05.08.2026, 15.32 Uhr | Marion Heidenreich | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Tischlerei Otterbein: Historisches Fachwerk prüfen lassen – jetzt!
Sorgen für fachmännische Sanierung im alten Ortskern: Marius Wortmann, Sebastian Mertmann (beide Tischlerei Otterbein), Christian Grbic, Michael Antes (beide Lehmkonzepte) sowie Daniel Otterbein (Tischlerei Otterbein) und Dorothea Rath (Denkmalamt Wuppertal) (v. li.). | Foto: Marion Heidenreich
Eines der ältesten Cronenberger Fachwerkhäuser wird derzeit im alten Dorfkern aufwendig saniert: Das 1699 erbaute Gebäude An der Hütte 10 erhält neben neuem Holzfachwerk auch fachgerecht ausgemauerte Gefache aus Lehmziegeln sowie einen neuen Kalkputz. Für Tischlermeister Daniel Otterbein ist das ein Anlass, auf Fehler früherer Fachwerksanierungen hinzuweisen und Eigentümer sowie Kaufinteressenten zu sensibilisieren. Denn Schäden an der historischen Bausubstanz bleiben für Laien oft lange verborgen.
Eine „Bausünde“ der 1970er-Jahre
Bei vielen Sanierungen in den 1970er-Jahren wurden Gefache mit Gasbetonsteinen – besser bekannt als Ytong – ausgemauert. Die damals als moderner Baustoff geschätzten, porösen Steine haben jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie nehmen Feuchtigkeit auf, können diese aber nicht ausreichend über den Kalkputz nach außen abgeben. Das gespeicherte Wasser gelangt dadurch in die hölzerne Bausubstanz und verursacht dort oftmals unbemerkte Schäden.
„Von außen sieht man dem Gebälk häufig nichts an“, erklärt Daniel Otterbein. Der Fachmann rechnet deshalb in den kommenden zehn bis 15 Jahren mit einer größeren Sanierungswelle – insbesondere bei Fachwerkhäusern, die in den 1970er-Jahren mit Gasbetonsteinen saniert wurden. „Dieses Fachwerkhaus hat fast 270 Jahre nahezu unbeschadet überstanden und muss nun bereits nach rund 50 Jahren erneut umfassend saniert werden“, fasst der Tischlermeister und Eigentümer des Gebäudes zusammen.
Rechtzeitige Fachwerk-Prüfung
Daniel Otterbein empfiehlt Hausbesitzern deshalb, ihr Fachwerk bereits jetzt durch einen Fachbetrieb überprüfen und die verwendeten Baustoffe analysieren zu lassen. Werden Schäden erst spät entdeckt, können die Sanierungskosten erheblich sein. „Das ist der Albtraum eines jeden Fachwerkhausbesitzers“, so der Tischlermeister. Bei der Sanierung des denkmalgeschützten Hauses arbeiten die Tischlerei Otterbein und die Lehmkonzepte GbR eng zusammen. Die Otterbein-Mitarbeiter Sebastian Mortmann und Marius Wortmann ersetzen die beschädigten Holzteile des Fachwerks. Michael Antes und Christian Grbic mauern die Gefache anschließend in traditioneller Handwerksweise mit Lehmziegeln aus. Danach erhalten die Außenflächen einen neuen Kalkputz, während im Innenbereich Holzdämmung und Lehmputz eingebracht werden.
Bundespreis für Tischlerei Otterbein
Nicht nur An der Hütte 10 arbeiten die beiden Fachbetriebe gemeinsam. Im Juli erfuhren Michael Antes und Daniel Otterbein, dass ihre Unternehmen in diesem Jahr mit dem Bundespreis für Denkmalpflege im Handwerk ausgezeichnet werden. Die Ehrung erhalten sie jeweils in ihren Fachbereichen Lehmbau und Tischlerei. Der als „höchste Auszeichnung im Handwerk“ geltende Bundespreis würdigt herausragendes Fachwissen und handwerkliche Qualität bei der Erhaltung von Kulturgütern. Überreicht wird der Preis im Oktober im Rahmen eines Festakts durch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.
Starkes Netzwerk für den Denkmalschutz
Als Spezialist für Denkmalpflege und Denkmalerhalt arbeitet die Tischlerei Otterbein mit einem Netzwerk hochqualifizierter Handwerksbetriebe zusammen. Aktuell sind die Mitarbeiter des Unternehmens auch am Weyerbusch-Turm auf dem Nützenberg für die Holzarbeiten im Einsatz. Darüber hinaus plant Daniel Otterbein gemeinsam mit seinem Team für den Herbst eine Beratungs- und Informationsveranstaltung rund um Schutz, Pflege und Erhaltung historischer Gebäude. Die Veranstaltung richtet sich an Eigentümer, Bauherren und Interessierte historischer Fachwerkhäuser.
Mehr Informationen zu den zwei ausgezeichneten Fachbetrieben gibt es unter otterbein-wtal.de sowie lehmkonzepte.de.





