Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

06.08.2015, 15.57 Uhr   |   Oliver Grundhoff   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Im Brackel: Großer Zuspruch bei „Zoff-Wanderung“

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Auch BUND-Vorstand Jörg Liesendahl wanderte mit zahlreichen Interessierten im Rahmen der Reihe „Zoff-Wanderung“ rund um das Biotop „Im Brackel“.

Das Thema der geplanten Bebauung im Brackel bewegt die Menschen. So auch kürzlich, als der BUND-Biologe Jörg Liesendahl hier zur „Zoff-Wanderung“ eingeladen hatte. Knapp 60 Anwohner und Interessierte folgten ihm auf seinem Weg über Kuchhausen bis dahin, wo dem Willen eines Investors nach zukünftig 15 Einfamilien-, 25 Reihen- und acht Mehrfamilienhäuser entstehen sollen.

Nach einem Rundgang um das drei Hektar große Biotop konnte Liesendahl den Ärger der Kuchhausener verstehen: „Was hier geplant ist zeigt mir, dass man offenkundig nur am Mammon interessiert ist und möglichst viel aus wenig Fläche rausholen will.“ Während der Exkursion wies er immer wieder auf die vorhandene Artenvielfalt wie seltene Tagfalter, Heuschrecken und Raubvögel hin, die bis vor kurzem stets ein Grund gewesen wären, um das massive Bauvorhaben zu stoppen.

BUND: Stadt opfert biologisch wertvolle Flächen

„Doch heute“, so Liesendahl, „interessiert sich in Wuppertal kein Schwein mehr dafür.“ Auch die vorhanden Fauna mit Orchideen und alten Bäumen wäre inzwischen kein Hindernis mehr. Die Stadt ignoriere vorhandene biologische Gutachten und führe im Rahmen eines beschleunigten Genehmigungsverfahrens nur oberflächliche Umweltprüfungen durch.

In den letzten Jahren musste Liesendahl immer wieder beobachten, dass biologisch wertvolle Flächen in Wuppertal geopfert wurden: „Die Stadt ist jedem Bauinvestor gegenüber offen, der mit einem Bündel Geld winkt. Selbst die vorhandenen Fledermäuse werden die Stadt nicht zum Umdenken bewegen.“ Dabei müsse man in Wuppertal nicht unbedingt immer nur an die grünen Wiesen und Wälder ran. +

Im Stadtgebiet stehen derzeit über 14.000 Wohnungen frei. „Wuppertal als schrumpfende Großstadt hat aber kein Konzept, wie man mit diesem Leerstand umgehen soll,“ ärgert sich Liesendahl. Stattdessen präferiere man derzeit die sogenannte innerstädtische Bebauung von Flächen, ohne darüber nachzudenken, dass man hierbei nicht nur wertvolle Erholungsflächen und Biotope auf ewig zerstört, sondern auch den Klimawandel im Stadtgebiet weiter forciert.

Jörg Liesendahl: „Werden Sie jetzt aktiv!“

„Gerade Flächen wie hier im Brackel haben eine wichtige ausgleichende klimatische Wirkung für unser Zusammenleben“, erklärte er den Mitwanderern. „Wenn hier gebaut wird und alles versiegelt wird, wird es trockener. Dann werden Sie hier Stadtklima haben,“ prophezeite Liesendahl den Anwohnern. Zum Abschluss gab Liesendahl den Rat: „Werden Sie jetzt aktiv, warten Sie nicht, sonst werden Sie vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Dagmar Dehnert von der Bürgerinitiative Kuchhausen (BIK) nutzte den Anlass, um zur Informationsveranstaltung einzuladen, die am 28. August 2015 ab 19 Uhr im Forum der Firma Knipex stattfinden wird. „Wir bitten Sie in jedem Fall, zahlreich zu erscheinen“, so Christel Putsch von der BIK. Mehr Infos auf der Internetseite der Bürgerinitiative unter www.kuchhausen.jimdo.com