21.03.2013, 12.52 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Ruhestand nach 30 Jahren Cronenberg: „Da war jeder Tag gut!“

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Im Schulzentrum Süd wurde Manfred Schoeppe (mi.) am Mittwoch mit einem „großen Zapfenstreich“ verabschiedet: Die FBR-Bläserklasse „7B plus“ spielte zu Ehren des Bezirkspolizisten, der an jedem Mittwoch im Schulzentrum eine Sprechstunde anbot, auf. Hartmut Eulner (re.), Leiter der Friedrich-Bayer-Realschule (FBR), und sein „Kollege“ Karl W. Schröder vom Carl-Fuhlrott-Gymnasium (CFG) würdigten das Engagement und die Zusammenarbeit mit Manfred Schoeppe: Der Bezirkspolizist sei ein „richtig netter“ Polizist gewesen, auf den die Schüler gerne zugegangen seien, Manfred Schoeppe habe den Polizei-Slogan „Dein Freund und Helfer“ mit Leben ausgefüllt: „Sie waren ein Kümmerer!“, dankten die beiden Schulleiter zum Abschied.

Wie bereits berichtet, wird sich auf der Polizei-Dienststelle Cronenberg in diesem Jahr ein Ära-Wechsel vollziehen: Bevor Polizeichef Manfred Hakenbeck Ende April in Ruhestand geht, verabschiedet sich in dieser Woche ein noch altgedienterer „Dorfsheriff“ von der Dienststelle am Rathausplatz – nach insgesamt 44 Dienstjahren zieht Polizeihauptkommissar Manfred Schoeppe die Uniform aus.

Der gebürtige Sauerländer kam 1969 nach Wuppertal, um seine Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei zu beginnen. Im Anschluss, im Oktober 1972, trat Schoeppe seinen Dienst auf der damaligen Wache am Zoo an. Dabei erlebte er vor der Wache-Tür nicht nur die Glanzzeit des Wuppertaler SV in der Bundesliga mit, Schoeppe lernte auch Cronenberg kennen. Und zwar nicht nur per Streifenwagen, nach dem Auszug aus der Bereitschaftspolizei bezog der Neu-Polizist seine erste eigene „Bude“ in Sudberg – zwei möblierte Zimmer mit einem Kollegen an der Teschensudberger Straße: „Da war alles ruhig“, schmunzelt Manfred Schoeppe, „da konnte ich nach dem Dienst gut schlafen“.

Angefangen als es noch einen Polizeiposten am Hülsberg gab

Nachdem er anschließend ein Jahr lang im Polizeigewahrsam im Polizeipräsidium Dienst tat, war die Zeit offenbar reif für Cronenberg: Im April 1984 trat Manfred Schoeppe seinen Dienst am Rathausplatz an, wo damals noch eine Wache mit weitaus mehr Beamten als heute ansässig war; „sogar einen Polizeiposten am Hülsberg gab es“, erinnert sich Manfred Schoeppe: „Ich kann mich noch wie heute an die ersten Tage erinnern“, schaut der Dorfsheriff auf seinen Start im „Dorf“ vor 29 Jahren zurück: „Als Neuer wurde man erst einmal beobachtet, aber das entwickelte sich dann.“ Im positiven Sinne? „Nur“, antwortet Manfred Schoeppe, „ich habe keine negativen Dinge in den drei Jahrzehnten erlebt“.

Oder doch, zwei Vorkommnisse fallen dem Dörper Beamten dennoch ein: So das Knöllchen, das er einem Autofahrer verpasste, der vor der damaligen Aldi-Filiale quer über dem Bürgersteig geparkt hatte. Das brachte Schoeppe eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein – abgelehnt, „der Richter hat mit dem Kopf geschüttelt“. Ungleich dramatischer waren da schon die Ereignisse, als der Dörper Polizist am Hahnerberg einen Haftbefehl zu vollstrecken hatte: „200 Euro Geldbuße zahlen oder Haft“, lauteten die Alternativen, der Cronenberger entschied sich dafür, Manfred Schoeppe und seinen Kollegen mit einem Feuerlöscher zu attackieren und mit einer Machete zu drohen – „da wäre es fast zu einem Schusswechsel gekommen“, erinnert sich der Dorfsheriff an die dramatischen Ereignisse.

„Hier stehen die Menschen hinter uns!“

Verkehrserziehung in Kindergärten und Grundschulen, die Streifengänge durch seinen Bezirk Cronenberg-Nord und der Kontakt zu den Anwohnern, die Zusammenarbeit mit dem DRK-Kinder- und Jugendzentrum Mastweg, den Bürgervereinen oder den Schulen im Schulzentrum – das Positive überwog weitaus in 30 Jahren Polizeidienst „em Dorpe“: „Cronenberg zeichnet sich durch ein besonders gutes Verhältnis von Polizei und Bürgern aus – da ist jeder Tag gut!“, zollt der Dorfsheriff seinen Dörpern ein Kompliment: „Hier gibt es eine Verbindung, hier stehen die Menschen hinter uns.“ Da spielt es auch keine Rolle, dass sich die Größe des Bezirks in den vergangenen Jahrzehnten auf heute etwa 10.000 Einwohner verdoppelte – dafür konnte Manfred Schoeppe das tun, was ihm ein Anliegen war: mehr draußen sein, näher am Bürger und Vertrauen finden. Nicht umsonst engagierte sich Schoeppe auch 35 Jahre lang in der Polizeigewerkschaft, war sogar sechs Jahre lang Vorsitzender des Kreisverbandes sowie Mitglied des Landesvorstandes und von 2000 bis 2012 des Personalrates der Polizei.

Am morgigen Freitag, 22. März 2013, wird der Polizeihauptkommissar letztmals Dienst „em Dorpe“ tun, die Wehmut wird sich beim Abschied in Grenzen halten: „Mir geht’s gut“, blickt Manfred Schoeppe auf den neuen Lebensabschnitt, in dem er sich verstärkt seinen Hobbys, der Ägyptologie und der Fotografie, widmen möchte und vielleicht irgendwann auch ehrenamtlich engagieren wird. Aber: „Ich werde Cronenberg nicht den Rücken kehren“, versichert Manfred Schoeppe: Auch weiterhin will der Südstädter im Burgholz „Sauerstoff tanken“, auch die Werkzeugkiste oder die Cronenberger Kirmes werden Ziele sein – „es ist nur die Frage, ob die Cronenberger mich denn auch in Zivil erkennen werden“, schmunzelt der jahrzehntelange Dorfsheriff.

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