28.08.2013, 12.50 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Mit Knipex-Hilfe: CFG-Schüler bauten antiken „Computer“ nach

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Florian Kretschmann (vo. li.), Marvin Huang und Michael Winkhaus (2.v.re.hi.) bedankten sich bei Knipex-Chef Ralf Putsch (vo. re.) sowie Stefan Siebel (hi.li.), Bernd Sopp und Bernd Noll (2.vo.hi.re.) mit einem Poster auf stabilem Alu-Dibond für die tatkräftige Unterstützung beim Nachbau des antiken Mondphasen-Computers (vo.).

Ab der nächsten Woche gehen die Uhren zumindest für alle Schüler wieder „normal“. Ob Ferien oder „Alltag“ – der Mondphasen-Computer, welche zwei Schüler der Astronomie-AG des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums (CFG) in Zusammenarbeit mit der Firma Knipex bauten, „tickt“ zu jeder Zeit präzise gleich – mit nur einem Tag Toleranz in 76 Jahren, wie Marvin Huang und Florian Kretschmann zu berichten wissen. Und das bereits vor über 2.000 Jahren: Als der sogenannte „Mechnismus von Antikythera“ im Jahre 1900 vor der gleichnamigen griechischen Insel in einem Schiffswrack gefunden wurde, war das eine wissenschaftliche Sensation.

Der analoge kalendarisch-astronomische Rechenmechanismus konnte auf die Jahre zwischen 86 und 67 vor Christus datiert werden – das es ein technisch so anspruchsvolles Gerät schon in der Antike gab, war bis dahin nicht bekannt; die Entwicklung ähnlicher Mechanismen wurden bis dato auf etwa das 14. Jahrhundert nach Christus, also auf die Neuzeit datiert. „Das ist faszinierend“, sagt CFG-Lehrer Michael Winkhaus, der Leiter der Astronomie-AG und Initiator der Schülersternwarte auf dem Schulzentrum dazu: „Wo ist dieses Wissen nur 1.500 Jahre lang geblieben?“ In der Tat: Mit Hilfe des „Mechnismus von Antikythera“ konnten die Griechen offensichtlich bereits im 1. Jahrhundert vor Christus alle in der Antike bekannten astronomischen Kalenderdaten sowie Himmelsereignisse voraus berechnen: „Das ist fantastisch“, zeigt sich Michael Winkhaus fasziniert: „Sogar der Olympia-Zyklus kann mit dem unglaublichen Mechanismus angezeigt werden.“

Olympiade, Ramadan, Sonnen- und Mondfinsternisse – antiker „Computer“ berechnet alles

Neben diesem Olympiade-Kalender im vierjährigen Zeitraum besitzt der analoge „Antike-Computer“ auf weiteren fünf kleinen und großen Anzeigen unter anderem einen Sonnenkalender, einen Mondkalender sowie einen Finsterniskalender zur Anzeige von vergangenen und künftigen Sonnen- und Mondfinsternissen. „Das wollten wir nachbauen und gucken, was man dazu braucht“, berichten die diesjährigen CFG-Absolventen Marvin Huang und Florian Kretschmann, die das Projekt schließlich im Rahmen einer Jahresarbeit umsetzten und damit schließlich auch eine maximale Punkteanzahl für ihr Abitur einfahren konnten. Zuvor war allerdings die Frage, wie die beiden damaligen Gymnasiasten den Nachbau des antiken Mondphasen-Computers praktisch umsetzen könnten, denn: „Das ging nur mit Präzisionswerkzeug, wie wir sie in der Schule gar nicht zur Verfügung haben“, erläutert CFG-Astronom Michael Winkhaus.

Als „Möglichmacher“ fungierte – neben der Heraeus-Stiftung und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) – die Firma Knipex: Nicht nur zum Beispiel durch die alljährlichen Jazz-Abende in der Knipex-Schmiede, sondern seit Jahren auch durch eine Kooperation mit dem CFG verbunden, war es für Knipex-Chef Ralf Putsch keine Frage, den beiden damaligen Gymnasiasten die Mitarbeiter-Werkstatt zu öffnen. Nicht nur das: Mit Bernd Noll, Bernd Sopp und Stefan Siebel stellte Ralf Putsch auch drei Mitarbeiter zur Seite, welche Marvin Huang und Florian Kretschmann zu dem Nachbau des antiken Computers auch „eine kleine handwerkliche Ausbildung“ angedeihen ließen. „Das passt gut zu uns“, befindet Knipex-Inhaber Ralf Putsch zu der Unterstützung: „Schließlich stellen wir ja Präzisionswerkzeug mit wenigen Hundertstel Toleranz her.“

„Jugend forscht“-Regionalpreis für den CFG-Nachbau

Insofern auch kein Wunder: Ebenso wie die Produkte des Cronenberger Zangen-Weltmeisters immer wieder ausgezeichnet werden, erhielt auch der moderne Plexiglas-Nachbau des antiken Antikythera-Mechnismus aus Holz und Bronze einen Preis: Beim Regional-Wettbewerb Bergisch-Land im Rahmen von „Jugend forscht“ wurden Marvin Huang und Florian Kretschmann für ihren Mondphasen-Computer mit einem Sonderpreis belohnt. „Das war eine gelebte Kooperation, das ist echte Stadtteilarbeit“, bedankte sich Michael Winkhaus bei Ralf Putsch und seinen Mitarbeitern für die Unterstützung: „Ohne diese tolle fachliche Anleitung hätten es die Schüler nie geschafft.“

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