Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

17.09.2015, 14.16 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Baupläne „Im Brackel“: Jetzt ist die Politik gefragt

Artikelfoto

Die Stuhlreihen im Knipex-Forum zeigten sich am Infoabend der BIK, durch den Bodo van Harten, Dagmar Dehnert und Oliver Grundhoff führten, sehr gut gefüllt.

„Das war ein erfolgreicher Abend“, resümierte Dagmar Dehnert den ersten Infoabend der „Bürgerinitiative Kuchhausen“ (BIK). Mit Recht: Rund 150 Anwohner und Interessierte kamen in das Forum der Firma Knipex, um gemeinsam mit Vertretern der Politik über Möglichkeiten und Wege zum Erhalt des Biotops „Im Brackel“ zu diskutieren – eine solche große Resonanz hatte die BIK im Vorfeld nicht erwartet.

„Wertvoller Naturraum und eine gewachsene Dorfgemeinschaft würden bei der Umsetzung des städtebaulichen Entwurfs auf ewig zerstört“, lautete der Tenor des Abends. Zudem wurden aus den Reihen der Zuhörer weitere Probleme angesprochen, die mit der massiven Bebauung des Biotops einhergingen. Neben klimatischen Veränderungen für den Ortsteil Kuchhausen stand auch das Thema Verkehrsbelastung im Raum – vor allem die Anwohner der Kemmannstraße rief das auf den Plan.

Güne und FDP da, CDU und SDP glänzten durch Abwesenheit

„Nicht meckern, sondern machen“, lautete der Hinweis, den Ratsherr Peter Vorsteher (Bündnis 90/Die Grünen) den Anwesenden mit auf den Weg gab: „Laden Sie die Verantwortlichen ein“, ermunterte der Dörper Grünen-Politiker. Obwohl Vertreter aller Parteien eingeladen waren, stellten sich neben dem Mitglied des Ausschusses für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Bauen nur zwei weitere Grünen-Politiker, Oberbürgermeister-Kandidat Marc Schulz und Bezirksvertreter Dirk Wallraf, sowie Alexander Schmidt (FDP) den Fragen der Anwesenden.

„Es war schade, dass von den vielen geladenen Politikern aus Rat und Bezirksvertretung lediglich die Grünen und die FDP erschienen“, bedauerte Bodo van Harten von der BIK, der mit Dagmar Dehnert und Oliver Grundhoff durch den Abend führte. Ratsherr Alexander Schmidt gab aber diverse Tipps, wie politisch und rechtlich auf die weitere Planung Einfluss genommen werden könne. Fakt ist: Das Areal „Im Brackel“ steht seit 2003 nicht mehr unter Landschaftsschutz und somit steht prinzipiell einer Bebauung nichts im Wege.

OB Jung vor Ort: „Von Intensität der Planung überrascht“

Dies konnte auch Oberbürgermeister Peter Jung bestätigen, der sich vier Tage später gemeinsam mit Michael Walde vom Ressort Stadtentwicklung und Städtebau sowie dem Dezernent für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr, Frank Meyer, einen Überblick vor Ort verschaffte. „Ich bin von dem Plan und seiner Intensität überrascht“, erklärte Jung den knapp 40 Anwesenden, die trotz des Regens zu der Begehung gekommen waren.

Der OB wies jedoch darauf hin, dass es sich bei dem jetzigen Plan erst um einen Vorabentwurf handele, der noch diskutierbar sei. Zwischen den Zeilen ließen Jung und seine Begleiter durchblicken, dass man vor allem im Hinblick auf die Mehrfamilienhäuser noch einmal eingehend prüfen wolle. Bereits Wochen zuvor war SPD-Oberbürgermeisterkandidat Mucke an dem Biotop und hatte Unterstützung im Kampf gegen die massive Bebauung zugesagt.

Während des Infoabends eröffnete sich zudem eine weitere Perspektive für die Gegner der Bebauung: So erklärte Peter Vorsteher, dass es durchaus möglich sei, die gesamte Fläche wieder unter Landschaftschutz zu stellen. OB Peter Jung ließ aber bei der Begehung durchblicken, dass es schwierig sein würde, hierfür eine Mehrheit im Rat der Stadt zu finden.