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14.12.2013, 15.11 Uhr   |   Marcus Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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„Kabale und Liebe“ im TiC: Ein Klassiker, mal etwas moderner

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Avancieren zum Traumpaar: Lara Sienczak und Robert Flanze, die Protagonisten des neuen Klassikers im TiC-Theater. -Foto: Martin Mazur

Es ist ein echter Klassiker der deutschen Literatur, dem sich das TiC-Theater pünktlich zur Weihnachtszeit in diesem Jahr wieder einmal widmet. Schillers „Kabale und Liebe“ wird heute noch oft in der Schule als Standardwerk für den Sturm und Drang besprochen. Doch ganz so traditionell, wie man es vermuten kann, kam das Trauerspiel bei der Premiere am vergangenen Sonntag, 8. Dezember 2013, im Theater an der Borner Straße 1 zum Glück nicht daher.

Denn Ingeborg Wolff schafft es in ihrer Inszenierung, das von Musik-Chef Stefan Hüfner für das TiC-Theater bearbeitete Stück grandios in die heutige Zeit zu übertragen. Standesdenken war gestern – dass einfache Leute es schwierig haben, mit wohlhabenderen anzubandeln, und dem Vater ein Freund der Tochter missfällt, das geschieht auch heute so. Intrigen sind ebenso an der Tagesordnung Bespitzelungen der Obrigkeit, 1784 kann 2013 sein.

Im Mittelpunkt steht aber natürlich weiterhin die Liebesgeschichte von Luise Miller und Major Ferdinand von Walter. Die Bürgerliche und der junge Adelige müssen gegen allerlei Widerstände ankämpfen, die einfühlsame Lara Sienczak sowie der in Hoodie und Turnschuhen auf der Bühne stehende Robert Flanze avancieren hier zum neuen TiC-Traumpaar. Sie sind es, mit denen man mitfiebert, auch wenn man das Schiller-Werk schon fast in- und auswendig kennt.

Ganz und gar in seinen Bann zieht das Publikum auch Präsident von Walter. Ferdinands Vater, der gegen die Verbindung seines Sohnes zu Luise ist und ihn lieber mit Lady Milford verheiraten möchte, wird von André Klem gespielt, der mimikreich als kleiner „Giftzwerg“ und einfühlsamer Vater auch mal in Golf-Kluft und mit „Red Bull“-Dose in der Hand zwischen den einzelnen Ichs hin und her springen möchte. Für den Sohnemann cool sein und dennoch die adelige Flagge hochhalten – dieser Spagat gelingt eindrucksvoll. Gemeinsam mit Lady Milford (Mirca Szigat kann auch hochnäsig) und dem herrlich aufgedrehten Hofmarschall von Kalb (Björn Tappert) trägt von Walter das gesamte Stück.

Aber auch Thorsten Kress glänzt in einer Paraderolle als Kammerdiener der Milford, herrlich trocken und loyal. Joachim Rettig als Stadtmusikant Miller und Martina Wortmann als dessen Frau nimmt man die Elternrolle sofort ab, sie agieren überzeugend und als TiC-Urgesteine überaus routiniert. Eine solide Leistung liefert auch Alexander Bangen als Haussekretär Wurm ab, der hat ebenfalls ein Auge auf Luise geworfen, weiß aber ganz genau, dass er keine Chancen bei ihr haben wird.

Das Tüpfelchen auf das „I“ setzt übrigens das spartanische Bühnenbild von Iljas Enkaschew, das besonders durch seine Lichteffekte die Handlung abrundet. Für die außergewöhnlichen Kostüme zeichnet sich Variola Kopczynski verantwortlich. „Kabale und Liebe“ bleibt im TiC ein Klassiker – aber durchaus mal ein bisschen anders.

Während die die Vorstellung am Sonntagnachmittag bereits restlos ausverkauft ist, gibt es für den kommenden Freitag, 20. Dezember 2013, sowie für den 27. Dezember noch Karten unter www.tic-theater.de oder an der TiC-Hotline 0202-47 22 11. Das Schiller-Werk wird übrigens auch im neuen Jahr noch mehrfach an der Borner Straße zu sehen sein.

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