01.02.2013, 15.00 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Schiedsfrau Doris Blume: „Ich habe das immer gerne gemacht“

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Carl Blomenkamp, stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Wuppertal, verabschiedete Doris Blume (re.) und vereidigte zugleich ihre Nachfolgerin Maria del Rosario Fernandez-Bravo.

„Die Menschen sind uneinsichtiger geworden“, sagt Doris Blume: „Sie sind zunehmend egoistischer und wollen alle Recht haben.“ Doris Blume kann sich ein Urteil erlauben: Schließlich ist sie soetwas wie eine „Richterin“, in den vergangenen 26 Jahren war die Wuppertalerin als Schiedsfrau im Bezirk Friedrichsberg sowie Arrenberg/Brill tätig. Am vergangenen Mittwoch, 30. Januar 2013, reichte Doris Blume den Staffelstab weiter: Maria del Rosario Fernandez-Bravo erhielt im Amtsgericht Wuppertal die Ernennungsurkunde als Nachfolgerin von Doris Blume.

Die bisherige Schiedsfrau am Friedrichsberg & Co. tritt mit einer durchaus beeindruckenden Bilanz ab: Unter der Überschrift „Schlichten statt Richten“ führte die heute 65-Jährige rund 250 Vermittlungsgespräche mit „Streithähnen“ aus der Südstadt beziehungsweise aus dem Bereich Arrenberg/Brill – an die 80 Prozent der Streitfälle, so schätzt Doris Blume, konnte sie schlichten und damit nicht nur für ein Stückchen mehr Frieden sorgen, sondern auch die Gerichte im Tal entlasten.

Doris Blume: In über fünf Jahrzehnten viel ehrenamtliches Engagement

„Ich hab das immer gerne getan“, betont Doris Blume, dass ihr die Beendigung ihres Ehrenamtes nicht unbedingt leicht fällt. Bereits in ihrer Jugend, so berichtet die frühere städtische Verwaltungsangestellte, habe sie ab 1959 zum Beispiel in der Bahnhofsmission Kaffee gekocht und Butterbrote geschmiert. Die Liste ihrer ehrenamtlichen Tätigkeiten ist lang: So war Doris Blume in den 1960er Jahren als Patientenbetreuerin tätig, sie engagierte sich in den 1980er Jahren als ehrenamtliche Sozialhelferin, bis zum Jahr 2000 war sie zudem Hauptschöffin beim Landgericht beziehungsweise ehrenamtliche Richterin am Oberverwaltungsgericht. Hinzu kommen Engagements als gewerkschaftliche Vertrauensfrau oder im Personalrat der Stadt – nicht umsonst wurde Blume vor drei Jahren mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet: „Ich habe mich immer gerne für andere engagiert, das gehört einfach zu mir.“

Doris Blume legt nun aber die Hände nicht in den Schoß: Sie bleibt im Landesverbands-Vorstand der Schiedsmänner und -frauen aktiv sowie als stellvertretende Vorsitzende der ver.di-Seniorengruppe, sie sitzt für die SPD in der Bezirksvertretung Elberfeld-West und nicht zuletzt soll auch die Familie nun mehr von ihrem „Zeitkuchen“ abbekommen – auch nach dem Ende ihres Einsatzes als Schiedsfrau wird es Doris Blume gewiss nicht langweilig werden!

Maria del Rosario Fernandez-Bravo: Integration von Migranten ist ein besonderes Anliegen

Wie ihre Vorgängerin engagiert sich auch Maria del Rosario Fernandez-Bravo vielfältig nebenberuflich und ehrenamtlich. Die Mitarbeiterin der Stadtsparkasse, von Haus aus Diplom-Sozialarbeiterin, bringt sich zum Beispiel beim Sozialdienst katholischer Frauen ein. Zuvor war die 57-jährige gebürtige Spanierin auch für die Citykirche als biblisch-therapeutische und klinische Seelsorgerin tätig, um Notleidenden in Krankenhäusern zu helfen. „Ich halte es für meine gesellschaftliche Verantwortung, den Menschen zu helfen und möchte auch gerne Migranten bei Konflikten in unserer Multi-Kulti-Gesellschaft zur Seite stehen“, begründet die Spanierin ihre Motivation. Ihr Erfahrungsschatz aus ihrer Zeit im damaligen Ausländerbeirat wird sich dabei sicherlich als nützlich für ihre neue Aufgabe als Schiedsfrau erweisen.

Dabei wird es Fernandez-Bravo nicht nur mit Beleidigung oder vermögensrechtlichen Streitigkeiten zu tun bekommen, auch „härtere“ Strafsachen wie Körperverletzung, Bedrohung oder Sachbeschädigungen und Rauschdelikte zählen zu dem Spektrum der „Fälle“, mit denen Schiedsleute zu tun haben. Angst hat sie davor keine: „Ich frage mich viel mehr, wie ich den Papierkram gebacken kriegen werde“, schmunzelt die frisch vereidigte Schiedsfrau.

Die Formalitäten werden nicht mehr lange auf sich warten lassen: Der erste Fall steht bereits vor der Tür der neuen Schiedsfrau Maria del Rosario Fernandez-Bravo…

Kevin Kretzler/Meinhard Koke

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