03.10.2025, 08.21 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

OB-Stichwahl: Siegerin Scherff holt alle Wahlbezirke gegen Nocke

Artikelfoto

Brauchte ihre eigene Stimme bei Weitem nicht: die künftige Wuppertaler Oberbürgermeisterin Miriam Scherff bei der Stimmabgabe in ihrem Wahllokal in der Grundschule Küllenhahn. | Foto: privat

Als bei der Oberbürgermeister-Stichwahl am 28. September (die CW berichtete) die ersten Ergebnisse einen mehr als klaren Vorsprung von Miriam Scherff anzeigten, mochte man noch denken: Na ja, da sind wohl Scherff-Hochburgen zuerst ausgezählt worden – das könnte sich im Laufe des Wahlabends noch für CDU-Gegenkandidat Matthias Nocke ändern. Doch: Bis gegen 19 Uhr das vorläufige Endergebnis vorlag, änderte sich nicht viel: Mit haushohen fast 50 Prozent Vorsprung wurde Cronenbergs Bezirksbürgermeisterin zur neuen Oberbürgermeisterin gewählt.

Scherff-Spitzenergebnis in Elberfeld

Und zwar in ganz Wuppertal: Miriam Scherff behielt in allen zehn Stadtbezirken die Nase vorn. Und dabei erzielte die Cronenbergerin nicht einmal bei ihrem „Heimspiel“ den höchsten Stimmenanteil: Während Scherff zwar Cronenberg mit 78,3 % unangefochten gewann, holte sie in Elberfeld mit 81,3 % ihr Wuppertaler Spitzenergebnis. Mitbewerber Nocke schnitt indes in Uellendahl-Katernberg am besten ab: Sein Spitzenergebnis mit 31,2 % blieb allerdings auch hier deutlich unter den 68,8 % für Scherff. „Ich bin immer noch ganz überwältigt“, zeigte sich die künftige Oberbürgermeisterin am Montag noch einigermaßen überrascht von ihrem Wahlsieg: Bei ihren Veranstaltungen und auf der Straße habe sie zwar eine positive Grundstimmung für sich empfunden: „Ich habe aber gedacht, dass es knapper ausgehen würde“, bekannte Scherff, dass sie mit einem Ergebnis um die 60 Prozent spekuliert habe.

Geheimnis des Erfolgs: „Kombi“ aus Kampagne und Person

Als ausschlaggebend für ihren Kantersieg benennt die Neu-Hahnerbergerin eine „Mischung aus Kampagne und Person“: Ob über die Social Media-Kanäle oder an den Ständen auf der Straße – Miriam Scherff attestiert sich und ihrem Team „eine tolle Kampagne“: Sie sei präsent gewesen, an die Haustüren und auf die Straße gegangen – „die Leute haben ein Gesicht zur Kandidatin bekommen, das kommt an“, ist die Wahlsiegerin überzeugt. Und eben damit habe sie sich – anders als vielleicht in Dortmund, wo die SPD erstmals nach dem Krieg den OB-Sessel abgeben musste – auch gegen den nicht so guten Bundestrend für die Sozialdemokraten durchsetzen können: „Ich glaube, ich habe die Menschen erreichen können.“

Anzeige

„Die kann man auch auf der Straße ansprechen…“

Dazu passt, was eine Neu-Cronenbergerin zum Wahlausgang wissen ließ: Man habe ihr im „Dorf“ gesagt, Miriam Scherff sei nahbar und präsent („Die kann man auch auf der Straße ansprechen“): „Drum hab‘ ich die auch gewählt“, ließ die Frau freimütig wissen, als sie in der CW-Geschäftsstelle ihre Stimme abgab – bei der CW-Schultüten-Wahl, wohlgemerkt…! Aktuell indes ist Miriam Scherff nicht „präsent“: Nach den Strapazen des Wahlkampfes verabschiedete sich die Wahlsiegerin für eine Woche in den Urlaub – um durchzuatmen, aber auch, um sich auf das künftige Amt vorzubereiten: „Ich möchte aufgestellt sein…“

Ad hoc-Themen: Schulen und Großprojekte

Nach ihrer Amtseinführung, so erläutert Scherff, wolle sie sich zunächst nicht nur besonders zu den Wuppertaler Großprojekten wie BUGA 2031 oder auch dem Pina-Bausch-Zentrum auf den Sachstand bringen lassen („Ich möchte wissen, ob an alles gedacht ist – wir müssen sehr viel bewegen…“). Zusammen mit der zuständigen Dezernentin und dem Schulbaukoordinator will Scherff ebenso auch umgehend den Schulbau in der Stadt („Wir müssen sehr viele Schulen in kürzester Zeit bauen“) angehen: „Damit wir durchziehen können“, gibt sich Scherff voller Tatendrang.

Anzeige

Versprechen: Cronenberg bleibt im Blick

Cronenberg will sie vom Johannes-Rau-Platz nicht aus den Augen verlieren: Ob Ortskernplanung oder auch Mehrgenerationenpark – „ich bleibe am Ball“, versichert die künftige Oberbürgermeisterin. Mit der energetischen Sanierung des städtischen Altenheimes am Ehrenmal sei ja nun sowieso der Zeitdruck aus dem Park-Projekt etwas raus… Die Wahlkampf-Parole, sie habe kaum Stadt-Erfahrung, kontert Miriam Scherff selbstbewusst mit dem Verweis auf Peter Jung: Der Küllenhahner Unternehmer sei ja seinerzeit auch sozusagen als Quereinsteiger Oberbürgermeister geworden und werde heute von der CDU „als einer der besten Oberbürgermeister ever“ gehandelt: „Man muss jedem die Gelegenheit geben, sich einzuarbeiten“, betont Miriam Scherff.

Nocke/Scherff: Wir sind ein Team

Dabei wird sie die Unterstützung haben, welche sie den Wählenden ans Herz gelegt hatte: „Wenn Sie mich wählen, bekommen Sie beides“, unterstrich Miriam Scherff (mit schmunzelndem Unterton) im Wahlkampf – nun bekommt die Stadt „beides“: Miriam Scherff als Oberbürgermeisterin und Matthias Nocke als weiter amtierenden Stadtdirektor: „Wir sind jetzt ein Team…“, versichert Scherff, dass sie auf ihren Stichwahl-Widersacher zugehen wird…