28.10.2025, 19.50 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Rathausplatz-„Knöllchen“: Ist das „Abzocke“ oder alternativlos?

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Bekam nach satten fünf Monaten „die Quittung“ dafür, dass sie nur ganz kurz auf dem Rathausplatz geparkt hatte, um bei der Bank dort Bargeld „zu ziehen“: Claudia Wöllmer hat insbesondere zur Höhe des „Knöllchens“ wenig Verständnis…! | Foto: Meinhard Koke

Wir erleben es selbst fast alltäglich vor der Tür der CW-Geschäftsstelle, so übrigens erst heute Nachmittag wieder: Auch in der Kemmannstraße tobt der Kampf um Parkplätze – der Bürgerbus hupt, weil mal wieder jemand „mal eben“ an der Haltestelle parkt, wir kommen nur per Rangieren oder gar nicht auf unseren Garagenhof, weil jemand an der Zufahrt parkt – mal eben… Dass anderen da irgendwann die Hutschnur reißt, ist uns ob dieser Erfahrungen nicht unverständlich. Zugegeben: Auch wir stellen unsere Pkw aber mal eben irgendwo ab…. Insofern lässt sich durchaus Verständnis aufbringen für Claudia Wöllmer: Mitte April, an einem Samstagmorgen um 6.16 Uhr, hatte sie auf dem Rathausplatz geparkt; „mal eben“, um Geld bei der Volksbank zu ziehen. Mitte September gab’s die Quittung: 47,50 Euro sollte die Sudbergerin zahlen, forderte die Firma Parkvision GmbH sie auf.

„Um diese Uhrzeit, damit habe ich nicht gerechnet…“

„Das ist doch reine Abzocke“, zeigt sich Claudia Wöllmer der Rechnung der Firma für digitale Parkraumüberwachung empört: „Ich verstehe sehr wohl, dass die ansässigen Läden und Anwohner verärgert sind, aber das ist doch keine Art…“ Okay, räumt die 61-Jährige ein, zu normalen Zeiten in der Woche parke sie nicht auf dem Rathausplatz: „Aber an einem Samstagmorgen um diese Uhrzeit – da habe ich nicht damit gerechnet“, betont die „Parksünderin“: „Es war ja keiner da und ich habe keinen behindert…“

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„Das ist ein ganz großes Thema im Netz…“

Von dem nachträglichen Knöllchen wurde Claudia Wöllmer insofern vollkommen überrascht. Sie habe sich nach Erhalt des „Knöllchens“ schlau gemacht, erzählt die Betroffene – Ergebnis: Das Thema „Parkvision“ sei „im Netz ganz groß“: „Ich habe nur Negatives gelesen“, berichtet Claudia Wöllmer. Und doch: Auch wenn sie den Betrag für unangemessen hält („ein Unding“), auch wenn sie die Praxis am Rathausplatz für „traurig“ befindet, zwischenzeitlich bezahlte sie die 47,50 Euro: Sie habe keine Lust auf eine nervenaufreibende Auseinandersetzung…  Aber Wöllmer wandte sich an die CW – um die Cronenberger für die Praxis am Rathausplatz zu sensibilisieren und auch dafür, dass hier selbst am Wochenende nicht „mal eben“ falsch geparkt werden darf. Die CW fragte nach: Bei der Volksbank, wo Claudia Wöllmer nur kurz etwas Urlaubsgeld „gezogen“ hatte, hieß es: Die eigenen Miet-Parkplätze seien längst gekündigt – es habe zu viele Fremdparker und Schwierigkeiten gegeben: „Das lohnte sich nicht…“

„Selbstmacherei“: Parkplätze sehr oft fremdbelegt…“

Nebenan, in der „Selbstmacherei“, weiß Inhaberin Anna Lena Windgaßen längst, „wie der Hase läuft“, obwohl sie erst im Juli am Rathausplatz einezogen ist: Zwei Parkplätze habe sie gemietet, aber darauf könne sie nur selten parken – sehr häufig, berichtet die „Selbstmacherei“-Inhaberin, seien ihre Parkplätze besetzt. Insofern überlege sie, ob sie sich der Überwachung anschließe; mit Rücksicht auf die Patienten der benachbarten Arztpraxen habe sie davon bislang Abstand genommen – noch…
Bei der Krankenpflege Behne, eine Tür weiter, kann in das „Parkplatz-Lied“ eingestimmt werden. Just beim CW-Besuch kommt eine Mitarbeiterin herein, die irgendwo in der Rathausstraße parken musste – eben weil einer der vier Behne-Parkplätze mal wieder fremdbesetzt war… Immer wieder sei das der Fall, berichten Sarah Scollich und Sarah Huber, immer wieder heiße es: „nur mal eben“…

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„Man kann uns wenigstens um Erlaubnis fragen…“

Die Behne-Mitarbeiterinnen zeigen dennoch Verständnis: Sie hätten eine „Kulanzzeit“ eingerichtet, und wenn um Erlaubnis gefragt würde, seien sie die Letzten, die „Nein“ sagen würden. Allerdings werben Sarah Scollich und Sarah Huber auch um Verständnis für ihre Situation: Die Behne-Mitarbeitenden seien ab 5.30 Uhr unterwegs („Wir sind nur zwei Stunden in der Nacht nicht im Einsatz“), wenn ihre Parkplätze besetzt seien und sie anderswo im Dorf eine Abstellmöglichkeit suchen müssten, gerieten Dienstpläne aus dem Takt, müssten Patienten auf sie warten…

„Solche Schilder gibt’s auf  jedem Discounter-Parkplatz…“

„Man kann uns wenigstens um Erlaubnis fragen“, betonen sie: „Es kann nicht sein, dass hier geparkt wird, um bei ALDI einkaufen zu gehen und unsere Mitarbeitenden beschimpft werden“, spiegeln die Behne-Mitarbeiterinnen die andere Seite der „Park-Medaille“ am Rathausplatz. Mit großformatigen Schildern, wie inzwischen auf jedem Supermarkt-Parkplatz, werde doch plakativ auf das Parkverbot hingewiesen: „Wenn man darauf hinweist, wird man dumm angemacht“, lautet die Erfahrung von Sarah Scollich und Sarah Huber: „Wir mussten uns schon ordentlich was anhören…“

Dennoch: Um die Situation zu entschärfen, setzt das Behne-Team weiter auf Kulanz, storniert sogar „Knöllchen“ („Für jeden, der um Erlaubnis fragt, haben wir Verständnis“). Am liebsten aber wären ihnen umklappbare Poller – damit hätten die Querelen endlich ein Ende: „Uns macht das auch keinen Spaß“, unterstreichen sie: „Wer einen Vorschlag hat, wie es anders gehen könnte: Gerne – her damit…!“ Vielleicht hilft ja schon die Besinnung auf eine alte Redewendung: „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem andern zu…“, lautet eine Goldene Regel – sich daran zu halten, könnte auch am Rathausplatz Gold wert sein – beziehungsweise 47,50 Euro sparen…!