Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

14.10.2015, 12.50 Uhr   |   Redaktion   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Gestern und heute: Auf der Flucht und heimatlos

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Beschäftigten sich mit dem Thema Flucht: (v.li.) Jürgen Borchardt, Marcus Franke, Anke Borchardt, Gudrun Danowski, Wassim al Shoufi, Beate Wagner und Pastor Thomas Hoppe.

Es beherrscht seit Wochen die Nachrichten – das Thema Flucht. Durch Krieg und Not Vertriebene strömen gen Westen und hoffen nach dramatischen Reisen auch in Deutschland eine neue Heimat zu finden. Der „Etwas andere Gottesdienst“ der Evangelischen Gemeinde Cronenberg warf den Blick auch zurück.

In der Nikodemuskirche lauschten die vielen Gäste gespannt den Berichten der Fachleute. Pastor Thomas Hoppe benannte in seiner Predigt Beispiele biblischer Flucht und Vertreibung und fragte: „Wie fühlt es sich an, wenn ich keine Heimat mehr habe?“ Hoppe unterstrich mit dem Blick auf den gegenwärtigen Exodus, dass der Hilflosigkeit keine Grenzen gesetzt seien. Auf der anderen Seite verwies der Dörper Pastor, dass die Würde des Menschen laut Grundgesetz unantastbar sei: „Keiner darf die Würde verletzen, die Gott allen Menschen gegeben hat.“

Jürgen Borchardt, der den umfangreichen Gottesdienst mit vorbereitet hatte, und Ehefrau Anke, Vorsitzende des Gemeindepresbyteriums sowie Mitinitiatorin von „Willkommen in Cronenberg“, berichteten über die Dörper Initiative. Marcus Franke von der Flüchtlingshilfe der Diakonie erläuterte, dass im vergangenen Jahr eintausend Flüchtlinge nach Wuppertal kamen – 2015 werden es wohl 2.500 sein. „Sie sind traumatisiert, wir helfen mit Asylberatung, der Familienzusammenführung und individuell“, erklärte Franke.

„Wir hoffen aber eines Tages zurückkehren zu können“

Wassim al Shoufi kam vor zwei Monaten zunächst allein aus Syrien nach Wuppertal. Er schwärmte von seiner wunderschönen Heimat in der Nähe von Damaskus, die in den letzten fünf Jahren aber durch Krieg und Gewalt immer mehr zerstört wurde. Al Shoufi verlor seine Arbeit, die Preise stiegen und medizinische Versorgung fehlte – so flüchtete er über den Libanon, die Türkei, dann mit einem Boot nach Griechenland und schließlich über den Balkan und Ungarn nach München. „Wir hoffen aber eines Tages zurückkehren zu können“, so der Gast.

Als weitere Zeitzeugin berichtete Gemeinde-Presbyterin Gudrun Danowski: Die langjährige Küsterin der Nikodemuskirche floh im Alter von zehn Jahren vor dem Mauerbau mit ihren Eltern aus Erfurt nach Wuppertal: „Jetzt ist mir meine Flucht noch einmal richtig bewusst geworden, denn ich habe in Aufnahmelagern ähnliches erlebt, wie jetzt die Flüchtlinge“, sagte Danowski. Beate Wagner kümmert sich derweil um Flüchtlingskinder und gibt Sprachkurse. In Cronenberg gibt es zurzeit zwei internationale Klassen, wusste sie zu berichten.

Das Fazit dieses Gottesdienst-Nachmittages im beschaulichen Sudberg: Die westliche Welt muss sich in Zukunft immer wieder mit dem Thema Flucht und Vertreibung auseinandersetzen. Wie wir damit umgehen, wie unsere Willkommenskultur aussehen kann, wurde durch den „Etwas anderen Gottesdienst“ vielen Besuchern verdeutlicht. Weitere Informationen zum Cronenberger Flüchtlingsbündnis „Willkommen in Cronenberg“ gibt es unter www.willkommen-in-cronenberg.de.