04.02.2015, 17.46 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Farb-Streit: CHBV und Stadt sind sich nicht „grün“

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Dieses „Grün“ der Schlagläden ist dem CHBV wenig „grün“: das Dörper Wahrzeichen, die Krings Ecke.

In Deutschland hat vieles seine Ordnung – selbst die Welt der Farben. In dem bereits 1925 in Berlin durch den damaligen „Reichsausschuss für Lieferbedingungen“ (RAL) eingeführten Farben-Katalog sind diese normiert: Jedem der inzwischen 213 Töne des RAL-Katalogs ist eine vierstellige Nummer zugeordnet.

Natürlich schafft es ein Farbton nicht ohne weiteres in den Katalog. Um ein RAL-Farbton zu werden, muss der Farbton zeitlos, umweltfreundlich und witterungsbeständig herstellbar sein, … und nicht zuletzt einem übergeordneten öffentlichen Interesse unterliegen. Ein beliebter Grün-Ton war dabei einst das Schweinfurter Grün. Maler schätzten es wegen seiner Farbintensität und Lichtechtheit, wegen seiner Giftigkeit wurde das Schweinfurter Grün indes bereits 1882 verboten. Dass es dann bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Pflanzenschutzmittel eingesetzt wurde, spricht Bände.

Warum sich die CW mit RAL-Farbtönen und dem Schweinfurter Grün befasst? Weil zum Beispiel die grünen Schlagläden der altbergischen Häuser einst zumeist in Schweinfurter Grün gestrichen wurden. Seit dem Verbot behalfen sich die Malermeister hier mit Grün-Tönen wie RAL 6029 (Minzgrün), RAL 6024, RAL 6026 und RAL 6029 oder auch Mischungen.

Rolf Tesche: Bergische Farben-Ordnung ist aus den Fugen

Gemeinsam mit dem Schwarz der Fachwerk-Balken und dem Weiß der Wände bildet das „Bergisch-Grün“ den farblichen Dreiklang der Region. Für Rolf Tesche ist die bergische Farben-Ordnung aus den Fugen geraten: Dass die Krings Ecke, gemeinsam mit der Reformierten Kirche das wohl beliebteste Dörper Postkarten-Motiv, nach der Fassadensanierung im September nicht mehr mit dem bergischen Dreiklang im Einklang ist, stößt Tesche doppelt auf: als Vorsitzender des Cronenberger Heimat- und Bürgervereins sowie als Seniorchef eines Malerfachbetriebs.

„Als Bürgervereinsvorsitzender bin ich wiederholt angesprochen worden, warum bei unseren denkmalgeschützten Fachwerk- und Schieferhäusern nicht mehr das Bergische Grün beim Anstrich der Schlagläden zur Verwendung kommen darf“, berichtet der CHBV-Chef. Der Hintergrund: Neben der Kriegs Ecke mussten auch die Schlagläden des bekannten „Café vom Cleff“ am Hans-Otto-Bilstein-Platz im Farbton RAL 6002 gestrichen werden.

Dabei handelt es sich um den eher kalt wirkenden Farbton „Laubgrün“, übrigens die Signalfarbe für Erste Hilfe und Notausgänge, während die bergischen Malermeister ihre Pinsel bislang zumeist in den RAL-Ton 6029 („Minzgrün“) tauchten: „Das kommt dem Schweinfurter Grün am nächsten und wird als Bergisch-Grün bezeichnet“, weiß Rolf Tesche: „Das Wichigste ist die Leuchtkraft.“

Und Bergisch-Grün hätte auch Krings-Ecke-Eigentümer Dieter Scherf gerne die Läden seines Schmuckstückes streichen lassen, musste sich dann allerdings von der ausführenden Malerfirma erklären lassen, dass das nicht ginge. „Ich finde das schade – wir waren schon fast soweit, dass wir trotzdem einen Grün-Ton genommen hätten, der besser zum Ortsbild passt.“ Das jetzt sei eher ein trauriges Grün, findet Dieter Scherf: „Meiner Meinung nach hätte die Denkmalbehörde für ein einheitliches Ortsbild in Cronenberg besser woanders eingreifen sollen.“

Denkmalbehörde: „BergischGrün ist ein Alltagsmythos…“

Die Untere Denkmalbehörde der Stadt ficht der „Grün-Frust“ in Cronenberg nicht an: Die Farbe „Bergisch-Grün“ sei ein „Alltagsmythos“ heißt es in der Antwort der Behörde an den Bürgerverein, entsprechend gebe es auch keine Farbvorgaben. Vielmehr würde in den Grüntönen 6004, 6005 und – wie an der Krings Ecke – 6002 gestrichen – diese wechselten ja bei zunehmender Ausbleichung „gelegentlich ins Minzfarbene“, befindet die Denkmalbehörde lapidar.

So hoffen denn Dieter Scherf und Rolf Tesche darauf, dass die „Ausbleichung“ an der Krings Ecke bald einsetzen möge. Übrigens: Das Online-Fachmagazin „Farbimpulse“ berichtete im Mai 2014, dass sich am Bergisch-Grün die Geister schieden. Allerdings gebe es vielerorts im Bergischen genaue Vorstellungen: So sei für die Stadt Mettmann das „Bergisch-Grün“ eine Mischung von RAL 6026 und RAL 6029. In Remscheid-Lüttringhausen hingegen werde zwischen Bergisch-Grün-hell (RAL 6024) und -dunkel (RAL 6004) unterschieden. Welcher Grünton nun auch immer der „echt-bergische“ ist, das „Bergisch-Grün“ scheint somit doch kein Alltagsmythos zu sein…


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