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11.02.2016, 17.53 Uhr   |   Marcus Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

„Der Zinker“ im TiC: Spannung bis zur letzten Minute

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Wer mag wohl der geheimnisvolle Zinker sein? Das liegt in dem spannenden TiC-Krimi zunächst überhaupt nicht auf der Hand… -Foto: Martin Mazur

Richtig finster begann das Jahr 2016 im TiC-Theater: Die nächtlichen Straßen von London bilden die ideale Umgebung, um mit einem spannenden Krimi in die neue Spielzeit zu starten. „Der Zinker“ treibt an der Borner Straße sein Unwesen – wenn sich der Nebel wieder lichtet, wird er aber am Ende natürlich überführt.

Ein Unbekannter gibt Scotland Yard immer mal wieder Tipps zu Juwelendiebstählen oder gesuchten Verbrechern. „Der Zinker“ erpresst Diebe und Räuber, um an ihre Beute zu kommen. Doch ein Mord an dem Ganoven Larry Graham lässt ihn noch einmal mehr in den Fokus der Polizei rücken, die mit besonderen Methoden nach ihm fahndet.

Jedoch ist auch der umtriebige Reporter Joshua Collie (Philip Flanze) dem „Zinker“ auf den Fersen: Immer scheinbar einen Schritt dem eher behäbig wirkenden Inspektor Elford (Lars Grube) voraus, auf der Suche nach der ganz großen Story für seine „Morning Post“ – deren Aktualität von den Lesern auf der Bühne sehr geschätzt wird, deren Rückseiten allerdings die interessantesten Geschichten liefern – schreckt er vor keinem Deal zurück.

Die Spur führt schließlich in den Import-Export-Handel von Frank Sutton, der eindrucksvoll elegant von Benedikt Fiebig gespielt wird und der entlassenen Strafgefangenen durch Jobs bei der Resozialisierung hilft. So arbeitet unter anderem auch der eher verschlossene und umtriebige, aber dennoch charmant-liebenswerte „Captain“ Leslie (Carsten Müller) bei ihm. Aber was macht er nachts im Büro? Warum treibt er, der von sich behauptet, bei keiner Verurteilung unschuldig gewesen zu sein, sich nachts in den finstersten Ecken Londons rum?

Dubios, smart, zwielichtig und eine „Portion Kinski“

Und da ist noch der ziemlich dubiose Tillman. In Anlehnung an den zweiten „Zinker“-Film aus dem Jahre 1963 wird er mit einer gehörigen Portion Kinski von Dennis Gottschalk gespielt, der in einer Doppelrolle auch als ziemlich schnell „um die Ecke gebrachter“ Ganove Larry zu sehen ist. Der smarte Sutton selbst hat auf den ersten Blick wohl eher mit den Frauen zu kämpfen: Seine Verlobte Beryl Stedman (Annabell Fugmann) ist hin- und hergerissen zwischen ihm und dem nie um einen guten Ratschlag verlegenen John Leslie („Man soll ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen“), seine oft bei ihm weilende Sekretärin Millie Trent kann den Ex-Ganoven jedoch absolut nicht ausstehen – Anastasiia Jungk läuft in dieser zwielichtigen Rolle zu Höchstform auf.

Über allen steht jedoch der immer im richtigen Moment auftauchende Lew Friedman (Hans-Willi Lukas), der früher einmal gemeinsam mit Beryls Vater als Bankräuber in Südafrika tätig war, nun der Gaunerei offensichtlich abgeschworen hat und als „graue Eminenz“ im Hintergrund die Fäden zieht… TiC-Chef Ralf Budde ist es als Regisseur wieder einmal gelungen, den Edgar-Wallace-Klassiker in einer finster-schaurigen, aber dennoch rasant-anspruchsvollen Version auf die Bühne zu bringen. Für das praktische Bühnenbild zeichnet Janosch Plaumann verantwortlich, der es geschafft hat, möglichst viele Aktenordner auf der kleinen TiC-Bühne unterzubringen.

Kerstin Faber hat bei den Kostümen sehr aufs Detail geachtet: Die farblich-extravaganten Akzente der Damen werden nur durch Lew Friedmans Taschenuhr und Frank Suttons Zigarettenetui getoppt. „Der Zinker“ ist im TiC-Theater spannende Unterhaltung bis zur letzten Minute und wahrlich „ein typischer Nachmittag unter Freunden“. Karten für die nächsten Vorstellungen gibt es über die TiC-Hotline unter 0202 47 22 11 sowie online unter www.tic-theater.de.