08.05.2015, 20.05 Uhr   |   Andreas Schmidt   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

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Stadtwerke: Die Seilbahn zum „Süd“ ist machbar

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Durchs Tal schweben, das geht bereits seit über 100 Jahren. Wird eine „Schwebe-Partie“ in wenigen Jahren auch auf der Südhöhe möglich sein?

Eine Seilbahn zwischen dem Hauptbahnhof und dem Schulzentrum Süd mit einer Zwischenstation auf dem Uni-Campus am Grifflenberg – so spektakulär die Idee der Initiative „Wuppertal 2025“ bei ihrer Bekanntgabe im letzten Herbst klang, nun gibt es konkrete Pläne für die Vision. Am gestrigen Donnerstag, 7. Mai 2015, stellten die Wuppertaler Stadtwerke (WSW) das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie für die Seilbahn vor – der Tenor: „Es ist möglich.“

Rund 50 Millionen Euro werden für den Bau veranschlagt – da etwa 90 Prozent Fördergelder fließen könnten, müssten Stadt und Stadtwerke „nur“ fünf Millionen Euro dafür aufbringen. Geht es nach den Willen der Planer, dann führt die neue Seilbahn ab 2023 vom neuen Döppersberg aus über den Campus am Grifflenberg bis zum Schulzentrum. Mit Verknüpfung der drei Stationen soll die Bahn über insgesamt sechs Stützen, die bis zu einer Höhe von 70 Metern liegen, einen Höhenunterschied von 165 Meter meistern.

In drei Minuten vom Hauptbahnhof zum Uni-Campus

Rund 45 Kabinen mit einem Fassungsvermögen von 35 Fahrgästen sollen in Spitzenzeiten bis zu 3.500 Passagiere pro Stunde und Fahrtrichtung befördern: „In nur drei Minuten gelangten die Studenten vom Hauptbahnhof zur Uni – die bisherige Fahrzeit beträgt etwa zehn Minuten, erläuterte Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der Wuppertaler Stadtwerke. Von Cronenberg aus soll man in nur neun Minuten in Elberfeld sein – eine Rekordfahrzeiten, die sicherlich weder Auto noch Bus toppen können.

Bergstation an der Rettungswache Süd

Als weiteres Plus der Seilbahn zwischen „Döpps“ und „Süd“ betonte WSW-Chef Andreas Feicht, dass die Bahn als integraler Bestandteil des ÖPNV-Angebotes genutzt werden kann. Soll heißen: Es müssten keine separaten Fahrkarten gelöst werden, mit dem „Ticket 2000“ und Co. könnten die Passagiere ins Tal und auf die Höhe schweben. Um die Menschen auf den Südhöhen die Nutzung „schmackhaft“ zu machen, ist ein „Park-and-Ride“-Parkplatz unweit der „Bergstation“ auf Küllenhahn geplant.

Geht es nach Willen der Planer, laufen die Informationsveranstaltungen mit den Bürgern noch bis Ende des Jahres. Danach soll ein entsprechender Ratsbeschluss im Jahr 2016 erfolgen, der den Weg für das etwa zweijährige Planfeststellungsverfahren freimacht. WSW-Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Bell hofft auf die Begeisterungsfähigkeit der Wuppertaler für das innovative Nahverkehrsmittel: In ganz Deutschland wäre sie die erste urbane Seilbahn, die über Wohnbebauung hinweg schwebt.

WSW-Aufsichtsratschef Bell: „Das Ding hat Charme“

Als Vergleich zieht man die Seilbahn in Koblenz heran – sie führt die Passagiere vom Deutschen Eck aus über den Rhein hinauf zur Festung Ehrenbreitstein. Ähnliche Kabinen wie in Koblenz soll es auch in Wuppertal geben, um dem erwarteten Fahrgastaufkommen gerecht zu werden. „Natürlich hat man die Idee einer Seilbahn auf die Südhöhen zunächst für eine ‚spinnerte Attitüde gehalten“, schmunzelte Dietmar Bell.

Er sieht aber durchaus Parallelen zum Schwebebahnbau Ende des 19. Jahrhunderts, in dem man im Tal der Wupper völlig neue Wege beschritt: „Auch damals haben die Menschen die Köpfe geschüttelt“, so Bell: „Das Ding hat Charme.“

Start am 19. Mai: Eine ganze Reihe von Informationsveranstaltungen

Fragen und Anregungen möchten die Planer im direkten Dialog mit den Bürgern erörtern. Am 16. Juni findet um 17 Uhr eine Informationsvorstellung im Schulzentrum Süd statt. Wer sich über das Projekt informieren möchte, der kann dies auf der neuen Website unter www.seilbahn2025.de schon jetzt tun. Bereits am 19. Mai ist von 18 bis 21 Uhr eine Auftaktveranstaltung zur Vorstellung des Projekts in der Mensa der Bergischen Universität.

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Lesermeinungen zu diesem Artikel

  1. Hans
    11.05.2015, 18:02 Uhr   |   Direktlink

    Und das alles, damit Schüler qua Sänfte zur Schule kommen???
    (Ich dachte die textile Ära der Spinnereien im Wuppertal seien vorbei.:)
    Das Geld wäre m.E. besser angelegt, wenn die Bürgerbüros in den Ortsteilen wieder eingerichtet würden.

  2. Astrid
    29.05.2015, 11:43 Uhr   |   Direktlink

    Ich finde die Idee nicht schlecht, wir auf den Südhöhen würden vor allem im Winter profitieren. Auch die Stadt würde vielleicht ein bisschen entlastet durch weniger PKW’s und Busse, für die Umwelt also ein Pluspunkt. Allerdings verstehe ich auch die Sorgen der Anwohner zwecks Wertminderung von Grundstücken.
    Ich glaube eher nicht, dass dieses Projekt gebaut wird, in dieser Stadt wird einfach zu viel gemeckert und alles zerredet, schade.

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