13.03.2026, 18.29 Uhr   |   Meinhard Koke   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Hans-Willi Lukas: Der TiC-Schauspieler der (fast) ersten Stunde

Artikelfoto

Feierte am 28. Februar, exakt 40 Jahre nach der ersten Premiere des TiC-Theaters im Jahr 1986, sein „Comeback“ bei der ersten TiC-Premiere des Jubiläumsjahres 2026: Hans-Willi Lukas ist wieder in dem Christie-Krimi „Die Mausefalle“ zu erleben – wie schon vor 20 TiC-Jahren… | Foto: Meinhard Koke

Viele haben „einen TiC“, er aber „tict“ am längsten so…: In der nun 40-jährigen Geschichte des TiC-Theaters gehört Hans-Willi Lukas seit stolzen 39 Jahren zum Ensemble – der 72-Jährige ist das Urgestein der Cronenberger Bühnen. Der pensionierte Lehrer für Deutsch, Geschichte und Literatur kann’s nicht lassen: Auch als Ruheständler unterrichtet er noch an einer Schule in Haan, im TiC-Theater möchte der gebürtige Südstädter ebenfalls längst nicht in Pension gehen.

Sicherheit statt Rampenlicht – Lehrer statt Schauspieler
Denn: Die Schauspielerei ist Lukas‘ Leidenschaft, schon seine Abi-Vorbereitung habe er quasi in der Garderobe des Schauspielhauses zugebracht, blickt das TiC-Urgestein runde fünf Jahrzehnte zurück. Mit 17 Jahren stand er als Statist und Kleindarsteller erstmals an der Kluse auf der Bühne: „Das war eine sehr gute Schule – ich habe eine ganze Menge lernen können.“ Und große Namen kennenlernen dürfen: Mit Brigitte Mira, Uwe Ochsenknecht oder auch der Wuppertaler „Grande Dame“ Ursula von Reibnitz stand Lukas auf der Bühne: „Das Schauspiel war eine echte Institution…“ Dennoch: Lukas entschied sich für den Lehrer-Beruf. Er habe bei Intendantenwechseln erlebt, „wie Leute plötzlich auf der Straße standen“, wie versucht wurde, sie mürbe zu machen, um sie loszuwerden – „das hat mir ziemlich zu denken gegeben“.

Von Richter und Rademacher nach Cronenberg gelotst
Nicht zuletzt, weil er kein Mensch sei, der beliebig von Nord nach Süd „tingelt“, „habe ich die Sicherheit als Lehrer vorgezogen“, schaut Lukas zurück. Und: „Ich bin Wuppertaler…!“ Ein „Dreigestirn“ war es, das ihn nach Cronenberg lotste: TiC-Begründer Ronald F. Stürzebecher, zuvor als Dramaturg am Schauspiel, und Schauspieler Hans Richter sowie Hansotto Rademacher „haben mich überredet, hier hochzukommen“, erinnert sich Lukas. „Das war ein Schock“, blickt das TiC-Urgestein 39 Jahre zurück: Keine Maske, keine Kostümbildner, selbst um Requisiten galt es sich zu kümmern, … – am TiC gab es damals nichts: „Da wurde mir erst klar, wie luxuriös es an den Bühnen zuging…“

Anzeige

Das TiC: Familiär, nahbar, faszinierend
Aber das „Nichts“ hatte auch seine Vorteile: An der Borner Straße boten sich ungleich mehr Möglichkeiten, man konnte große Rollen spielen, bekam mit allen Bereichen des Theater zu tun und konnte sich gestalterisch einbringen: „Das war spannend, das übte eine gewisse Faszination aus“. Zudem stimmte es auch atmospärisch: Kein Neid, keine Konkurrenz, vielmehr familiär – „man hat Freunde gefunden“: „Ich habe mich direkt wohlgefühlt…“ Weiterer Vorzug der kleinen Bühne, die anfangs als „Theater in der Borner Schule“ (TIBS) firmierte: die Nähe zum Publikum. Im Schauspiel habe er vor bis zu 1.000 Besuchern auf der Bühne gestanden, im TiC seien es rund einhundert, das erfordere ein „viel feineres Spiel“: „Das, was auf der großen Bühne verlorengeht, das kommt hier an“, erläutert Hans-Willi Lukas den Reiz der intimen TiC-Kulisse, der sich auch „After Show“ beweise: Es sei „immer wieder eine tolle Atmosphäre“, wenn Publikum und Schauspieler zusammentreffen: Die persönlichen Gespräche, die Rückmeldungen zum Stück,… – „das ist im Schauspielhaus nicht möglich“, beschreibt der alte Theater-Hase den Vorteil des kleinen TiC.

