter des Hamburger Investors wissen, das es aber keinen grundsätzlichen Rückzieher von dem Netto-Vorhaben in Cronenberg gebe. Vielmehr hätten sich die bisherigen Planungen als unwirtschaftlich erwiesen. Daher sei man aktuell dabei, das Millionen-Projekt umzuplanen.
„Haben ein persönliches Interesse an der Bebauung…“
Das bedeute zwar, dass die Bauplanung wieder vor die sogenannte „Veröffentlichung“ und das Gesamtprojekt somit auf eine noch nicht absehbare Zeit zurückgeworfen werde. „Wir haben aber ein persönliches Interesse, weil das Grundstück in unserem Eigentum ist“, stellte der Projektentwickler im Gespräch mit der CW klar, dass man an der Kombi-Bebauung der Fläche an der Ortsmitte-Kreuzung mit Wohnen und Einzelhandel unverändert festhalte. Um eine verbesserte Wirtschaftlichkeit zu erzielen, wolle man zu einem optimaleren Verhältnis von Mietfläche zu Bruttogeschossfläche gelangen… – „da sind wir im Augenblick dran…“
Cronenberger CDU droht mit Veränderungssperre
CDU-Chef Hundt unterstich derweil in der Mitteilung, dass Politik dazu da sei, „für den Bürger zu arbeiten und nicht die Gewinnmaximierung von Unternehmen zu fördern“. „Unser Interesse liegt darin, ein Eingangstor in unsere Ortsmitte zu bekommen, das sich der Ortsplanung anpasst“, ergänzte CDU-Frktionssprecher Michael-Georg von Wenczowsky, dass man über Monate und durch alle Gremien eine Planung erarbeitet habe. Die CDU sei nicht bereit, diese nun einer 08/15-Neuplanung zu opfern: „Die Bürger haben das Anrecht das zu bekommen, was sie bekommen sollten“, stellte von Wenczowsky klar, dass die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung andernfalls darüber nachdenke, eine Veränderungssperre für das Filet-Grundstück in der Ortsmitte anzuregen, „damit die Planung zurück in die Hände der Stadt gehen kann“: „Wir haben ein scharfes Auge auf den Investor…“
Ressortleiter: „Neue Pläne müssen durch alle Gremien…“
Jochen Braun, der Leiter des Ressorts Bauen und Wohnen der Stadt, stellte klar, dass eine Veränderungssperre überhaupt nicht erforderlich sei. Vor einer Realisierung müssten die Neupläne für das Netto-Projekt schließlich erneut durch alle Gremien, so auch durch die Bezirksvertretung: „Die Stadt hat alle Hebel in der Hand“, betonte Braun gegenüber der CW, dass nichts an Rat oder BV vorbeigehe: „Ich gehe davon aus, dass das auch wieder ein qualitativ hochwertiger Plan wird.“
Auf die Frage, mit welcher Verzögerung des Vorhabens nun zu rechnen sei, wollte Braun keine Aussage treffen, zumal ja noch nicht einmal Pläne bekannt seien: „Das hängt auch vom Investor ab.“ Wenn alles glatt liefe, so Braun grundsätzlich, könnte sich ein Vorhaben nur um ein halbes Jahr verschieben, aber auch Jahre seien möglich – das Grün an der Ortsmitte-Kreuzung kann also in jedem Fall weiter sprießen…





