12.08.2026, 10.04 Uhr | Meinhard Koke | Artikel drucken | Instapaper | Kommentare
Ihr Freund, der Baum: Wer weiß mehr zu der Linde vom Eich?
Wer weiß mehr zu ihr? Christina Graeser vor ihrem „Baum-Freund“, der mächtigen Linde am Eich, gegenüber dem Evangelischen Altenzentrum Cronenberg. | Foto: Meinhard Koke
„Jeden Tag ziehe ich meine Gardine zurück und betrachte meinen Freund mit Bewunderung“, schrieb Christina Graeser an die CW. Ebenso wie vor rund 60 Jahren Alexandra in ihrem legendären Lied „Mein Freund der Baum“ sang, hat auch Christina Graeser mit einem Baum Freundschaft geschlossen – einer mächtigen Linde in der Straße Eich. Als sie Ende des vergangenen Jahres ins Evangelische Altenzentrum Cronenberg einzog, sei der kahle Baum für sie zunächst furchteinflößend gewesen. Im Frühjahr dann kam die 89-Jährige nach eigenen Worten aus dem Staunen nicht mehr heraus: „Er ist wunderschön geworden, eine Augenweide“, freute sich Christina Graeser über den grünen Ausblick aus ihrem Fenster: „Er berührt mein Herz auf vielfältige Art – ich begrüße ihn jeden Tag mit einem lächelnden Blick.“
Ein Baum als „Lebensglück“
Sie habe die Natur immer geliebt, sei mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann viel gereist und stolze 14 Mal umgezogen, sogar in die USA, erzählt die gebürtige Hildenerin: „Ich habe mein Leben gelebt…“ Nach einer Krise habe ihr die mächtige Linde neue Kraft gegeben, sie fühle sich mit dem Baum verbunden: „Die Linde ist mein Lebensglück geworden“, sagt Christina Graeser und fügt erklärend hinzu: „Man muss schon einen Sinn dafür haben…“ Wenn der Baum einmal in ihr Zimmer im Altenzentrum fiele, „dann darf er mich treffen“, sagt die 89-Jährige – sie würde sich in diesem Fall wie ein Liebling der Götter fühlen…
Bitte um Spurensuche an die CW
So bald soll das aber nicht passieren. Aktuell erfreut sich Christina Graeser gewiss auch an dem Schatten, den ihr grüner Freund spendet. Was sie nur zu gerne wissen würde: Wann wurde die Linde am Eich gepflanzt, und welche Geschichte hat sie? „Wenn ich’s wüsste, könnte ich meiner Fantasie noch mehr freien Lauf lassen…“, wandte sich die 89-Jährige mit der Bitte an die CW, doch zu ihrem „Baum-Freund“ zu recherchieren. Wir haben es versucht. Was die Fantasie von Christina Graeser beflügeln könnte, ist dabei jedoch (leider) kaum herausgekommen.
„Geheimnisvoller“ Baum-Freund
Horst Becker von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Cronenberg, deren Versöhnungskirche im Schatten der Linde steht, ist überzeugt, dass der Baum bereits vor dem Bau des Gemeindehauses Anfang der 1970er-Jahre vorhanden war. Wie auch Aufnahmen aus dem Online-Kartenportal des Landes NRW zeigen, standen auf dem Areal von Kirche und Parkplatz zuvor Fachwerkhäuser. Das passt zu der Einschätzung von Dirk Mücher. Der Teamleiter Landschaftsplanung/Landschaftspflege der Stadt schätzt die Linde auf ein Alter von 100 bis 120 Jahren. Ein Luftbild von 1928 zeige, dass sie damals Teil eines Baumbestandes gewesen sei. Die Linde ist zwar durch die Baumschutzsatzung der Stadt geschützt, aber kein Naturdenkmal – mehr konnte auch Dirk Mücher über den „Baum-Freund am Eich“ nicht in Erfahrung bringen.
Infos zur Linde? Bitte bei der CW melden
Christina Graesers Fantasie wurde derweil dennoch beflügelt: Im Juni erschien in der WZ ein Bericht über eine etwa 140 Jahre alte Linde in den Barmer Anlagen, die ein Schößling der einstigen Dortmunder „Vehmlinde“ sein soll. Stammt auch ihr Linden-Freund möglicherweise von dem berühmten Baum ab, fragt sich Christina Graeser… Wer mehr über die Linde vom Eich weiß, kann sich gerne telefonisch unter (0202) 47 81 100 oder per Mail an info @ cronenberger-woche.de bei der CW melden.