Vom Zirkuszelt bis zum legendären Musical
Nachdem der TiC-Vorläufer TIBS mit der Premiere von „Der Ritter vom Mirakel“ am 28. Februar 1986 seinen Erstling auf die Bühne gebracht hatte, erlebte Hans-Willi Lukas im Folgejahr mit „Die 3 Musketiere“ seinen Erstling. Martina Wortmann und Andreas Mucke waren dabei, auch dass er in den Nebenrollen als Arzt und Henker auf der Bühne stand, weiß Hans Willi Lukas noch, und unvergessen ist ihm auch das: Das Stück („ein großer Erfolg – jedesmal ausverkauft“) wurde in einem Zirkuszelt hinter der Borner Schule gespielt, auch weil lebende Hühner mit von der Partie waren, musste rund um die Uhr ein Auge auf Zelt und Federvieh geworfen werden: „Das war für manche eine 24-Stunden-Job.“ In etwa 60 Produktionen hat er seitdem mitgespielt, schätzt Lukas, das Musical „Linie 1“ hat er ebenfalls fest in Erinnerung: Man sei mit einem gemieteten Bus nach Berlin gefahren, um das Stück gemeinsam am GRIPS-Theater zu sehen – das Fazit der TiCler: „Wir sind besser…“ In jedem Fall waren sie gut: Das Musical, in dem Hans-Willi Lukas gleich mehrere Rollen übernahm und das von einer Live-Band begleitet wurde, war ein Riesenerfolg in Cronenberg: „Das war legendär.“

Die schönste Rolle und schlechteste Kritik
„Der Mann von La Mancha“, benennt Hans-Willi Lukas als den „Liebling“ aus der Vielzahl seiner TiC-Stücke: Als Statist habe er darin im Schauspiel mitgewirkt, im TiC spielte er die Hauptrolle – „da sind auf der Bühne Tränen gelaufen, das war für mich die Produktion, die unter die Haut ging.“ Die Presse sei indes „die schlechteste ever“ gewesen, erinnert sich das Urgestein; zu unrecht, findet Lukas, denn beim TiC-Publikum sei die Produktion ein Erfolg gewesen: „Das bestätigt eigentlich…“

Anzeige

Immer wieder Neues wagen
Sein persönliches 40-Jähriges im TiC möchte Hans-Willi Lukas auf jeden Fall vollmachen, solange es geht („Ich hoffe, ich merke es selbst“) möchte er weiter auf der Bühne stehen. Und, gibt es ein Wunschstück, welches er gerne spielen würde? Das sei nebensächlich; spannender sei, was kommt („Wo sehen die mich?“), die Faszination für ihn sei, sich immer wieder auf etwas Neues einlassen, in neue Rollen schlüpfen zu dürfen, über den Tellerrand zu schauen und zu erleben, wie sich eine Rolle/ein Stück entwickelt – dieser Ausgleich „war für mich in meinem Job als Lehrer unheimlich wichtig“.

Jubiläum mit einem Klassiker
Nach 39 von 40 TiC-Jahren kann er sich ein Urteil erlauben: Was hat sich verändert, Hans-Willi Lukas? Das Dorper Theater sei professioneller und anspruchsvoller geworden, die Verantwortung sei nun auf mehrere Schultern verteilt, antwortet das TiC-Urgestein. Ist etwas geblieben? Die tolle Atmosphäre, der Zusammenhalt, findet Lukas: Im TiC gebe es keine Konkurrenz und keinen Neid, ob persönliche Probleme oder Texthänger, hier achte man aufeinander, hier helfe man sich gegenseitig: „Das ist es, was die Arbeit für mich schön macht.“ Apropos: „Schön“ lässt sich das Theaterjubiläum für Hans-Willi Lukas an: In der Rolle des Major Metcalf ist er gleich in der ersten Neu-Produktion 2026, dem Krimi-Klassiker „Die Mausefalle“, mit von der Partie. Exakt 40 Jahre nach der ersten TiC-Premiere „ever“ feierte sie am Jubiläums-Wochenende Erstaufführung an der Borner Straße 1 – Lukas hatte „ein gutes Gefühl“. Der am längsten spielende TiC-Schauspieler in dem am längsten laufenden Theaterstück der Welt – passt…!

Wer das TiC-Urgestein „live“ erleben möchte: Tickets für „Die Mausefalle“ im TiC-Theater sind online unter www.tic-theater.de, telefonisch unter (0202) 47 22 11 sowie im TiC-Kartenbüro an der Hauptstraße 3 erhältlich.