20.05.2026, 19.06 Uhr | Meinhard Koke | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Glasfaser: Manche machen „nix“, andere das eigene „Kabel-Ding“
Kommen noch weitere hinzu, wenn ja, wie viele wohl? Dr. Michael Dembski mit dem Glasfaser-Kabel, das bereits durch die Kellerwand gelegt ist, aber seit rund einem Jahr auf den Anschluss wartet… | Foto: Meinhard Koke
Baustellen sind grundsätzlich etwas Positives – schließlich wird ja modernisiert. Häufen sie sich jedoch über Monate hinweg, können sie auch zur Belastung werden – die Bewohner von Hahnerberger Straße, Rhönstraße, Rathausstraße oder rund um die Hahnerberg-Apotheke können davon ein Lied singen. Umso größer der Baustellenfrust, wenn Straßen und Bürgersteige mehrfach aufgerissen werden, und unnötigerweise dazu. Dazu hat der Glasfaserausbau in Cronenberg das Potenzial. Dr. Michael Dembski reibt sich verwundert die Augen. Seit Mitte 2025 führt bereits ein Glasfaserkabel in den Keller seines Reihenhauses an der Hütter Buschstraße. Verlegt wurde es von der Firma OXG, einem Joint Venture von Vodafone und Altice. Seit knapp einem Jahr wartet Michael Dembski nun darauf, dass die leistungsstarken Leitungen ans Netz angeschlossen werden.
Telekom: Keine Kooperation – „wir überbauen das“
Für zusätzliche Fragezeichen sorgte währenddessen die Telekom. Nach Postwurfsendungen zunächst, gingen Vertriebsmitarbeitende in der Cronenberger Ortsmitte von Haus zu Haus, um das Interesse an Glasfaseranschlüssen abzufragen. So klingelten Telekom-Vertriebler auch bei Michael Dembski. Der ehemalige Apotheker wunderte sich: „Wir haben doch schon Glasfaser im Keller?“ Der treue Telekom-Kunde griff zum Telefon und fragte nach. Nach drei Telefonaten mit dem Infocenter („Jedes Mal ergaben sich neue Fragen“) sowie einem Gespräch an einem Infostand in der Ortsmitte kristallisierte sich heraus: Die Telekom will die vorhandenen OXG-Leitungen nicht nutzen: „Was bereits liegt, interessiert uns nicht – wir überbauen das“, hieß es. Für Michael Dembski ist das kaum nachvollziehbar. Bedeutete das wohl, dass Straßen und Bürgersteige mehrfach aufgebrochen würden, weil jeder sein eigenes Kabel verlegt? Den möglichen Glasfaser-„Wildwuchs“ empfindet Dembski als „fürchterlich“. Vor seinem geistigen Auge sieht er seine Hauswand mehrfach durchbohrt für ein „Glasfaser-Spaghetti-Wirrwarr“ im Keller…
Für elf Millionen Kunden: Anderswo wohl Anbieter-Kooperationen
Die Firma OXG bestätigte auf Anfrage: „Eine zentrale Koordination zwischen den Anbietern erfolgt in der Regel nicht.“ Allerdings stieß Michael Dembski auch darauf, dass OXG und die Telekom in anderen Regionen Deutschlands sehr wohl kooperieren, und rund elf Millionen Kunden dazu. OXG bestätigte dies ihm gegenüber, schränkte jedoch ein: „Aktuell gibt es für Ihre Region keine aktive Kooperation“, hieß es in einer E-Mail. Perspektivisch solle das OXG-Netz zwar für weitere Anbieter geöffnet werden. Wann dies geschehen könnte, ließ das Unternehmen allerdings offen.
Telekom: „Wettbewerb als Ausbau-Motor…“
Die Telekom sieht Dopplungen beim Ausbau gelassen. Wettbewerblicher Ausbau sei ein Motor für den schnellen Glasfaserausbau, erklärt Telekom-Sprecherin Martha Mauelshagen gegenüber der CW. Rund 250 Unternehmen seien derzeit auf dem deutschen Glasfasermarkt aktiv. „Dabei kann es im Einzelfall zu Überschneidungen beim Ausbau kommen“, räumt sie ein. Die Telekom wolle ihren eigenwirtschaftlichen Ausbau in Cronenberg planmäßig fortsetzen. Zugleich sei eine spätere Mitnutzung der Infrastruktur grundsätzlich möglich. Im Sinne des sogenannten Open-Access-Ansatzes könnten dann auch andere Anbieter Zugang zum Telekom-Glasfasernetz erhalten. In Cronenberg-Mitte plant die Telekom, mehr als 5.500 Haushalte und Unternehmen an das Glasfasernetz anzuschließen. Die Tiefbauarbeiten sollen im Sommer beginnen. Wann OXG seinerseits mit seinen Bauarbeiten startet, befindet sich in Abstimmung. Gleiches gilt für Kooperationen mit weiteren Anbietern – „auch perspektivisch mit der Telekom“, wie es in einem Schreiben an Michael Dembski heißt.
Stadt-Koordinator: „Geld woanders besser investiert…“
Und was ist mit Westconnect? Ende Januar 2024 hatte die E.ON-Tochter gemeinsam mit der Stadt Wuppertal öffentlichkeitswirksam einen „Letter of Intent“ unterzeichnet (die CW berichtete). Ziel war es, rund 160.000 Wohn- und Geschäftseinheiten in Wuppertal mit Glasfaser zu versorgen. Inzwischen ist jedoch Skepsis angebracht. „Ich wage zu bezweifeln, dass sie Cronenberg ausbauen werden“, zeigt sich der städtische Gigabitkoordinator Claas Claaßen skeptisch. Ob Westconnect, Greenfiber, OXG oder Telekom – „jedes Unternehmen, das will, kann machen“, erläutert Claaßen. Eine gesetzliche Regulierung, die parallele Glasfaser-Baustellen verhindert, gebe es nicht.
Michael Dembski: Kopfschütteln statt Koordination
Dass dies für viele Anwohner ärgerlich sei, könne er gut nachvollziehen. Auch aus Claaßens Sicht ist die Frage berechtigt, ob es sinnvoll sei, wenn jeder Anbieter sein eigenes Netz verlege: „Das Geld wäre an anderer Stelle vermutlich besser investiert – wir haben ja schließlich auch nur ein Stromnetz…“ Für Michael Dembski lautet das Fazit aus dem Ausbau-Wirrwarr: „Glaube aktuell niemandem nichts, der Dir im Zusammenhang mit Glasfaser etwas anbietet…“





