17.09.2025, 16.12 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Rentnersteuer“: Expertin Melanie Zander beim Dörper VdK-Treff

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Melanie Zander (li.), die Leiterin der Cronenberger Beratungsstelle der Vereinigten Lohnsteuerhilfe e.V. (VLh), bei dem Monatstreff mit Vorstandsmitgliedern des VdK-Cronenberg. | Foto: Matthias Müller

Mit Melanie Zander war die Leiterin der Cronenberger Beratungsstelle der Vereinigten Lohnsteuerhilfe e.V. (VLh) beim Monatstreff des VdK-Ortsvereins Cronenberg zu Gast. In „Policks Heimat“ versetzte die Expertin die anwesenden Mitglieder zur deutschen Steuergesetzgebung ziemlich ins Staunen. Denn: Dass inzwischen immer mehr Rentner verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben, wussten viele der Interessierten ganz offenbar nicht. Und auch das nicht: Das Finanzamt informiert nicht über eine Steuerpflicht, sondern meldet sich vielfach erst nach Jahren, um dann hohe Steuernachzahlungen zu fordern. Melanie Zander schilderte einen Fall, bei dem eine Rentnerin 12.000 Euro nachzahlen sollte: „Dabei hatten wir das Finanzamt schon um 3.000 Euro runtergehandelt“, so die Expertin.

Wie Zander weiter erläuterte, können sich nur wenige Rentner „auf Null“ rechnen – das Finanzamt bitte praktisch immer zur Kasse! Einzig eine hohe körperliche Beeinträchtigung und dadurch ein entsprechender Grad der Behinderung (GdB) könne zu Freibeträgen führen. Das, so Zander bei dem VdK-Treff, verhinderten aber die Versorgungsämter gerne durch niedrige GdB-Bewertungen, gegen die beim Sozialgericht geklagt werden könne. Auf die Frage, warum überhaupt Rentenerhöhungen gezahlt werden, wenn sich der Staat das Geld doch wieder zurückhole, wusste Zander nicht wirklich eine Antwort; zumal sich das Finanzamt nach Angaben der VLh-Expertin auch über Freibeträge, absetzbare Kosten und viele andere Dinge beharrlich ausschweige…

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Insofern dränge der Staat den Bürger ganz subtil, sich entweder selbst zum Experten zu machen oder einen Steuerberater zu beauftragen. Dabei beweise allein schon der Umstand, dass private Steuererklärungen bis Mitte des Folgejahres abgegeben werden müssen, während Steuerberatern eine Sonderabgabepflicht bis ins nächste Jahr gewährt wird, eine Ungleichheit. Auch auf diese Weise halte sich das Finanzamt wohl steuerliche Laien vom Hals, um nur mit dem Profi zusammenarbeiten zu müssen. Den allerdings müsse man erst einmal finden und sich zudem leisten können. Immerhin aber ist der Steuerberater absetzbar…!

Der VdK-Nachmittag drängte zudem die Einsicht auf: Ein Steuer- und Rentensystem kann auf die Dauer so nicht funktionieren. Viel zu viel Kapital der Rentenkasse werde für andere Staatsaufgaben zweckentfremdet und reiße Lücken in die durch die „Boomer-Generation“ zunehmend belastete Rentenbeiträge: „Wenn die Kurve nicht bald genommen wird, bricht das Rentensystem zusammen“, betonte Melanie Zander, dass sie in 20 Jahren eine Einheitsrente befürchtet – egal, was zuvor eingezahlt wurde. Da helfe auch nicht, dass ab 2058 alle, also auch Beamte, in die Rentenkasse einzahlen sollen… 

Mehr Infos und Kontaktmöglichkeiten

Wer steuerliche Hilfe sucht oder sich fachlich zu dem Thema informieren möchte, kann mit VLh-Beratungsstellenleiterin Melanie Zander per Telefon (0202) 52 747 258 einen Termin vereinbaren. Weitere Infos auch online unter www.vlh.de/bst/5754/. Wer mehr über den Cronenberger VdK-Ortsverein erfahren möchte, kann sich außerdem unter nrw.vdk.de/vor-ort/ov-cronenberg/ informieren.