27.09.2025, 09.23 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Scherff vs. Nocke: Erst „Speed-Dating“, dann Rücken an Rücken

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Hatten unübersehbar auch Freude bei der Podiumsdiskussion am Carl-Fuhlrott-Gymnasium: Miriam Scherff (SPD) und Matthias Nocke (CDU), die beiden KandidatInnen der Oberbürgermeister-Stichwahl 2025 in Wuppertal. | Foto: Meinhard Koke

Raus aus den Klassen und rein ins Pausenzentrum hieß es Montag für die Oberstufen nicht nur des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG): Auch von der Bayreuther Straße, aus Vohwinkel, von der Sedanstraße und der Blutfinke füllten SchülerInnen die Aula des Schulzentrums Süd: Rund 600 junge ZuhörerInnen verfolgten die Podiumsdiskussion, welche der CFG-Leistungskurs Sozialwissenschaften unter der Leitung von SoWi/Politik-Lehrer Marcus Roth zur Oberbürgermeister-Stichwahl am morgigen Sonntag, 27. September, organisiert hatte.

Anders als bei der Bundestagswahl im Februar darf bei der Kommunalwahl bereits ab 16 Jahren gewählt werden – für Matthias Nocke (CDU) und Miriam Scherff (SPD), die es in den Entscheid am Sonntag geschafft haben, bedeutete die CFG-Diskussion auf der Zielgeraden die wohl größte Gelegenheit des gesamten Wahlkampfes, sich vor Jung-WählerInnen zu präsentieren. Sofa, Sessel und Tische, flankiert von Pflanzen: Bei der CFG-Podiumsdiskussion zur OB-Stichwahl war im weitläufigen PZ des Schulzentrums alles für eine „kuschelige“ Talk-Atmosphäre bereitet. Die CFG-SchülerInnen Rafael und Leal führten souverän durch die rund 75 Minuten, ihre „Setlist“ war ganz offenbar darauf angelegt: Nur keine Langeweile aufkommen lassen, um die Altersgenossen bei der Stange zu halten. Und insofern hieß es für die beiden Stichwahl-KandidatInnen öfter mal: raus aus den bequemen Sesseln…!

Entscheidend? Erfahrung  versus jüngeres Alter

So galt es für Nocke und Scherff, sich einander bei einem „Speed Dating“ vorzustellen; sie mussten sich zu Themen auf einem auf dem PZ-Boden aufgebrachten Meinungsbarometer positionieren; à la Hochzeitsspiel wurden Rücken an Rücken überdies Übereinstimmungen beziehungsweise Gegensätze abgeklopft. Im Fokus der Fragen standen Themen wie Mobilität, Bildung und soziale Gerechtigkeit oder auch die Sauberkeit und Sicherheit in Wuppertal. Ebenfalls sprachen die Schüler-Talkmaster an: Hat der Altersunterschied des 62-jährigen Nocke und der „erst“ 36-jährigen Scherff eine Bedeutung?

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CDU-Kandidat Nocke verwies auf seine jahrelange Führungstätigkeit als Dezernent und Stadtdirektor. Er kenne sich bestens aus in der Stadt und ihrer Verwaltung mit den rund 7.500 Mitarbeitenden, betonte Nocke: „Ich habe viele Ideen, die ich gerne umsetzen würde.“ Miriam Scherff hielt dagegen, dass Alter beziehungsweise Erfahrung per se keine Kompetenzmerkmale seien: Sie habe sich in der „Männerdomäne“ IT-Branche ebenso eine Führungsposition erarbeitet wie als Vorsitzende der SPD Wuppertal oder als Cronenberger Bezirksbürgermeisterin, und hier seien die letzten fünf Jahre ein voller Erfolg“ gewesen…

Rücken an Rücken beim „Hochzeitsspiel“: die OB-Stichwahl-KandidatInnen Miriam Scherff und Matthias Nocke bei der Podiumsdiskussion am Carl-Fuhlrott-Gymnasium. | Foto: Meinhard Koke

Rücken an Rücken beim „Hochzeitsspiel“: die OB-Stichwahl-KandidatInnen Miriam Scherff und Matthias Nocke bei der Podiumsdiskussion am Carl-Fuhlrott-Gymnasium. | Foto: Meinhard Koke

Viel Applaus: Kostenloses ÖPNV-Ticket und AfD-Kritik

Das „Applaus-Barometer“ im „Süd“-PZ deutete darauf hin, dass SPD-Kandidatin Scherff mit ihrer Forderung nach einem kostenlosen ÖPNV-Ticket für Kinder ab der fünften Klasse sowie mehr Teilhabe für ärmere Familien besonders punkten konnte. Matthias Nocke derweil bekam lautstarke Anerkennung für deutliche Worte zur AfD: Als er aus dem Publikum auf den CDU-Umgang mit der „Brandmauer“ angesprochen wurde, bezeichnete Nocke die „Remigrations“-Forderungen als „ätzend“ und AfD-Vertreter als „Hohlköpfe, die Ängste schüren und Agressionen wecken“: „Man darf ihnen nichts durchgehen lassen, man muss sie stellen“ – kräftiges Klatschen im Pausenzentrum…

Pluspunkte: „Kaltstart“ oder „zwei auf einen Streich“

Als sie sich per Selbstplädoyers an die Jung-Wähler wenden durften, landete SPD-Kandidatin Scherff einen „Coup“: Wenn man sie wählte, bekäme man beides: einen starken Stadtdirektor Nocke und sie als Oberbürgermeisterin, warb Scherff nicht ohne Schmunzeln für sich. Konkurrent Nocke indes stellte heraus, dass er sich als OB nicht einarbeiten müsse, dass er bestens vernetzt in Stadt und Verwaltung sei: „Ich kann einen Kaltstart hinlegen…“

Fazit: „Besser als zwei Doppelstunden Kunst…“

Wer hatte wohl punkten können? Die beiden CFG-Schüler Janneck und David lobten zunächst die Polit-Stunde: Die „Auflockerung“ durch spielerische Elemente sei eine „ganz lustige Idee“ gewesen, bescheinigten die Küllenhahner Gymnasiasten ihren SchulkameradInnen. Abseits dessen: Die Diskussion an sich befanden Janneck und David als „schöne Aufklärung“: „Das war auf jeden Fall besser als eine Doppelstunde Kunst“, lachte Janneck.

Und: Hat der Talk im PZ etwas an ihrer Präferenz verändert? Janneck gab sich noch nicht entschieden, David indes schien sich sicher, bei wem er sein Kreuzchen setzen wird. Klar war für beide Jung-Wähler aber: Sie gehen Sonntag zur Wahl – zur Nachahmung empfohlen…!