Dorf-Shoppen während der Corona-Krise

05.08.2016, 10.20 Uhr   |   Matthias Müller   |   Artikel drucken   |   Instapaper   |   Kommentare

Tschernobyl-Gäste: „Dankbarkeit der Kinder ist jede Mühe wert“

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Hannelore Geiss (vo. li.), die „gute Seele“ des Vereins, freute sich: Natürlich kam während der Wochen der jungen Gäste aus Weißrussland im NaturFreundehaus am Greuel auch das Akkordeon von Lubov Golobizkaja zum Einsatz.

Jeden Sommer freuen sich die Kinder aus Merkulowitschi in Weißrussland, wenn sie nach Cronenberg kommen dürfen: Hier verbringen sie unbeschwerte Tage, denn die Reaktorkatastrophe von 1986 hat bis heute ihre Spuren hinterlassen. So waren auch heuer wieder 16 Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren im NaturFreunde-Haus am Greuel zu Gast (die CW berichtete).

Im Mittelpunkt der vielen Helfer steht Hannelore Geiss – auch mit 92 Jahren sorgte sie wieder maßgeblich dafür, dass der Besuch in Cronenberg überhaupt möglich wurde. Das ist allein finanziell eine Leistung: Schon die Busfahrt nach Cronenberg kostet stolze 6.000 Euro. Auch diesmal zählte die mütterliche Lubov Golobizkaja mit ihrem Akkordeon zu den Begleitern. Zu ihr gehört ebenso die inzwischen berühmte Pfeife, um alle Kinder zusammenzurufen.

„Die erste Reise mit Kindern nach Wuppertal machte ich 1991“, erinnert sich Lubov Golobizkaja, die unterdessen gut Deutsch spricht. Ein Vierteljahrhundert zählt sie nun zu den Begleitern, darf immer wieder ausreisen „denn die Regierung von Weißrussland ist sicher, dass ich auch stets wieder zurück komme“, so die Betreuerin. „Wir sind immer wieder begeistert, wie gerne man uns hier haben möchte und wie sehr man uns hilft“, konnte Lubov Golobizkaja dieses Glück auch nach so vielen Jahren wieder nicht fassen.

Zuerst nahm die Gemeinde St. Michael die Kinder auf, dann waren sie in Hückeswagen, seit 15 Jahren bereits ist das Dörper NaturFreunde-Haus das Ziel. „Die Kinder leben hier richtig auf“, freut sich Hannelore Geiss beinahe wie ein Kind über die Unbeschwertheit ihrer jungen Gäste. Von den ersten Kindern in Wuppertal sind heute manche selbst Eltern, die ihren Nachwuchs ebenfalls in die Ferien nach Cronenberg schicken können.

Von den Kindern, die bis zum 2. August „im Dorf“ waren, können einige sogar schon etwas Deutsch sprechen, so richtig trauen sie sich aber noch nicht. Dennoch wurde einmal mehr deutlich: Sie genießen die Gastfreundschaft, fühlen sich wohl – von Heimweh war keine Spur. Dafür war ja auch keine Zeit: Die kleinen Gäste spielten, machten Ausflüge und auch die alljährliche Einladung in den „Hellas-Grill“ am Nettenberg war wieder ein Hit.

Und auch die NaturFreunde Cronenberg heizten wieder die Kohlen an, um ein tolles Grill-Fest zu geben. Als Dankeschön war auch diesmal etwas einstudiert, was Lubov Golobizkaja mit viel Mühe vorbereitet hatte. Nicht nur deshalb wird der Cronenberg-Aufenthalt sich weiter nachhallen, nachdem es  in dieser Woche wieder zurückging: Denn im Reisegepäck der Kinder waren auch viele Gaben wie Spielzeug, Bettwäsche und Kleidung – schön war’s doch wieder „im Dorf“…