22.03.2014, 15.24 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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90 Minuten Spannung: „Die toten Augen von London“ im TiC

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Lassen im Theater in Cronenberg (TiC) das Edgar-Wallace-Fieber, welches das deutsche Publikum in den 1960er und 70er Jahren fesselte, wiederauferstehen: die Protagonisten des TiC-Krimis "Die toten Augen von London". -Foto: Martin Mazur

Bei der auf den vergangenen Dienstag, 18. März 2014, verschobenen TiC-Premiere des Edgar-Wallace-Klassikers „Die toten Augen von London“ lag von der ersten Sekunde an gruselige Spannung im Theater an der Borner Straße: Schon kurz nachdem sich der Premieren-Vorhang gehoben hatte, gab es an der vernebelten Hausecke der „Blossom Lane“ in fadem Licht schon den ersten Toten – erwürgt…

Inspektor Larry Holt (Carsten Müller) von Scotland Yard glaubt nicht an einen Unfall, als in London zum wiederholten Mal ein Toter aus der Themse gefischt wird. Zumal es sich bei den Opfern stets um wohlhabende, alleinstehende Herren aus Übersee handelt – alle waren mit einer hohen Summe bei der Greenwich-Agentur versichert. Zufall? Als bei einem Opfer zudem noch ein Zettel in Blindenschrift entdeckt wird, ist sich Holt sicher: Die berüchtigten „Toten Augen von London“, eine undurchsichtige Verbrecherbande blinder Hausierer, ist wieder aktiv.

Zusammen mit seiner Assistentin Diana Ward (Margarete Rosenbohm) nimmt der Inspektor die Ermittlungen auf. Dabei geraten beide nicht nur in ein düsteres Blindenheim unter der Leitung des scheinbar ehrenwerten Reverend Dearborn (Alexander Bangen), sondern auch an den fragwürdigen Rechtsanwalt Dr. Stephen Judd (Andreas Wirth), einen skrupellosen Versicherungsmakler. Inmitten dieser undurchsichtigen Verwicklungen wird Inspektor Holt dann plötzlich sogar selbst zur Zielscheibe…

Ralf Budde inszenierte den Krimi-Klassiker in schnellen, unheimlichen Szenen, geniale Bühnenbilder von Iljas Enkaschew sorgen für weitere Abwechslung. Die Krimi-Musik aus den 1960er Jahren rief bei den Überbrückungen der Umbauten auch ein wenig Raumschiff „Orion“ ins Gedächtnis. Der neue TiC-Krimi hält den Zuschauer in Atem: Der blinde Jake (Lars Grube), der angstvolle Flimmer-Fred (Dennis Gottschalk), der Dr. Judd erpresst, und die unheimliche Atmosphäre im schäbig-schummrigen Blindenheim mit der blinden Emma Fitzgerald (Beril Erogullari) lassen keine Sekunde ohne Spannung – jeder der TiC-Darsteller glänzt auf seine Weise. Ebenso wie Gela Banerjee hinter den Kulissen: Ihre Kostüme passen perfekt ins London vor einem halben Jahrhundert.

Besonders hervorragend agiert Andreas Wirth als Dr. Judd – komödiantisch und brutal zugleich. Alexander Bangen brilliert ebenso als brutaler Zyniker, und in Erinnerung bleiben überdies die ohrenbetäubenden Schreie von Margarete Rosenbohm alias Assistentin Diana Ward; ja, zudem ist auch ein wenig Liebe zwischen ihr und dem Inspektor im Spiel… Am Ende und nach vielen Toten kommt es wie es kommen muss: Die Guten behalten die Oberhand und die Bösen werden verhaftet – natürlich! Zuvor bieten „Die toten Augen von London“ im TiC 90 Minuten lang Spannung und Höchstleistung nicht nur von der Nebelmaschine, sondern auch der Akteure – wer die Krimis der 1960er liebt und einen Schwarzweiß-Klassiker als Bühnenfassung in Farbe sehen möchte, sollte unbedingt ins TiC gehen!

Karten für den Wallace-Klassiker im TiC gibt es unter Telefon 0202-47 22 11 oder online unter www.tic-theater.de.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel

  1. Andi Arbeit
    26.03.2014, 18:22 Uhr   |   Direktlink

    Tolles Stück, toll gespielt! Habe schon mehrere Edgar Wallace Aufführungen im TIC besucht; diese fand ich aber besonders gut. Trotz kleiner Räumlichkeiten wird aber auch immer ein wechselndes Bühnenbild geschaffen. Keine Minute langweilig – hat sich gelohnt.

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