Initiator Prof. Dr. Martin Fleuß (re.) mit seinem Gast in der Reihe „Wissenswertes“: Dirk Polick, Obermeister der Bäcker-Innung im Städtedreieck und Seniorchef von „Policks Backstube“. | Foto: Marion Heidenreich
Um eines der ältesten Handwerke überhaupt drehte sich der jüngste „Wissenswertes“-Abend der Evamgelischen Gemeinde Cronenberg-Küllenhahn. Seit mehr als tausend Jahren backen Menschen Brot, seit dem 8. Jahrhundert ist der Beruf des Bäckers belegt. Zunächst als freier Berufsstand tätig, schlossen sich Bäcker ab dem 12. Jahrhundert in Zünften zusammen. Heute gibt es im deutschen Bäckerhandwerk mehr als 10.000 Innungsbetriebe – das Handwerk gilt als „Symbol für Kultur, Heimat und handwerkliches Können“.
Bäckersterben im Bergischen
Doch auch das Bäckerhandwerk steht vor tiefgreifenden Veränderungen und großen Herausforderungen. Auf Einladung von Prof. Dr. Martin Fleuß berichtete Dirk Polick als Obermeister der Bäcker-Innung im Städtedreieck von den Problemen und Existenzfragen kleinerer und mittlerer Betriebe. Im Bergischen Städtedreieck gebe es heute nur noch acht Betriebe, die tatsächlich selbst backen, erläuterte Polick an der Nesselbergstraße. Zum Vergleich: Zu Zeiten seines Großvaters waren es mehr als 100 Wuppertaler Bäckereien, die sich alljährlich zum „Bäckerball“ in den Zoo-Sälen trafen.
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Ein Bäcker aus Leidenschaft
In vierter Generation führte Dirk Polick zunächst gemeinsam mit Bruder und Cousin das „Cronenberger Backhaus“. Nachdem es 2013 insolvent gegangen war, gründete Polick wie ein Phönix aus der Asche das heutige Erfolgsunternehmen „Policks Backstube“. Flaggschiff ist die Cronenberg-Filiale: „Policks Heimat“ hat sich längst als beliebter Stadtteil-Treff etabliert. „Ein bisschen verrückt“ müsse man heutzutage schon sein, um sich gegen die industrielle Herstellung und Vermarktung von Backwaren zu behaupten, berichtete der Familienunternehmer an dem „Wissenwertes“-Abend. Kreative Ideen wie der „Schlafanzug-Tag“ seien Ausdruck der Innovationskraft, die notwendig sei, um Kunden langfristig zu binden.
Nachwuchsmangel in der Backstube
Gleichzeitig kämpft das Bäckerhandwerk mit Fachkräftemangel und fehlendem Nachwuchs. Die nächtlichen Arbeitszeiten in der Backstube wirkten auf viele junge Menschen wenig attraktiv. „Wir fangen deshalb schon früh an, Kindern und Jugendlichen das Bäckerhandwerk näherzubringen“, erklärte Dirk Polick im Gemeindehaus Küllenhahn. Mit Führungen bereits im Kita-Alter, Einladungen zum „Selber werkeln“ und der Zusammenarbeit mit der Junior-Uni macht „Policks Backstube“ schon früh auf den Bäckerberuf aufmerksam: „Du musst schon dafür brennen“, so der Bäcker aus Leidenschaft zur schwierigen Gewinnung von Bäcker-Nachwuchs.
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Dorf-Geburtstag, WSV-Rat, Seniorchef – kein Ruhestand!
Weniger schwierig gestaltete sich die Nachfolge im Familienunternehmen: Mit Tochter Svenja und Sohn Tim übernahm die zweite Generation im vergangenen Jahr die Geschäftsführung des Unternehmens, das 2022 als Wuppertaler „Unternehmen des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Von Ruhestand kann bei Dirk Polick allerdings keine Rede sein. Nachdem er letztes Jahr mit Peter Teschemacher die Feier zum 975. Cronenberg-Geburtstag organisiert hatte, wurde Dirk Polick im April zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats des Wuppertaler SV gewählt – der nächste „Polick-Phöenix aus der Asche“, hoffen die Fußball-Fans im Tal…!
Nun „Portrait“-Abend im Gemeindehaus
Mit Dr. Roland Mönig kommt der Leiter des Von der Heydt-Museums am kommenden Freitag, 21. August, in der Reihe „Porträt“ ins Gemeindehaus Küllenhahn. Ab 19.30 Uhr stellt sich der Museumschef den Fragen von Prof. Dr. Martin Fleuß und Martin Probach. Der Eintritt an der Nesselbergstraße 12 ist wie immer frei.