15.10.2013, 09.39 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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FF Hahnerberg: Im Müllheizkraftwerk den Ernstfall geprobt

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Hand in Hand: Willy Görtz von der AWG (vo. li.) und Einsatzkräfte der Feuerwehr Hahnerberg beim Abtransport eines der "Verletzten".

Schneller als die Feuerwehr war diesmal die CW: Als die Löschwagen der Freiwilligen Feuerwehr Hahnerberg (FFH) am vergangenen Samstag, 12. Oktober 2013, auf dem Gelände des Müllheizkraftwerkes (MHKW) in der Korzert anrückten, wurden sie bereits mit der Kamera erwartet. Dass wir den Polizei- oder Feuerwehr-Funk abgehört hätten, war aber nicht der Grund dafür – bei dem vermeintlichen Einsatz handelte es sich vielmehr um die Jahresabschlussübung der Hahnerberger Wehr, und die CW war zuvor informiert worden.

Das Szenario: Bei Reparaturarbeiten in der Rauchgas-Nachreinigung des Korzerter Müllheizkraftwerks war es zu einer Verpuffung gekommen – Rauch quoll aus dem betreffenden Bereich Kraftwerkes, zwei Mitarbeiter wurden vermisst, einer weiterer konnte sich in etwa 15 Metern Höhe nach außen flüchten, sein weiterer Fluchtweg war jedoch abgeschnitten. Die FFH-Einsatzkräfte wussten zwar, dass an diesem Samstagnachmittag die Jahresabschlussübung bevor stand; wo und wie es dabei „brenzlig“ sein würde, hielten die Übungsplaner Lutz Münch, Dirk König und Carsten Klausner jedoch geheim. Noch mehr Realitätsnähe herrschte für die Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG): Willy Görtz, der die Nachbarn von der Feuerwehr um die Übung gebeten hatte,weihte nur wenige Mitarbeiter ein und die „Statisten“ natürlich. „Das sollte eine scharfe Übung sein“, erläutert der stellvertretende Betriebsleiter des Müllheizkraftwerkes: „Selbst die Geschäftsleitung wusste nichts Konkretes.“

Entsprechend in Alarmstimmung waren die betroffenen MHKW-Mitarbeiter, als aus dem Gebäudeteil plötzlich Rauch aufstieg und Minuten später die Feuerwehr anrückte. Einsatzkräfte drangen ins Innere vor und bargen zunächst die beiden vermissten AWG-Mitarbeiter, einer davon war allerdings ein Dummy. Die beiden Verletzten wurden auf einen der Gitter-Laufstege verbracht, die entlang der Fassade der MHKW-Anlage verlaufen, anschließend fuhren die Hahnerberger Einsatzkräfte ihre Drehleiter aus: Sie bargen die Verletzten per Trage, die am Rettungskorb befestigt wurde – eine spektakuläre Angelegenheit in schwindelerregender Höhe, die ziemlich reibungslos gelang. Nachdem auch die Folgen der Verpuffung unter Kontrolle gebracht worden waren, wurde der dritte AWG-Mitarbeiter durch den nunmehr wieder rauchfreien Unglücksbereich „gerettet“. Er war zwar „unverletzt“ geblieben, aber der wohl am härtesten Betroffene der Übung: Etwa eine halbe Stunde musste sich der Mann an diesem kühlen Samstagmittag in luftiger Höhe den Wind um die Ohren pfeifen lassen – der heiße Tee nach der „Rettung“ tat da richtig gut…

„Es ist gut gelaufen“, zeigte sich FFH-Planer Lutz Münch nach Übungsende mit seinen rund 30 Einsatzkräften, allen voran FFH-Chef Dieter Schierwagen und dessen Stellvertreter Lars Liefke zufrieden: „Es gibt immer Dinge, über die zu reden ist. Aber dazu ist eine Übung ja da, damit man es besser macht, wenn es ernst wird.“ Voll des Lobes war Willy Görtz: „Die Schicht wusste von nichts, erst als die Kollegen die Statisten erkannten, ging der Blutdruck wieder runter“, freute sich Görtz über die gelungene Ernstfall-Simulation. Der Schichtleiter habe aus Schutzgründen sogar die Anlage runterfahren wollen, berichtet der stellvertretende MHKW-Betriebsleiter: „Die Mitarbeiter haben so regiert, wie sie es in einem solchen Fall tun sollten.“

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