Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

19.08.2014, 10.43 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Südstadt: Neue Stolpersteine erinnern an Nazi-Opfer

Artikelfoto

Prof. Dr. Manfred Brusten und Schriftführerin Gabriele Mahnert vom Wuppertaler Stolpersteine-Verein mit den nun verlegten neuen Steinen in der Irenenstraße.

Ihre goldene Farbe sticht sofort ins Auge und lässt den Passanten genauer hinschauen. Das ist auch gut so, schließlich sollen die Stolpersteine an die Juden-Verfolgung erinnern und sind als Mahnmale für die grausamen Taten im Nationalsozialismus gedacht. Seit kurzem zieren zwei dieser Stolpersteine den Bürgersteig der Irenenstraße. Initiator war auch diesmal der Verein „Stolpersteine in Wuppertal“, der seit 2006 im gesamten Stadtgebiet bereits an 67 Standorten Gedenksteine setzen ließ.

Die Irenenstraße 3 ist nunmehr einer von vier Stolperstein-Standorten in der Südstadt. Dort hatte das jüdische Ehepaar Sally und Helene Emmerich gelebt. Der Stein verrät, dass beide im Jahr 1942 von den Nationalsozialisten im polnischen Vernichtungslager Treblinka ermordet wurden. „Wie viel Leid und Erniedrigung das Ehepaar von 1933 bis zu ihrer Ermordung erdulden musste, erfährt man, wenn man sich mit den zahllosen gegen Juden gerichteten Gesetzen und Erlassen beschäftigt“, referierte Stolpersteine-Vorsitzende Dr. Ute Otten im Anschluss an die Steine-Verlegung.

Der Ausschluss aus bestimmten Ausbildungs- und Berufsfeldern, Zwangsenteignungen, der Ausschluss von öffentlichen Veranstaltungen und Verkehrsmitteln, ein zwangsweise erlassener Namenszusatz sowie die Tragepflicht von „Judensternen“ kennzeichneten die zahllosen Boykottmaßnahmen, durch die Existenzen vernichtet worden seien, erklärte Otten. Im Falle des Ehepaares Emmerich habe man den selbstständigen Handelsvertreter 1938 zunächst zur Aufgabe seines Berufes gezwungen.

Während die gemeinsame Tochter 1938 nach Australien auswanderte, erlebten die Eltern in der Folgezeit das ganze Schreckensausmaß des Holocausts. Nachdem das 1871 bzw. 1875 geborene Paar sein Haus in der Irenenstraße 1939 verkaufen musste, lebten sie zunächst auf engstem Raum in einem Haus Am Forsthof, ehe sie ab 1940 in der Bahnhofstraße in einem so genannten „Judenhaus“ untergebracht wurden. Im Juli 1942 folgte schließlich die Verhaftung durch die Gestapo, die das Ehepaar ins Ghetto Theresienstadt deportierte.

Bereits zwei Monate später wurden die Wuppertaler nach Treblinka überführt, wo sie kurz nach ihrer Ankunft am 22. September 1942 ermordet wurden – dank der Stolpersteine sind sie in der Südstadt nun nicht vergessen.

Christian Werth