16.01.2013, 15.57 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

0 Kommentare

Bürgerverein „Sudbürger“ bleibt unter „Frauen-Führung“

Artikelfoto

Die alte und die neue Vorsitzende des Bürgervereins Sudbürger e.V.: Corinna Schlechtriem (li.) wurde einstimmig zur Nachfolgerin von Sabine Böttcher gewählt. Für Böttcher gab es zum Dank auch ein Präsent mit besonderer Verpackung: Der letzte CW-Bericht zur Hösterey-Altlast diente dabei als "Geschenkpapier".

Rotwein-Runden haben in Wuppertal ein „Geschmäckle“ und seit dem vergangenen Freitagabend auch in Sudberg: Beim Rotwein – übrigens einem Französischen – saß da eine Runde des Bürgervereins „Sudbürger e. V.“ zusammen. Ob ein Glas genügte oder mehrere Flaschen entkorkt werden mussten, ist nicht bekannt; die Wirkungen der Sudberger Rotwein-Runde waren indes am Montag, 14. Januar 2013, noch spürbar: Da wurde Corinna Schlechtriem auf der Mitgliederversammlung der „Sudbürger“ zur neuen Vorsitzenden  gewählt – bei der freitagabendlichen Rotwein-Runde war sie „überredet“ worden, die Nachfolge von Sabine Böttcher anzutreten, die aus beruflichen Gründen nicht mehr kandidierte (die CW berichtete).

Einstimmig wurde die bisherige zweite Vorsitzende zur neuen ersten Sudbürgerin gewählt – und zwar „en bloc“ mit den weiteren Vorstandsmitgliedern, die sich allesamt für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stellten. Zuvor hatte die bisherige Vorsitzende Sabine Böttcher, die etwas mehr als vier Jahre an der Sudbürger-Spitze stand, das Vereinsjahr 2012 Revue passieren lassen: Gut besuchte Stammtische, ein bestens besuchtes Osterfeuer („Mittlerweile so etwas wie ein Dorffest“), Mithilfe beim Sudberger Sommerfest und nicht zuletzt eine erfolgreiche Sponsoren-Wanderung („Mein Lieblingsprojekt 2012“) zugunsten des in Bau befindlichen Kinderhospizes Burgholz, die von Sudbürger-Mitglied Sally Stursberg angestoßen worden war – Sabine Böttcher konnte eine positive Bilanz des letzten Sudbürger-Jahres unter ihrer Regie ziehen; zumal auch die Bürgervereins-Kasse, wie Finanzchefin Marion von Kürten später bekannt gab, mit einem komfortablen Plus schloss.

Thema des Böttcher-Rückblicks war indes auch die Einschränkung der Bürgerbüros, gegen welche die Sudbürger gemeinsam mit den anderen drei Cronenberger Bürgervereinen gekämpft hatten. Sabine Böttcher kritisierte die Stadt, die ein Jahr nach der Umstrukturierung eine reine Sammlung aus Zahlen und Statistiken zu den Bürgerbüro-Veränderungen als Erstbilanz vorgelegt hatte: Daraus sei lediglich ablesbar, wer wann und weshalb wo gewesen sei – „das ist zu wenig“, forderte Böttcher mehr als nur nackte Zahlen.

Hösterey-Sanierung: „Das sagen die doch in jedem Jahr!“

Als „unerledigt“ musste Sabine Böttcher ein „spezielles Thema“ an ihre Nachfolgerin Corinna Schlechtriem weitergeben: Die Forderung nach einer Sanierung der Altlast auf dem „Hösterey-Gelände“ hatte nicht nur zur Gründung der Sudbürger im Jahre 2006 geführt; sie steht seit dem auch auf der Agenda aller bisherigen Sudbürger-Vorstände und Mitgliederversammlungen. Insofern war es eigentlich wie in jedem Jahr: Sabine Böttcher brachte einmal mehr ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck, warum sich die Stadt nicht durchsetzen kann und sich nichts tut auf dem ehemaligen Firmengelände an der Ecke Schöppenberg/Sudberger Straße. Die Bemerkung eines Sudbürger-Mitglieds zum jüngsten CW-Bericht zum Thema „Hösterey“, in dem die Stadt einen Sanierungsbeginn in diesem Jahr ankündigte, sprach denn auch Bände: „Das sagen die doch in jedem Jahr!“

