10.03.2026, 15.41 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Ralf Budde: Nach Wien, Maastricht & Co. im TiC Heimat gefunden

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Ralf Budde ist, gemeinsam mit Prof. Stefan Hüfner, seit dem Theater-Neustart im Jahr 2008 der Geschäftsführer des TiC-Theaters. | Foto: Meinhard Koke

40 Jahre ist es in diesem Jahr alt, seit 2008 prägt Ralf Budde als Geschäftsführer zusammen mit Prof. Stefan Hüfner die Geschicke des TiC-Theaters. Was einst in einer wirtschaftlichen Krise begann, ist für den heute 53-Jährigen zu einer beruflichen Heimat geworden – und zu einem Lebenswerk. Aufgewachsen ist der Wahl-Ronsdorfer in Wermelskirchen. Hier machte er 1991 sein Abitur und fand er zur Kultur.

Wermelskirchen und die Kultur
Obwohl die Stadt kein eigenes Theater besaß, bot sie mit Kattwinkelscher Fabrik, Musikschule und AJZ Bahndamm eine lebendige Szene. Ende der 1990er-Jahre inszenierte Budde dort mit anderen über drei Jahre hinweg Late-Night-Shows auf der Katt-Bühne: „In Wermelskirchen habe ich meine kulturellen Wurzeln“, sagte Budde einmal. Zuvor, ab 1992, studierte Budde in Musikwissenschaft, Germanistik und Altphilologie. Es folgten Stationen als Regieassistent an der Kölner Oper und an der Oper Bonn, überdies waren die Volksoper Wien, die Theater Chemnitz, Coburg, Maastricht oder Oldenburg Stationen – und natürlich die Wuppertaler Bühnen. Er habe an den verschiedenen Bühnen mit Regisseuren von internationalem Top-Niveau arbeiten dürfen, blickt Ralf Budde auf seine künstlerischen Stationen zurück.

Mit Regie-Award ausgezeichnet
So hatte Budde etwa die Co-Regie bei einer Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf, der als einer der wichtigen Klassiker-Regisseure Deutschlands gehandelt wird: „Das war ein großartiger Einstieg.“ Mit seinem Konzept zu „Hoffmanns Erzählungen“ wurde Budde im Jahr 2003 beim internationalen Regiewettbewerb „ringaward“ in Graz ausgezeichnet, einem der renommiertesten internationalen Wettbewerbe für Talente im Bereich Musiktheaterregie, Bühnen- und Kostümbild.

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Durch Hans Richter zum TiC
An den Wuppertaler Bühnen begegnete Budde legendären Persönlichkeiten des (städtischen) Kulturbetriebs wie dem damaligen Generalmusikdirektor Peter Gülke oder dem früheren Generalintendanten Holk Freytag. Und auch traf er an den Bühnen mit Schauspieler Hans Richter auf einen Weggefährten des TiC-Begründers Ronald F. Stürzebecher – die Verbindung nach Cronenberg war geknüpft… Mit Schillers „Kabale & Liebe“ gab Budde im Februar 1995 sein Debüt in Cronenberg – eine Inszenierung, die erfolgreich lief und ihm große Freude bereitete. „Das war der Anfang“, sagt Budde rückblickend.

Im Café „Ja“ zum TiC gesagt
Eine Zäsur folgte im August 2007 mit der TiC-Insolvenz. In einem Café in der Rathausgalerie unterbreitete Insolvenzverwalter Stephan Ries Budde das Angebot, die Co-Geschäftsführung zu übernehmen. „Ich habe nicht überlegt, sondern natürlich Ja gesagt. Es wäre zu schade gewesen, wenn das Theater den Bach runtergegangen wäre.“ Seit 2008 ist Budde nun nicht nur künstlerisch, sondern auch unternehmerisch eine feste Säule des Hauses. Mit drei bis vier Inszenierungen pro Jahr prägt der 53-Jährige das Profil des Theaters maßgeblich. Bereut habe er den Schritt „niemals“: „Was aus dem TiC geworden ist, das macht Freude.“ Durch Kontinuität habe man sich eine starke Reputation erarbeitet und auch damit ein verlässliches Netzwerk und eine treue Sponsorenfamilie: „Dass wir das für das TiC erreicht haben, das finde ich befriedigender, als durch die Lande herumzuziehen.“ In Cronenberg habe er eine Art berufliche Heimat gefunden: „Das ist ein Lebenswerk.“

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Menschen sind das „Highlight“
Mit Blick auf den laufenden Umbau des Studios und kommende Projekte richtet Budde den Fokus bereits auf das nächste große Ziel: das 50-jährige Jubiläum des Hauses. „Das möchte ich auf jeden Fall miterleben.“ Nach dem Highlight seiner bisherigen Zeit gefragt, nennt er kein Stück. Es seien die Menschen, die ihn besonders bewegten: Darstellerinnen und Darsteller, die bei Castings zunächst übernervös auf der Bühne stünden und später über sich hinauswüchsen.

Mensch fürs Leben gefunden
„Es gibt so viele Menschen, die hier unglaubliche Entwicklungen machen – das sind für mich die wirklichen Highlights.“ Budde fügt ein weiteres hinzu: „Wir haben hier auch eine menschliche Verbundenheit“, unterstreicht der Co-Chef des TiC. Unterstellen darf man, dass auch das ein „Highlight“ ist: Am TiC lernte Budde Sabine Henke kennen – die er im vergangenen Jahr zum Traualtar führte (die CW berichtete)…