Derweil kursierte auf der Sudbürger-Versammlung das Gerücht, ein bebaubares Teilstück des Hösterey-Geländes sei zwischenzeitlich verkauft worden, und zwar für 50.000 Euro. Der Käufer sei ein „Kenner“ der Örtlichkeiten, der das Grundstück nicht bebauen wolle, hieß es weiter. Dass die Stadt die Parzellierung des Grundstücks seinerzeit zuließ und nun möglicherweise nichts gegen einen Verkauf unternommen habe, wollte den Sudbürgern nicht einleuchten. Bleibe der Steuerzahler damit nun auf den 350.000 Euro für die Sanierung sitzen, von denen die Stadt etwa 20 Prozent übernehmen müsste, war eine Frage. „Warum sichert die Stadt nicht das 50.000-Euro-Grundstück für die Sanierungskosten?“ „Warum lässt sich die Stadt so lange Zeit?“, lauteten weitere Fragen. „Das ist der größte Besch… des Jahrhunderts!“, befand ein Zwischenrufer zur Stadt-Rolle in Sachen „Hösterey“.

Hösterey: Bezirksbürgermeister fordert Stadt zum Handeln auf

Nicht so rustikal bezog Michael-Georg von Wenczowsky Stellung zum Thema „Hösterey“, die Nase voll scheint aber auch der Cronenberger  Bezirksbürgermeister zu haben: Von Wenczowsky berichtete, dass er Stadtdirektor Slawig in einem Gespräch eindringlich zum Handeln aufgefordert habe. Es könne nicht sein, dass der Eigentümer das Geld für einen Verkauf des Teilgrundstücks einstreicht, während die Stadt beziehungsweise das Land die Sanierungskosten tragen müssten: „Wir müssen jetzt sehen, dass die Stadt kostenneutral aus der Sanierung herauskommt“, forderte der Dörper Bürgermeister und sagte zudem an die Adresse der Sudbürger: „Die Bezirksvertretung steht voll hinter ihnen – wenn jetzt saniert wird, ist das ein Verdienst der Sudbürger.“

Nachdem der Sudbürger-Dauerbrenner damit (zumindest für den Abend) abgeschlossen war, ging es auf der Mitgliederversammlung schnell: Der Vorstand wurde einmütig entlastet und Sabine Böttcher für ihr Engagement der Dank des Vereins ausgesprochen: Corinna Schlechtriem würdigte die ebenso liebenswürdige wie kompetente Art von Sabine Böttcher – „es ist schade, dass du aufhörst“. Mit der einstimmigen Wahl ihrer bisherigen Stellvertreterin Corinna Schlechtriem ist indes für Kontinuität gesorgt: Ebenso eine Frau, ebenso eine gebürtige Barmerin, ebenso blond – da war – in Anspielung auf den Wechsel „Wowereit/Platzek“ in Sachen Hauptstadt-Flughafen – bei den Sudbürgern von „Frauen-Rochade“ zu hören.

Corinna Schlechtriem: Vom WDR und der Werkzeugkisten-Bühne bekannt

Corinna Schlechtriem gehört den Sudbürgern seit der Gründung an und ist weit über den Ortsteil hinaus durch ihre journalistische Arbeit bekannt: Von 1997 bis 2008 war die 55-Jährige als Moderatorin eines der Gesichter der WDR-Sendung „Lokalzeit Bergisch Land“. Neben ihrem bisherigen Engagement als zweite Sudbürger-Vorsitzende wurde Corinna Schlechtriem zudem vor zwei Jahren als eine der Moderatorinnen des Programms auf der Werkzeugkisten-Bühne bekannt. „Ich werde versuchen, den Vorsitz so höflich und verbindlich wie Sabine zu machen“, versprach die neue erste Sudbergerin, während Sabine Böttcher versicherte: „Ich bin nicht weg!“. Mehr Infos zu den Sudbürgern gibt es online hier.

Fotogalerie zu diesem Artikel

Den Artikel teilen:

Lesermeinungen zu diesem Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Veröffentlichte Kommentare geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Bitte achten Sie bei Ihrer Meinungsäußerung unbedingt auf einen respektvollen Umgang anderen gegenüber. Beleidigungen, werbliche Einträge sowie Kommentare ohne Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse werden nicht veröffentlicht.